Calle (Meschede)

Gasthof DiemeltalGasthof Diemeltal

Gute 5km lang ist die Fahrt - oder Wanderung - von Meschede nach Calle, einem der Ortsteile der Stadt im Westen. Calle liegt in einem Talkessel zwischen Henne-, Ruhr- und Wennetal, durchflossen von der Kelbke und umgeben von Ransenberg (376m), Kehling (377m), Hardt (424m) und einigen weiteren Bergen. Erstmals für das Jahr 1042 ist die Pfarrei in Calle schriftlich belegt, zum Kirchspiel gehörten damals insgesamt 15 Ortschaften, darunter Berge, Schüren und Wennemen.

Die Größe des Kirchspiels ist damit auch der Grund für die Größe der Kirche, die an sich viel zu groß für das kleine Dorf wirkt. Die Pfarrkirche St. Severinus thront wuchtig auf einer Anhöhe. Der Bau entstand 1853-59, um den baufällig gewordenen Vorgänger zu ersetzen. Älter als der Kirchenbau selbst und zugleich das interessanteste Stück der Innenausstattung ist der Hochaltar von 1636. In den fünf Nischen des Retabels sind Heiligenfiguren zu sehen, spätgotische Schnitzereien vermutlich aus der Werkstatt Kolshusen. Aus der gleichen Werkstatt dürfte auch das Kruzifix am nördlichen Seitenaltar stammen. Sehenswert auch die romanische Madonna, die um das Jahr 1270 entstand.

Halloh scheint ein merkwürdiger Name für einen Berg zu sein. Zumindest der Teil -loh deutet darauf hin, dass die Abhänge einst zumindest zum Teil bewaldet waren. Sehr wahrscheinlich hatte der Ort oben auf dem Halloh (346m) westlich von Calle schon in vorchristlicher Zeit Bedeutung als Kult- und Opferstätte. Darauf deuten alte Hohlwege hin, die vom Tal aus hinaufführen.

Um das Jahr 1200 war das Halloh eine Station auf dem Soester Totenweg. Diese Strecke verlief zwischen der Wittekindburg in Soest über den Arnsberger Wald und durch das Tal der Wenne bis nach Wormbach, dem religiösen Zentrum der Region. Verstorbene Fürsten und Adelige wurden in einem Trauerzug diesen Totenweg entlang nach Wormbach überführt, woher der Weg den Namen hat. Und auch in einer weiteren Hinsicht hat das Halloh mit dem Tod zu tun. Der Platz auf dem Berg diente auch als Hinrichtungsstätte. Hier oben standen die Galgen, und zur Zeit der Hexenverfolgung brannten die Scheiterhaufen oben auf dem Berg.

Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum man dort auch eine Kapelle errichtete. Die Flurkapelle auf dem Halloh stammt aus dem Jahr 1686, es ist aber anzunehmen, dass sie eine Vorgängerin hatte. Geweiht ist sie der schmerzhaften Mutter. In den Jahren nach ihrem Bau entwickelte sie sich zu einem regelrechten Wallfahrtsort, wohin Kranke pilgerten, um Linderung ihrer Leiden zu erfahren. Bis heute finden auf dem Halloh gelegentlich Versammlungen der Gemeinden aus Calle, Wennemen und Berge statt, und aus Berge, Calle und Wallen führen Kreuzwege zur Kapelle hinauf. Im Inneren der Kapelle auf dem Halloh interessant ist das Vesperbild, etwa um das Jahr 1700 entstanden, eine Pietà aus dem frühen 18. Jahrhundert und die vollständig bemalte Holzdecke.

An der Straße zwischen Calle und Berge liegt der kleine Ort Wallen. Von dort aus ein kleines Stückchen Richtung Südwesten liegt die Burgruine Wallenstein. Auf dem gleichnamigen Berg Wallenstein (469m) gelegen, überschaute die Anlage einst das Wennetal. Wer das selbst überprüfen möchte, der hat einen recht steilen Anstieg zu bewältigen. Doch die Aussicht entschädigt für die Anstrengungen. Die Burg, von der heute noch einige Mauerreste und die Andeutung eines Halsgrabens erhalten sind, entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Grafen von Arnsberg hatten sie erbaut, um ihren Besitz im Wennetal zu sichern. 1368 fiel die Burg an das Erzstift Köln. Sehr lang wurde die Burg allerdings nicht genutzt, schon aus dem Jahr 1484 gibt es Berichte, wonach sie unbewohnbar gewesen sei. Vermutlich war der Kern der Anlage ein viereckiger Wohnturm mit Obergeschossen aus Holz oder in Fachwerkbauweise.

Ganz in der Nähe gibt es noch eine zweite Burg, oder besser gesagt deren Überreste. Sie liegt nördlich von Calle auf einem Berg, der wie die Burg selbst Stesser Burg (320m) genannt wird. Sie ist deutlich älter als die Ruine Wallenstein, denn sie stammt noch aus der Latène-Zeit, also der vorrömischen Eisenzeit. Es handelte sich um eine Wallanlage, von deren Erdaufschüttungen heute noch Überreste zu sehen sind. Vor allem nach Süden und Westen hin war die Burg durch Wälle und Gräben gesichert. In den anderen Richtungen sorgte die natürliche Lage an den steilen Hängen für den nötigen Schutz. Der Aufstieg lohnt vor allem wegen der prachtvollen Aussicht über das Ruhrtal und das Tal der Kelbke, die am Fuß der Stesser Burg in die Ruhr mündet.