Bergpark Villa Anna (Eppstein)

Südlich von Eppstein liegt der Bergpark Villa Anna. Es gibt nur zwei Parks in Hessen, die sich Bergpark nennen, wobei der Bergpark Kassel Wilhelmshöhe der größte dieser Art in Europa ist. Der Bergpark Villa Anna auf den Jähenberg ist ein etwa 10ha großes märchenhaftes Gelände mit exotischen Bäumen und liebevoll gestalteten Gebäuden, weithin sichtbar ist der Neufvilleturm. Ein Förderkreis kümmert sich um die Erhaltung und hat einen Rundweg gestaltet. In einem Zettelkasten am Eingang ist ein Flyer ausgelegt und ermöglicht informativ das Erkunden des fantastischen Areals.

Dem Kaufmann und Bankier Alfred von Neufville aus Frankfurt stand um 1900 der Sinn nach einem Sommersitz, den er sich in Eppstein schuf. Ab 1884 ließ er sich mehrere Gebäude nach damaligen Gesichtspunkten errichten, die noch heute sehr viel Charme versprühen. Landhausstil, ein wenig verspielt, mit Zierfachwerk und Erkern. Das Haupthaus ist die Villa Anna, benannt nach seiner Frau. Der Backsteinbau mit Zierfachwerk ist malerisch angelegt, mit Krüppelwalmdach und Schwebegiebel. Im Inneren sind Holzdecken und Schnitzwerk. Das Haus wird seit Herbst 2012 von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen bewohnt.

Ein Brückengang auf verzierten Säulen führt zum benachbarten Kavaliershaus. Seit dem Barock wurden Gebäude eines Schlossensembles so benannt, in dem der Hofstaat, Ritter oder Gäste untergebracht waren. Das Kavaliershaus auf hohem Bruchsteinsockel mit verzierten Fensterbrüstungen ist auch im Inneren mit Schnitzereien versehen. Besonders hübsch ist beispielsweise das Portal des Fürstenzimmers.

Etwas unterhalb steht das Kutscherhaus, das ursprünglich auch mal einen Dachreiter und eine Turmuhr besaß. Auffallend als Beispiel einer weiteren Baukunst ist das Schweizer Haus mit herrlich verzierten Brüstungen, ganz charakteristisch, als sei man mitten in den Bergen.

Als weitere bauliche Elemente ist eine künstliche Kapellenruine ein beliebtes Motiv für Maler und Fotografen. Ein Gartenblockhaus, eine wiederaufgebaute Meierei, ein Marienrelief – es gibt sehr viel zu entdecken. Wunderhübsch saniert zeigt sich das glänzende Dach des Taubenhauses. Die farbig glasierten Ziegel wurden nach alter Tradition in Handarbeit hergestellt.

Höhepunkt der märchenhaften Anlage im verwunschenen Garten ist der Neufvilleturm, von den Einheimischen damals auch Neu-Willi-Turm genannt, der in den Sommermonaten an den Wochenenden bewirtet ist. Der beliebte Aussichtsturm erhebt sich rund 80m über der Altstadt von Eppstein. Es heißt, er sei ein im Elsass abgetragener Turm, der hier seine neue Heimat fand, das weiß man aber nicht so genau. Der gotische Turm mit Zinnen und einem Runderker regt die Phantasie an, lässt die Märchen der Gebrüder Grimm lebendig werden.

Auch die Umgebung verzaubert. Die Gartenanlage wurde von Andreas Weber geplant, der auch für den Frankfurter Zoo als Architekt gearbeitet hat. Die seinerzeit angelegten Blickachsen sind teilweise von der Natur zurückerobert worden, die exotischen Bäume und Ziersträucher stattlich herangewachsen. 43m hohe Douglasien oder 4,8m im Umfang messende Mammutbäume beispielsweise oder Sträucher wie Rhododendron und Azalee, die ebenfalls Baummaße erreicht haben. Die zehn Schwestern sind Grünlinden und die Brüder stehen als Esskastanien zusammen. Traumhaft das alles!

Regionaler Bezug:

Eppstein Main-Taunus-Kreis Hessen Eppsteiner Horst Main-Taunus Taunus