Belecke

Wo die Wester in die Möhne mündet, liegt Belecke, das von begeisterten Besuchern auch schon mal das Juwel des Sauerlands genannt wird. Schon im Jahr 938 wird ein Castellum Baduliki erwähnt, die Keimzelle des heutigen Warsteiner Ortsteils am Nordrand des Sauerlands. Diese Burg muss auf dem Bergsporn gelegen haben, auf dem heute die Belecker Altstadt zu finden ist. 1296 erhielt Belecke Stadtrechte und wurde später sogar Mitglied der Westfälischen Hanse wie auch die Nachbarn Warstein und Hirschberg.

Doch auch Rückschläge hatte die Stadt in ihrer Entwicklung einzustecken. Der letzte große Stadtbrand im Jahr 1805 vernichtete zwei Drittel der Häuser. Allerdings verdanken wir ihm heute auch das schöne Stadtbild, denn während des Wiederaufbaus wurden die teils verschieferten Fachwerkhäuser der Altstadt einheitlich mit der Giebelseite zur Straße ausgerichtet. Der jährlich am Mittwoch vor Pfingsten begangene Sturmtag mit Gottesdienst und Gedenkfeier erinnert ebenfalls an schwere Zeiten: Während der Soester Fehde hatten die Belecker Bürger an diesem Tag im Frühjahr 1448 die Angreifer aus Soest erfolgreich abgewehrt.

Zu den sehenswerten alten Gebäuden gehört Stütings Mühle. Über 650 Jahre lang (1307-1963) war die Säge- und Kornmühle an der Wester betrieben worden. Ihren Namen trägt Stütings Mühle nach der Betreiberfamilie, die seit 1813 darin arbeitete. Heute treibt die Turbine keine Sägen oder Mühlsteine mehr an, sondern produziert rund 130.000kWh Strom pro Jahr. In der Fruchtscheune gleich nebenan ist inzwischen die Stadtbücherei untergebracht.

Die Propsteikirche St. Pankratius entstand im 13. oder 14. Jahrhundert in gotischem Stil. Ihr charakteristischer Turm hat allerdings wenig Gotisches an sich. Er stammt ursprünglich von der Vorgängerkirche um 1100 und erhielt 1682 einen barocken Turmhelm, der zugleich geduckt und doch hoch aufragend wirkt. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand das Kirchenschiff neu, das im Innenraum für Sauerländer Verhältnisse ungewöhnlich großzügig wirkt. Der Chor kann an Höhe und Breite mit dem Langhaus mithalten, was eher an süddeutsche Kirchenbauten erinnert. Neben dem südlichen Seitenaltar findet sich eine hochgotische Gottesmutter, das bedeutendste Kunstwerk in der Kirche. Sie stammt aus einem inzwischen nicht mehr existenten Kloster nahe Hirschberg.

Vergleichsweise modern wirkt der nahezu runde Turm der 1961 geweihten katholischen Heilig-Kreuz-Kirche, dessen Turmhelm beinahe noch einmal so hoch ist wie der Turm selbst. Damit steht er in deutlichem Gegensatz zum Turm der Propsteikirche. Der Grundriss der Heilig-Kreuz-Kirche ist kreuzförmig, und auch ansonsten setzt die Kirche in allen Details die Tradition der Kreuzverehrung fort, die es schon lange in Belecke gibt.

Die Schatzkammer der Propstei beherbergt das Belecker Stadmuseum. Die Geschichte und Entwicklung der Stadt sowie sakrale Kunst sind die beiden Schwerpunkte der Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Urkundenbücher, Bilder, liturgisches Gerät und liturgische Gewänder, sowie in der angeschlossenen Abtskapelle St. Johannes Baptist ein prachtvoller Barockaltar.

Im Norden Beleckes befindet sich eine der Hauptattraktionen des Ortes, eine Mineralquelle. Das Kaiser-Heinrich-Bad, das um diese Quelle entstanden ist, ist nach eben jenem Kaiser Heinrich I. benannt, der angeblich schon darin gebadet haben soll. Auch den Kaisern Otto I. und Heinrich II. wird in einigen Quellen nachgesagt, dass sie die heilkräftige Quelle genutzt haben sollen. Ob dies aber tatsächlich der Fall war, und ob es sich dabei nicht nur um eine Namensverwechslung handelt, bleibt ungewiss. Die Nachbarn aus Warstein jedenfalls spotten gern über diese angebliche Tradition mit einem Lied und der wenig respektvollen Zeile "Wo Kaiser Heinerich sich seine Mauken wusch..."

Die Besonderheit der Heilquelle, die für eine Solequelle einen zu niedrigen Salzgehalt besitzt, ist der hohe Anteil an Lithium. Dieser Stoff wird in der modernen Medizin als Antidepressivum eingesetzt. 33m tief ist die Bohrung, die das Wasser für das Bad heute an die Oberfläche fördert. 6-10 Kubikmeter pro Stunde sprudeln aus der Quelle, hilft man mit Pumpen nach, können es bis zu 24 Kubikmeter werden. Dann jedoch wird der Mineralgehalt zu gering, so dass man die Menge auf rund 10.000 Kubikmeter pro Jahr reduziert. Bis zu Tiefbohrungen im Jahr 2005 in Arnsberg galt die Kaiser-Heinrich-Quelle als einzige Mineralquelle im gesamten Sauerland.

Ebenfalls zu Belecke gehört der kleine Adelssitz Schloss Welschenbeck an der Grenze zu Mülheim. 1222 wird das Gut als Belskenbike erstmals erwähnt. Das eigentliche Schloss ist heute leider nicht mehr erhalten. Schon 1445 wurde es während der Soester Fehde zerstört. Erhalten ist hingegen das Burgmannenhaus, das ein Ausflugslokal beherbergt - ein beliebtes Ziel für Ausflügler und Wanderer rund um Belecke. Das Burgmannenhaus von Schloss Welschenbeck ist umstanden von einigen sehr schönen alten Bäumen, darunter eine gewaltige Linde mit 5,40m Stammumfang.