Amönau

Der Treisbach entspringt an der Sackpfeife (674m) bei Biedenkopf, die Asphe im Ederbergland. An ihrem Zusammenfluss besteht urkundlich nachweisbar seit dem Jahr 1008 der kleine Ort Amönau, das Dorf der Brücken. Und nur wenig jünger sind Teile des Kirchturms, der sich hier über der Einmündung des Asphe in den Treisbach erhebt. Der Wehrturm der evangelischen Kirche entstand wohl zwischen 1175 und 1250. Der Chor wurde um 1300 erbaut, das Kirchenschiff dann schließlich 1595 hinzugefügt.

An die Kirche schließt sich der frühere Gutbesitz der Herren von Hohenfels an, das so genannte Schloss Amönau. Ursprünglich im 15. Jahrhundert erbaut, entstand der wichtigste Teil des Schlosses 1615: Das Lusthäuschen auf der Sandsteinmauer. Um in stilvoller Atmosphäre die Teestunde zu genießen, wurde dieser Fachwerkpavillon errichtet und gilt damit als ältestes Teehaus in Deutschland.

Dies allein würde aber nicht rechtfertigen, dass ganze Busladungen speziell japanischer Touristen das Lusthäuschen fotografieren. Dies rührt daher, dass der Zeichner Otto Ubbelohde das Lusthäuschen als Vorlage für seine Illustration des Rapunzelturms nutzte und damit jeder Kenner der Grimms Märchen dieses Motiv schon mal gesehen hat.

Amönau ist also die visuelle Heimat der Rapunzel. Daher erhielt der erstmals zum 1000jährigen Jubiläum 2008 veranstaltete und seitdem immer am letzten Augustwochenende stattfindende Krammarkt mit buntem Rahmenprogramm den Namen Rapunzelmarkt. Die schöne Kulisse lockt Tausende Besucher nach Amönau.

Ein weiteres, sagenumranktes Gebäude in Amönau ist das Dukatenhaus. Die Sage ist jedoch recht grimmig: Ein Ehepaar, das hier zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wohnte, beging angeblich einen Raubmord an einem Soldaten, der bei ihnen übernachtete, und stahl einen Sack voller Dukaten. Später stellte sich heraus, dass der ermordete Soldat der eigene Sohn gewesen war. An das Familiendrama erinnern heute Golddukaten in den Eckbalken des Fachwerkhauses.

Auf einem Hügel nahe Amönau, mitten auf einer kreisrunden ehemaligen Gerichtsstätte, steht eine alte Gerichtslinde. Das 300 bis 350 Jahre alte Naturdenkmal steht frei auf der Hügelkuppe und ist von weithin sichtbar. Auf ihrer Rückseite hat die Linde ein beinahe 2m großes Loch, das noch von einem Blitzeinschlag aus dem Jahre 1954 stammt.