Alte Neustadt (Bad Kreuznach)

Alte Neustadt oder historische Altstadt? Da kann schon mal Verwirrung aufkommen, wenn man nicht aus Bad Kreuznach kommt. In Bad Kreuznach aber ist klar: Die Neustadt ist die Altstadt, also das historische Zentrum von Bad Kreuznach. Die Bad Kreuznacher Neustadt liegt an der Einmündung des Ellerbachs in die Nahe. Kurz vor der Mündung verbindet die Alte Nahebrücke mit ihren Brückenhäusern die City von Bad Kreuznach mit der Neustadt, dem historischen Zentrum.

Die Bad Kreuznacher Neustadt entstand in Folge der Teilung der Grafschaft Sponheim. Die Vordere Grafschaft Sponheim baute sich oberhalb der Mündung des Ellerbachs auf einem Bergsporn eine Burg, die Kauzenburg. Diese wurde Residenz der Grafen und kam später in den Besitz verschiedener anderer Adelshäuser, bis die Franzosen die Kauzenburg 1688 sprengten und die Ruine niederbrannten. Einzelne Reste und vor allem die Kellergewölbe sind erhalten und wurden 1970-71 von Stararchitekt Gottfried Böhm mit kubistischen Erkern und viel Glas und Metall modern zu neuem Leben erweckt. Ein spannender Stilmix.

Unterhalb der Kauzenburg entwickelte sich im Mittelalter die Neustadt, heute das Ausgehviertel von Bad Kreuznach. Im Mündungsgebiet des Ellerbachs in die Nahe lag das Gerberviertel, das man heute als Klein-Venedig kennt. Die Häuser, dicht gedrängt, stehen mit ihren Rückseiten auf der Ufermauer. Der Ellerbach wurde etliche Jahrhunderte als Kanal für Abwässer von Gerbereien, Metzgereien und den Haushalten genutzt. Man mag sich nicht vorstellen, was das für ein Duftgemisch gewesen sein kann.

Im Herzen der Neustadt liegt der Salzmarkt zwischen Metzger- und Gerberviertel. Bis ins 19. Jahrhundert wurde hier mit Salz gehandelt, das beide eben genannten Berufsgruppen brauchten. Am Salzmarkt, heute ein Treffpunkt für Gastronomiebesucher, findet sich mit der Krone das älteste Gasthaus Bad Kreuznachs.

Ein weiterer Marktflecken ist der Eiermarkt, der über einige Jahrhunderte als Zentrum der Neustadt galt. Nachbarn sind das mittelalterliche Metzgerviertel, Fachwerkbauten und die Nikolauskirche. Auf dem Marktplatz steht eine Skulptur, die zeigt, wie der Metzgermeister Michel Mort den Stadtobersten Graf Sponheim in einer Schlacht 1279 gerettet hat.

Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus geht auf die 1260 von den Grafen von Sponheim gestiftete Nikolauskapelle zurück. Die erste Umgestaltung der Kapelle zur Kirche fand 1290 statt. Die Architektur nannte man seinerzeit Bettelordensarchitektur. Zum Glück für Bad Kreuznach wurde einem Abriss der Kirche im 19. Jahrhundert nicht zugestimmt. Die Nikolauskirche wurde saniert und um einen Kirchturm ergänzt. Heute ist die Nikolauskirche die älteste erhaltene Kirche in Bad Kreuznach.

Die Nikolauskirche war einst Klosterkirche eines Karmelitenkloster. Die betrieben im Mittelalter in Bad Kreuznach eine Lateinschule. 1507 soll dort der Magister Georg Sabellicus Faust unterrichtet haben, von dem man mutmaßt, er sei das Vorbild von Goethes Faust. In der Bad Kreuznacher Neustadt steht das historische Faust-Haus in der Magister-Faust-Gasse. Das heute gastliche Haus steht auf den Fundamenten des Wohnhauses des Lehrers, in dessen steinernem Sturz oberhalb der Kellerpforte die Zahl 1598 eingemeißelt ist. Auf dem verputzen Bruchsteinsockel erhebt sich altes Fachwerk

Begibt man sich nun zur Hochstraße 48/50 und Fischergasse 10 findet sich bereits rein optisch von der Masse Haus her, ein Gegenpol zur Fachwerkheimeligkeit. Der ehemalige Hundheimer Hof ist ein spätbarocker Mansardwalmdachbau aus dem Jahr 1715, dem um 1900 ein Klinkeranbau der Gründerzeit angeheftet wurde. Noch heute ist das Stadthaus städtisches Rathaus und Oberbürgermeister-Amtssitz. Das Stadthaus, gelb verputzt und rot abgesetzt, zählt 13 Achsen, zwei Etagen plus Dachgeschoss.