Weiskirchen (Rodgau)

Weiskirchen ist der nördlichste Ort der Stadt Rodgau und liegt an der Rodau, deren Bett über weite Strecken begradigt ist. In den letzten Jahren wurde der Bach zwischen Weiskirchen und Obertshausen sowie an der Mündung in den Main renaturiert, was seinem Gesamtzustand auf jeden Fall gut tut.

Am Obermühlplatz stand einmal die Obermühle, die 1964 abgerissen wurde. Man muss den Ort schon durchqueren, um noch eine erhaltene Mühle in Weiskirchen zu finden. Sie ist in Richtung Ortsausgang zu finden und heißt Meckelsmühle. Erstmals erwähnt wurde sie 1576. Wohnhaus und Mühle stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Weiter geht die Suche gen Norden und man stößt auf die Geschichte der Grabenmühle, wo einst auch Tanz stattfand und sich Liebschaften anbahnten. In dem Zuge bekam ein 16-jähriger beim Werben um ein Mädchen ein Messer in den Leib. Nun ist man auch schon auf seiner Wanderung an der Tannenmühle von Weiskirchen angekommen, die nach wie vor durch ihren Biergarten beliebt ist. Die Mühle, damals aus Tannenholz gebaut, stammte aus dem Jahr 1496. Hier kämpften Bauern gegen französische Soldaten. 1929 wurde der Mahlbetrieb aufgegeben und ein Gasthaus entstand.

Weiskirchen, das knapp 6.000 Einwohner hat, hat zwei Kirchen zu bieten und eine Alte Synagoge, in der eine Dauerausstellung ist und Veranstaltungen einen Rahmen finden können. Die Synagoge in der Hauptstraße 57 erscheint klein und unauffällig. Die Synagoge wurde Ende des 18. Jahrhunderts in einem Wohnhaus eingerichtet und später zur Synagoge ausgebaut. Auch in der Hauptstraße (Nr. 79) ist das Alte Wachthaus, wo der Nachtwächter seinen Amtssitz hatte und es ein Ortsgefängnis gab. Aus der Zeit hat sich ein Fenstergitter erhalten.

Die katholische Pfarrkirche St. Petrus in Ketten hat mit dem Türbogen am Kirchturm sogar noch ein Bauteil aus der Karolingerzeit. Erwähnt wurde die Kirche erstmalig 1287. Aus dem 15. Jahrhundert hat sich eine Kreuzigungsgruppe erhalten. Die Kirche selbst wurde durch den Zweiten Weltkrieg beschädigt und brannte aus. Sie wurde bis 1949 wieder hergerichtet und einige Jahre später erweitert. Noch jüngeren Datums ist die evangelische Kirche, deren Turm frei steht. Sie stammt aus dem Jahr 1952.

In der Bahnhofstraße steht das unter Denkmalschutz befindliche Alte Spritzenhaus, das 1906 im Stil des Historismus gebaut wurde. Das Spritzenhaus mit einem verputzten Bruchsteinsockel und den großen Toren an der Front hat einen Dachreiter als Schlauchturm. Insgesamt wirkt das Bauwerk wie eine kleine Dorfkirche. Am Spritzenhaus wurde ein Museumsneubau des Heimatmuseums Weiskirchen angebaut.

Regionaler Bezug:

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