Trier-Biewer

Der Trierer Stadtteil Biewer ist ein klassisches Straßendorf, das sich am Biewerbach entlangzieht, der hier in die Mosel mündet und seit einigen Jahren wieder frei und ungehindert durch sein altes Bett plätschern darf. Der Biewerbach entspringt bei Newel und fließt auf 13km der Mosel zu. Einige Mühlen wurden früher vom Biewer Bach angetrieben, u.a. die Birkelsmühle, die Felsenmühle und die Pulvermühle.

Biewer wurde erstmalig 929 erwähnt, doch bereits zur Römerzeit führte eine Straße von Trier durch Biewer entlang der Mosel. Heute sorgt eine Umgehungsstraße für die nötige Ruhe der rund 2.000 Einwohner, die am Fastnachtsdienstag alles andere als ruhig sind. Dann nämlich begeben sie sich in einem lustigen Tanzreigen zum Schärensprung und treiben bunt die Schatten des Winters davon. Eine weitere örtliche Besonderheit Biewers ist die dort gesprochene Mundart, die dem Moselfränkischen ähnelt und wo einige Betonungen anders liegen, als im restlichen Trierer Umfeld.

Die Bebauung Biewers liegt zwischen Mosel und Bahnlinie sowie steil aufragenden Sandsteinfelsen, die eine natürliche Ortsbegrenzung darstellen und baulich integriert sind. Integriert ist auch der St. Jakobus Brunnen. Der Brunnentrog mit der Figur des heiligen St. Jakobus geht auf das Jahr 1839 zurück und ist ein sichtbarer Beleg, dass der Jakobsweg – hier als Mosel-Camino – durch Biewer führt.

Ortsbildprägend ist in Biewer auch die katholische Pfarrkirche St. Jakob, ein romanisierender dreischiffiger Hallenbau mit Fertigstellung im Jahr 1912. Der Architekt Peter Marx ist übrigens einer der Gewinner des Architekturwettbewerbes, der zum Bau der Villa Reverchon im benachbarten Pallien geführt hat.

Am Ortseingang von Biewer befindet sich das Areal des ehemaligen Leprosoriums St. Jost mit Siechenhaus, Kapelle und dem ehemaligen Friedhof. Lepra, damals Aussatz genannt, konnte im Mittelalter nicht geheilt werden und so verfrachtete man die Aussätzigen in Siechenhäuser außerhalb der Dörfer. Das Leprosorium in Biewer geht in die Zeit des 12. Jahrhunderts zurück. Es gab ein Hauptsiechenhaus und kleinere Behausungen. Das Haupthaus wurde zu Wohnungen umgebaut.

Die zum Leprosorium gehörende Kapelle mit dem kleinen Dachreiter ist ein zweiachsiger Saalbau mit Chor und angebauter Sakristei aus dem Jahr 1706. Bei Sanierungen wurden alte Bemalungen freigelegt. Nahebei ist das Areal des Leprosenfriedhofs, von dem Reste an der Sandsteinfelswand zu erahnen sind. Eine Interessengemeinschaft kümmert sich um den Erhalt der Kapelle und des Areals.

Ein Baudenkmal mit Spuren bis ins frühe 15. Jahrhundert ist der Altenhof. Das Hofgut war ab dem 19. Jahrhundert Sitz der Revierförsterei. Das Haus im Aacher Weg 86 ist ein Winkelbau mit ein bis zwei Geschossen und entstand in Anlehnung an den Schweizer Stil im Jahr 1874 – bis heute wird der Altenhof gastronomisch genutzt.

Ein Gebäude, welches einem ein bisschen das Auge sprengt durch einen etwas burgähnlichen Turmbau ist das ehemalige Staatsjugendheim im Dechantsgarten. Die Vorhalle ist mit Fachwerk ausgeführt und der bergfriedartige viergeschossige Turm entsprach dem Gusto seiner Entstehungszeit: 1936-37.

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