Stolberg (Rheinland)

Der Stadtteil Oberstolberg bildet zusammen mit Unterstolberg (Mühle) die City von Stolberg in der Rur-Eifel. Durch die Altstadt zieht sich der Vichtbach, westlich der Innenstadt verläuft das Indetal.

Stolberg trägt seit 2012 den Beinamen Kupferstadt und verweist damit auf die lange Tradition in der metallverarbeitenden Industrie. Bis heute finden sich viele Bauten aus der Kupfermeisterzeit und mit Stolz bezeichnet sich Stolberg auch als älteste Messingstadt der Welt, denn hier wurde ab dem 17. Jahrhundert Kupfer mit dem örtlichen Galmei zu Messing legiert.

Die Kupfermeister liegen auf dem Kupfermeisterfriedhof südöstlich der Altstadt begraben. Gleich zwei Kirchen sind hier angesiedelt. Eine davon ist heute ohne Turm und Geläut. Die Vogelsangkirche wurde aus dem in der Region öfter verwendeten Blaustein gemauert. Sie entstand 1648 und ist eine der ältesten lutherischen Kirchen im Raum Stolberg. Massig wirkt nach wie vor die mit Nägeln beschlagene Kirchenpforte, die nur von ihnen geöffnet werden kann.

Gleich benachbart steht die Finkenbergkirche, als Schwesterkirche, die mit Geläut aushelfen kann. Die Finkenbergkirche ist reformiert und wurde 1725 gebaut. Sie steht an einem Ausläufer des Hammerbergs, der Finkenberg genannt wird und erhebt sich ein wenig über das Panorama. Die reformierte Gemeinde hatte zuvor für ihre Gottesdienste den Kupferhof und die spätere Adler-Apotheke von Leonhard Schleicher zum Beten genutzt.

Und schon ist man wieder in der Historie Stolbergs angelangt, die ohne das Wort Kupfer oder Messing gar nicht auskommt. In der Burgstraße steht das Gebäude der Adler-Apotheke, das im 16. Jahrhunderts als Herrenhaus eines Kupferhofs erbaut wurde. Der damals so genannte Schleicher-Hof war 1575 neben der Burg das einzige Haus aus Stein in Stolberg und der erste Kupferhof. Das zweistöckige Gebäude, von dem aus die Erfolgsgeschichte Stolbergs als Messinglieferant ausging, dient heute Wohnzwecken.

Die Burgstraße ist nur ein Beispiel der früheren Bautätigkeiten und einige Häuser waren vermutlich Teile von früheren Kupferhöfen, ebenso wie einige Häuser in der Enkereistraße. Der Kupferhof Rose am Alten Markt in der Burgstraße wurde vermutlich auch vor 1600 erbaut. Der Kupferhof ist heute ein Kunsthof mit Ateliers.

Am südlichen Rand der Altstadt liegt direkt an der Vicht der Kupferhof Schart, der vor 1600 als Doppelhofanlage gebaut wurde. 1719 wurde aus dem Hof eine Tuchfabrik. Wandlung war auch im 19. Jahrhundert ein Teil der Geschichte. Schart war Kinderverwahranstalt, Bücherei, Schule und Gastronomie. Das große Bruchsteingemäuer wird mit Blaustein an den Ecken und Fenstern gegliedert. Man betritt das imposante Gebäude über eine Vichtbachbrücke und eine Tordurchfahrt.

Auch direkt am Vichtbach liegt der Kupferhof Sonnental. Er ist jüngeren Datums, nämlich 1730. Er entstand als Erweiterung einer heute nicht mehr zu sehenden Hofanlage. Ab 1835 wurde Sonnental als Glashütte betrieben. Es folgte eine Nutzung als Eisengießerei und Heizölhandel, bevor das schöne Bauensemble für Wohnzwecke kultiviert wurde. Weitere Kupferhöfe sind der Knautzenhof, ein vierflügeliger Hof, aus der Zeit vor 1600. Dann gibt es noch kleinere Kupferhöfe wie den Seifenhof in der Vogelsangstraße oder den Kupferhof Enkerei, der aufgrund etlicher baulicher Veränderungen nicht mehr der Ausgangslage entspricht.

Am südlichen Ortsrand lag das ehemalige Reitwerk des Dollartshammers. Es war das älteste Hammerwerk an der Vicht und geht auf das Jahr 1464 zurück. Der Herr Dollart nahm das Hammerwerk in Erbpacht. 1508 aber hatte er nichts mehr davon, denn einer seiner Knechte brachte ihn um, weil er Dollart einer Beteiligung an einem Silberbarrendiebstahl beschuldigte. Der Dollartshammer ist wie auch der Binsfeldhammer südlich in eine Industriestätte aufgegangen.

Am nördlich der Altstadt befindlichen Kaiserplatz steht das ehemalige Amtsgericht. Das auffällig rote Gebäude war zu Zeiten des Knechts sicher noch nicht hier, aber für eine Beichte die Burgkapelle, die erstmalig im 14. Jahrhundert erwähnt wurde und östlich der Burg steht. Aus der Burgkapelle entstand die katholische Pfarrkirche St. Lucia. Die Burgkapelle lag noch innerhalb der Burganlage. St. Lucia zeigt sich heute als dreischiffige Basilika im neoromanischen Stil und ihr Turm prägt mit dem Bergfried das Altstadtbild.

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