Stockheim (Glauburg)

Stockheim in der Wetterau ist Verwaltungssitz der Gemeinde Glauburg, die aus den Orten Stockheim und dem südlich davon gelegenen Glauberg besteht. Im Nordwesten von Stockheim erstreckt sich das Naturschutzgebiet Nidderwiesen. Südlich fließt der 22km lange Bleichenbach, der bei Wenings entspringt und in Glauburg in die Nidder mündet.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Stockheim befindet sich etwas außerhalb des Ortskerns jenseits der Nidder an der Landstraße nach Nieder-Mockstadt: das Hofgut Leustadt. Das Hofgut Leustadt geht auf die ehemalige Wasserburg Leustadt zurück. Von ihr geht die Sage, sie sei das Dornröschenschloss der Brüder Grimm. Das Wasserschloss wurde erstmalig 780 erwähnt und es befindet sich heute in einem hervorragend restaurierten Zustand im Privatbesitz einer Restauratorin, die auch künstlerisch geschickte Hand an die Innenausstattung der katholischen Kirche in Stockheim gelegt hat.

Auf dem 45ha großen Gesamtareal des Hofguts Leustadt befinden sich mit dem Schloss neun historische Gebäude. Der Schlossbau ist dreigeschossig und hat einen mittelalterlichen Wohnturm mit zwei Meter dicken Wänden. Erweitert wurde der Bau im 15. und 17. Jahrhundert. Von 1380 bis 1550 betrieben die damaligen Herren von Wolfskehl hier eine wichtige Fliesenproduktionsstätte für Klöster und Herrensitze. Naturstein, heller Verputz und Sichtfachwerk sowie die stimmigen Proportionen machen das Gesamtensemble so märchenhaft landschlossig. Das Hofgut Leustadt erhielt zahlreiche Auszeichnungen für die gelungene Restauration.

Ein weiteres besonderes Kleinod in der Nähe des Wasserschlosses (mit 1880 zugeschüttetem Graben) stellt die kleine katholische Kirche St. Judas Thaddäus dar. Die Kirche wurde für die Katholiken in Stockheim und Umgebung 1927 gebaut. Kunstgeschichtlich von großer Bedeutung ist, dass die Kirche, die dem Jünger und Apostel Jesu geweiht ist, ein stilreiner Art-déco Bau und damit recht einzigartig im weiten Umfeld ist.

Art-déco, übersetzt so viel wie verzierende Künste, ist ein Stil zum Aufbruch der klassischen Moderne im Design von 1920-40. Auffallendes Merkmal in der Kunst sind flächige Darstellungen von Motiven. Das können stilisierte Blumen sein und auch Menschen, denen Dreidimensionalität durch Schatten fehlt. Nicht zu vergessen sind oft klare und kräftige Farben, die bei der Ausmalung verwendet werden.

Sehr eindrucksvoll und farbenprächtig wurde die Kirche restauriert und die Malereien erstrahlen in ursprünglicher fröhlicher Pracht. Maler Reinhard Schön hat sie gemalt. Das Deckengemälde im Hauptschiff zeigt das Jüngste Gericht, die Wände zeigen den Kreuzweg. Das Deckengemälde im Altarraum bebildert die vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Engel Matthäus, Löwe Markus, Ochse Lukas, Adler Johannes.

Im renovierten Bahnhofsgebäude von Stockheim wurde ein Modellbaumuseum eingerichtet. Auch einen Außenspielplatz gibt es dort, ein Bistro und natürlich die hiesige Bahnstrecke in Miniatur. Da schlagen nicht nur die Herzen von Kindern höher in der Zwergenlandschaft.