Speicher (Eifel)

Speicher ist eine der jüngsten Städte in Rheinland-Pfalz und wurde erst 2011 zur Stadt erhoben. Funde von Öfen und Tonwaren im Speicherer Wald belegen eine Besiedelung bereits zur Römerzeit, wovon auch die rekonstruierte Langmauer im nordöstlich benachbarten Herforst ein Zeuge ist. Das Töpferhandwerk war seit den Römern ein wichtiger Erwerbszweig in Speicher. Vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert produzierte man Speicher Steinzeug, das überregional vertrieben wurde.

Im Speicherer Heimatmuseum ist ein Ausstellungsbereich der römischen Töpferkultur gewidmet. Auch finden sich im Heimatmuseum historische Webstühle, Spinnräder und andere Relikte der Vergangenheit, darunter auch Dichtkunst, das Amtsgefängnis im Keller, eine alte Schnapsbrennerei und Schmiede. Überraschungen hat die Sammlung „Not macht erfinderisch“ zu bieten. Das Heimatmuseum ist im alten Speicherer Rathaus (Reformarchitektur, 20. Jahrhundert) untergebracht.

In Speicher finden sich etliche stattliche Gebäude aus dem hier typischen roten Sandstein. Allen voran ist die katholische Pfarrkirche St. Philippus und St. Jakobus zu nennen. Die neugotische dreischiffige Hallenkirche aus dem Jahr 1896 prägt mit ihrem 70m hohen Turm das Stadtbild. Sehenswert ist sie nicht nur aufgrund der beinahe monumentalen Eingangshalle. Im Inneren bildet der 13m hohe neugotische Flügelaltar von 1911 einen Glanzpunkt. Auf dem Flügelaltar ist recht viel los. Über fünfzig Figuren zeigen in schöner Ausgestaltung Szenen aus dem Leben Jesu. Umrahmt von prächtig geschnitzten Ornamenten, strahlt der Flügelaltar in einem ganz besonderen Charme.

Im Stadtbereich in Speicher finden sich weitere denkmalgeschützte Gebäude am Bahnhof Speicher mit seinen Treppengiebeln. Der Bahnhof liegt an der Eifelbahn und das Bahnwärterhaus an der Kyllbrücke beim Nordportal des Loskyller Tunnels. Man achte bei einem Rundgang durch die Bahnhofstraße und Jacobusstraße auf die villenartigen Wohnhäuser aus dem frühen letzten Jahrhundert.

Westlich der Stadtbebauung von Speicher fließt die Kyll, ein beliebtes Angelrevier für Fliegenfischer. Direkt am Fluss liegt die Speichermühle. Das Hauptgebäude der Ölmühle entstand 1752. Weitere Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert. Eine kleine Kapelle wurde wohl um 1700 errichtet.

Eine weitere Mühle ist die Laymühle nördlich von Speicher, unweit des Hofguts Pfalzkyll gelegen. Die Laymühle entstand 1822. Völlig erhalten sind die ungewöhnlich aufwändigen Anlagen zur Wasserführung, die durch ihr sorgfältiges Mauerwerk aus großen Rotsandsteinquadern beeindrucken. Nicht weit von der Laymühle, rund 500m östlich, steht der Commeshof von 1845 mit eigener Hofkapelle, die 1858 erbaut wurde.

Am Ostrand von Speicher ist auf einer Fläche von 35ha das Naturschutzgebiet Tongruben bei Speicher ausgewiesen. Hier gibt es einige kleine Teiche als Überbleibsel des Tonabbaus und Feuchtwiesen mit schönen Orchideenbeständen.