Schweinsberg (Stadtallendorf)

Zwischen Homberg und Amöneburg liegt im Tal der Ohm der heute zu Stadtallendorf gehörende Ort Schweinsberg. In den Auseinandersetzungen der Erzbischöfe aus Mainz und der hessischen Landgrafen in Marburg um die Vorherrschaft in Oberhessen vom 13. bis ins 15. Jahrhundert hinein nahm Schweinsberg eine strategische Rolle ein. Schweinsberg war die nächste hessische Festung gegenüber dem Verwaltungssitz der oberhessischen Besitzungen der Mainzer auf der Amöneburg.

Auf einer Basaltkuppe oberhalb der Ohm errichteten die Hessen 1231-34 Burg Schweinsberg. Nach der Gründung eines Orts an der Burg und Erhalt der Stadtrechte 1332, wurde Burg Schweinsberg kontinuierlich zu einem richtigen Bollwerk ausgebaut. Eine innere Zwingermauer und eine mächtige äußere Zwingermauer umgaben jetzt die alte Oberburg. Der Eingang wurde durch eine Vorburg gesichert.

1635 wurde Burg Schweinsberg zerstört und 1646 erledigte eine Explosion den Rest. Überstanden haben diese massiven Eingriffe in die Bausubstanz lediglich die im 15. Jahrhundert erbaute Kemenate und der Fähnrichsbau. Diese Anlagen wurden im 17. Jahrhundert durch einen Fachwerkaufbau mit einem Turm, dem sogenannten Hexenturm, eine Vorburg und einen Rundturm ergänzt. Seit 2000 ist die renovierte Burganlage eine private Wohneigentumsanlage.

Burg Schweinsberg war der Stammsitz der Schencken zu Schweinsberg, die ursprünglich Burgmannen in Marburg waren und um 1240 zu den Erbschenken von Hessen berufen wurden – eines der vier höchsten Hofämter im hessischen Adel. Dadurch prosperierte die Familie und in Schweinsberg kann man so neben Burg noch vier weitere Landsitze der Schencken zu Schweinsberg bewundern: den Oberhof, den Mittelhof, den Unterhof und das Gartenhaus.

Bereits um 1260 stifteten die Schencken die Schweinsberger Stephanskirche. 1506 wurde die Ursprungskirche durch einen Neubau ersetzt, der zwar wie Burg Schweinsberg 1635 und 1646 abbrannte, darauf hin aber wieder hergestellt wurde. Die gotische Hallenkirche ist – wahrscheinlich aufgrund der Platzverhältnisse zwischen Burg und Stadt – fast quadratrisch. Im Chor der Stephanskirche befindet sich die ehemalige Grablege der Schencken zu Schweinsberg.

Am Westportal der Stephanskirche ist der Jurist Johann Georg Estor (1699-1773) begraben, der bedeutendste bürgerliche Sohn Schweinsbergs. Johann Georg Estor war zeitweilig Kanzler der Marburger Universität und gilt als Wegbereiter der modernen Heraldik (Wappenkunde und –recht).

Die Stephanskirche ist das Bindeglied zwischen Burg Schweinsberg und der historischen Altstadt von Schweinsberg, die komplett unter Denkmalschutz steht. Man sieht hier wie auch in der jüngeren Neustadt, viele große Fachwerkhöfe. Viele der Fachwerkhäuser, die meist aus dem 18. Jahrhundert stammen, wurden in den letzten Jahren aufwändig saniert.

Einzigartig in Oberhessen ist das Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor. Seit 1973 stehen hier 43ha Moor unter Naturschutz. Damit ist das Schweinsberger Moor das größte zusammenhängende Schilfgebiet Mittel- und Nordhessens. Das Flachmoor ist fast komplett mit Schilf, Büschen und Bäumen bewachsen. Im Norden wird das Moor so feucht, das sich hier ein gut 2ha großer, flacher See gebildet hat – nichts für Wassersport, aber ein wunderschönes Fleckchen Natur.