Reil

An eine Moselschleife schmiegt sich das Örtchen Reil mit rund 1.000 Einwohnern. Selbstverständlich ist auch Reil wie die meisten Orte in der Mosel-Eifel von Weinbau und Tourismus geprägt. Sehenswert sind die zahlreichen Fachwerkhäuser und Winzervillen in der Moselstraße, deren Bauzeiten bis ins frühe 16. Jahrhundert datiert sind.

Besonders zu erwähnen ist die Arche in der Moselstraße 45. Sie gehört zum Gesamtensemble der Furt, die hier einst in Reil gewesen ist. Das Fachwerkhaus auf einem massiven Sockel stammt aus dem 18. Jahrhundert und hatte früher zwei Fruchtspeicher, die ihm den Namen Arche gaben (archa, lateinisch: Fruchtspeicher).

Auffallend ist in Reil die Alte Schule. Das Gebäude mit Mittelrisalit entstand um 1870 und wurde aus Bruchstein gemauert. Das Türmchen trug früher eine Feuerglocke und die Schule wurde bis 1962 als solche genutzt.

In der Moselstraße 13 entdeckt der Architekturliebhaber ein klassisches Beispiel für die Bauweise an der Mosel, die Hochwasser wie die enge Tallage berücksichtigt. Das große Gebäude steht auf einem massiven Erdgeschoss, darüber ein Fachwerkobergeschoss, ein verschieferter Giebel und ein Mansardwalmdach. Bei der Hofanlage handelt es sich um ein sogenanntes Wohnspeicherhaus, bei dem die Funktionen übereinander liegen. Benachbart ist die Alte Schmiede, mit Teilen aus dem 16. Jahrhundert, doch in der Zwischenzeit reichlich verändert.

Die Bebauung in der Pariser Straße spiegelt einen alten und eher gering veränderten Siedlungsteil Reils wider. Auch hier ist eine gemischte Bauweise zu finden mit Kernen aus dem 16. Jahrhundert. Wirft der Ortsbummler einen Blick in die Burgstraße, wird er zwar keine Burg finden, wie der Name Erwartungen schürt, sondern ein auffallendes Gebäude aus dem Spätmittelalter, dem 15. oder 16. Jahrhundert. Auffallend vor allen Dingen wegen des schmuck ausgeführten vorkragenden Fachwerkgeschosses. Diese Burg hier ist ein Rest einer früheren Anlage, wo die Ritter von Reil ihren Sitz hatten, deren Aufgabe es unter anderen war, die Furt zu bewachen.

Ganz in der Nähe fällt ein stattlicher Wirtschaftshof ins Auge. Der Bruchsteinbau wurde zwischen 1890 und 1900 erbaut und beherbergte ein großes Weingut. Der komplette Garten ist unterkellert. 1939 wurde das Gebäude zum Stammsitz der Sektkellerei Rudolf Müller. Hundert Fuderfässer, wobei ein Fuder in dieser Region 1.000 Liter beinhaltete, konnten dort gelagert werden und nach dem Einbau von Tanks 500.000 Liter. Heute ist das Haus privat genutzt.

Zu Reil zählt der 3km vom Ort entfernt liegende Teil Heißer Stein, ein reines ruhiges Wohngebiet. Um den Namen und die Weinlage Heißer Stein spinnt sich eine Sage. Ein Reiler Pfalzgraf hatte seine Seele dem Teufel verpfändet. Er wollte sie zurückkaufen, indem er alle Weine der Welt dem Beelzebub anbot. Der wollte sie nicht. Er machte lieber schon mal Höllenfeuer unterm Berg. Der wurde hübsch warm und brachte eine Rebsorte hervor, aus der der Pfalzgraf köstlichen Wein kelterte. Und der schmeckte dem Satan, dass er das Seelenbraten vergaß und geschmatzt haben soll: „Endlich der Tropfen vom heißen Stein!“