Prüm

Das Zentrum des nördlichen Teils der Schnee-Eifel und zugleich Sitz der flächengrößten Verbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz ist Prüm. Doch verglichen mit der Vergangenheit, ist das nur noch wenig Ehre. War Prüm doch einst einer der wichtigsten Orte Kontinentaleuropas. Denn in Prüm richteten die Karolinger, das über das heutige Kerneuropa herrschende Königs- und Kaisergeschlecht, ihr Hauskloster ein, die Abtei Prüm.

Als villa prumia wurde Prüm erstmalig 720 erwähnt und nur ein Jahr später erfolgte die Gründung der Abtei Prüm. Berühmt war die Benediktinerabtei in Prüm im Mittelalter auch durch ihre Klosterschule, eine Art Kaderschmiede für die Führungskräfte der Karolinger, die vom 8. bis 10. Jahrhundert die Geschicke Europas lenkten. Kaiser Lothar I. (795-855) trat nach seiner Abdankung als Mönch in die Abtei Prüm ein und wurde hier begraben. Im 16. Jahrhundert verleibte sich das Kurfürstentum Trier die Abtei Prüm ein.

Die Stadtgeschichte zeigt sich am Brunnen am Teichplatz, der 1992 in Form einer Krone gestaltet wurde und Bezug nimmt auf die Franken und Kaiser Lothar, die Handwerkszünfte und den Verlust der einstigen Selbstständigkeit an das Kurfürstentum Trier.

Neben der 1721 neu errichteten Basilika St. Salvator und den Klostergebäuden, die ab 1735 wieder errichtet wurden, findet sich in Prüm in der Hillstraße 17 der romanisierende Saalbau der 1894-95 errichteten evangelischen Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise verändert wieder hergestellt wurde.

Einen Besuch wert ist auf jeden Fall das Museum im Rathaus in der Tiergartenstraße 54. Auf drei Etagen wird mit einer umfangreichen Sammlung das Leben der Bürger und Bauern in der Schnee-Eifel dargestellt, in entsprechend eingerichteten Stuben. Über 12.000 Exponate auf 1.300qm Ausstellungsfläche verdeutlichen die Lebenskultur der Menschen im Prümer Land.

In direkter Nachbarschaft (Tiergartenstraße 78) befindet sich die Infostätte Mensch und Natur. Sie bietet den idealen Start für Wanderungen in und um Prüm. Die Infostätte Mensch und Natur öffnet die Sinne für die Landschaft des Waldes und den Lebensraum, den dieser Pflanzen, Tieren und Menschen bietet. Das Infozentrum hält zudem Fossilien bereit und zeigt die verschiedenen Erdzeitalter. In einer Experimentierecke erfährt der Interessierte etwas über die Meerestiere in der Eifelregion und über den Naturraum des grenzübergreifenden Naturparks Hohes Venn-Eifel.

Im Westen des Stadtkerns von Prüm erhebt sich der Kalvarienberg. Nachdem Prüm im Zweiten Weltkrieg durch den Einmarsch der Alliierten bereits zu über achtzig Prozent zerstört worden war, gab es 1949 die nächste Katastrophe: In Tunneln waren am Kalvarienberg 500t Sprengstoff gelagert. Am Abend des 15. Juli begann es hier zu brennen. Die Explosion riss einen 20m tiefen Krater von einer Größe von 190 x 90 Metern in den Berg und rund 250.000qm Erde, Steine und Bunkertrümmer fielen auf Prüm. Am Krater auf dem Kalvarienberg erinnert seit 1979 ein sieben Meter hohes geschaffenes Gedenkkreuz aus Basalt an die Explosionskatastrophe. Auf dem Kalvarienberg wurde 1984 eine Kapelle gebaut. Zum Kalvarienberg führt ein Kreuzweg, dessen erste Station 1527 errichtet wurde.

Besonders unterhaltsam wird ein Aufenthalt in Prüm in den Sommermonaten, wenn der Prümer Sommer stattfindet. Am letzten Sonntag im Juni startet die Veranstaltungsreihe mit einem Markt und Straßenmusikanten-Wettbewerb. In der Folge finden jeden Donnerstagabend, acht Wochen hintereinander, verschiedene Events vor dem Rathaus statt. Ein weiteres kulturelles Highlight ist die jährlich in den Sommerferien präsentierte Gemälde- und Skulpturenausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK) im ehemaligen Kloster und heutigen Regino-Gymnasium.

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