Pfarrkirche St. Severus (Boppard)

Boppard am elegant geschwungenen Rheinbogen hat seit Februar 2015 eine Basilika. Dabei ist nicht die Rede von einem Neubau, sondern von der Anerkennung des Vatikans, der katholischen Pfarrkirche St. Severus den Ehrentitel Basilica Minor zu verleihen.

Dem voraus ging ein umfangreicher Antrag in der Sprache des Vatikans, Latein, der von der Kirchengemeinde in Boppard ausging. Damit hat das UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal eine weitere bedeutende Sehenswürdigkeit. Im Oberen Mittelrheintal existieren neben der St. Severus Basilika bereits als Basilicae Minores die Kirchen St. Kastor in Koblenz und St. Martin in Bingen.

Am Übergang der Romanik zur Gotik entstand die St. Severus Kirche als spätromanische Emporenbasilika im 12. und 13. Jahrhundert. Doch bereits seit dem 5. Jahrhundert war der Ort eine christliche Versammlungsstätte. Funde frühchristlicher Grabsteine belegen die Bedeutung des Ortes und sind links wie rechts des Haupteingangs zu sehen. Und davor stand an der Stelle der Kirche ein Militärbad des ehemaligen römischen Kastells Boppard.

Nachdem die Römer weg waren, wurde das Bad zu einer Kirche und im Untergeschoss der St. Severus kann man das alte knietiefe Taufbecken mit sieben im Radius angeordneten Armen bewundern. Eine Markierung vor dem Tabernakel deutet die Umrisse einer alten Anlage, genannt Bema an, die im Untergeschoss liegt, syrische Einflüsse hat und nicht zugänglich ist.

Die Emporenbasilika bringt es auf beachtliche 44m Länge. Das Langhaus wird flankiert von zwei Türmen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und der Chor wird auf das Jahr 1234 datiert. Fertiggestellt war die Kirche zwei Jahre Später. Ihr Inneres überwältigt in der Bauart, die trotz monumentaler Säulen und kräftiger Rundbögen schon fast filigran gegliedert und wundervoll ausgemalt ist.

Zu einem der bedeutendsten Werke der spätstaufischen Holzplastiken zählt das 2,83m hohe Triumphkreuz über dem Altar. Sehr bemerkenswert ist die Darstellung des Christus am Kreuz, der nicht leidend mit Dornenkrone gezeigt wird, sondern mit einer Königskrone auf dem Haupt. Obwohl ans Kreuz geschlagen, triumphiert Jesus bereits über den Tod.

Farbenprächtig sind die restaurierten Gemälde, die auch der Spätromanik entstammen. Das Fresko an der Nordostwand des Hauptschiffes zeigt das Leben des Kirchenpatrons Severus von Ravenna. Eine Darstellung zeigt Severus bei der Arbeit an einem Webstuhl. Severus ist Schutzpatron der Weber, Tuchmacher und interessanterweise der Polizisten. Auch das südliche Seitenschiff zeigt farbintensive Malereien. Die Deckenmalerei im Gewölbe stellt das Martyrium der 10.000 Glaubenszeugen vom Berge Ararat dar.

Im Südturm der Kirche ist die heutige Taufkapelle und man sieht eine romanische Madonnenstatue. Die Plastik mit Maria und dem Kind stammt aus dem 13. Jahrhundert. Eine weitere Muttergottes mit Kind steht vor dem Nordturm. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auch Reliquien von Franz von Assisi und Hildegard von Bingen zählen zu den Kirchenschätzen der St. Severus Kirche.