Pfarrkirche St. Heribert (Köln)

Der älteste Teil von Deutz am rechten Rheinufer von Köln liegt zwischen den beiden St. Heribert-Kirchen. Zwei Kirchen? Genau. Die eine – man nennt sie auch Alt St. Heribert – ist die ehemalige Klosterkirche der Abtei Deutz. Die Abtei wurde 1003 auf dem Gelände des früheren Römerkastells Divitia erbaut. Bauherr war der Kölner Erzbischof Heribert, der 1020 auch die Abteikirche selbst einweihte und ein Jahr später hier begraben wurde.

Die alte Abteikirche wurde im Mittelalter zerstört und 1663 neu als barocke Pfeilerbasilika mit zwei Chorflankentürmen aufgebaut. Nach der Aufhebung des Klosters unter der Besatzung Napoleons, wurde die Abteikirche zur Deutzer Pfarrkirche. Heute dient Alt St. Heribert als Gotteshaus der griechisch-orthodoxen Gemeinde.

Als neue Pfarrkirche St. Heribert erbaute man nämlich an der Deutzer Freiheit 1891-96 eine neue, größere Kirche, die als neuromanische dreischiffige Pfeilerbasilika ausgeführt ist. Ob ihrer Größe wird sie vor Ort auch Deutzer oder korrekt in Kölsch: Düxer Dom genannt. Der Grundstein der Pfarrkirche St. Heribert stammt übrigens direkt vom Jerusalemer Ölberg. Das konnte sie jedoch nicht vor massiven Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg bewahren, was quasi 1949-51 einen vereinfachten Neubau nach sich zog.

Das wichtigste ist aber nicht die Kirche als Baukörper, sondern ihr Schatz, der Heribertschrein. Der 1175 gefertigte Heribertschrein enthält die sterblichen Überreste des Erzbischofs Heribert. Der Heribertschrein ist eines der Hauptwerke der romanischen Goldschmiedekunst. Er ist in einem Glaskasten ausgestellt, der auf einem von vier Säulen gestützten Stein aus grünem Marmor hinter dem Hochaltar steht. Der Heribertschrein ist aus Eichenholz gefertigt; außen wurde er mit silbervergoldetem Kupfer und Edelsteinen verziert. Die Verzierungen zeigen Apostel und Propheten sowie Maria und das Jesuskind mit Engeln. Medaillons aus Emaille stellen das Leben des heiligen Heribert dar.

Zum Kirchenschatz der Pfarrkirche St. Heribert zählen noch weitere mittelalterliche Kunstwerke. Das älteste ist ein ca. 19cm langer, mit religiösen Symbolen verzierter Elfenbeinkamm. Aus dem 11. Jahrhundert sind der aus Walrosszahn geschnitzte Stab des heiligen Heribert sowie sein Messgewand aus goldfarbener Seide erhalten, das vermutlich im 10. Jahrhundert angefertigt worden war. Außerdem sind im Kirchenschatz von St. Heribert ein silbervergoldeter Abtstab von ca. 1500 sowie ein Ziborium von ca. 1520 zu sehen.

Erwähnenswert ist auch das historisch wertvolle und einzigartige Geläut von Neu St. Heribert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier fünf Leihglocken angebracht, die aus ehemaligen deutschen Gebieten in Osteuropa stammen und für die es eine feste Läuteordnung gibt. Die größte Glocke, im Volksmund Dicke Anna genannt, wurde der heiligen Anna gewidmet.

Geht man zurück zur alten Abteikirche von Deutz, steht man in einer Baustelle. Hier entsteht auf historischem Gelände der Rheinboulevard, der als große Treppenpromenade am Rheinufer die Deutzer Brücke mit der Hohenzollernbrücke verbinden soll. Bei seinem Bau kamen historisch bedeutsame Funde zutage, die bis in die Zeit der alten Römer in Köln zurück reichen. Die umfangreichen Geschichtszeugnisse sollen in einen Historischen Park eingebunden werden, der gerade in Deutz entsteht.

Einige der historischen Funde am Rheinboulevard gehen zurück auf den Festungsring Köln, der – teils auf römischen Fundamenten – von den Preußen als Verstärkung der Rheinlinie angelegt wurde. Der Festungsring bestand aus elf Forts, sieben Bastionen, sowie Mauern, Wällen und militärischen Nebengebäuden. Drei Forts und zwei Lünetten lagen in Deutz im Bereich des Rheinboulevards.

Oberhalb des Rheinboulevards erstreckt sich mit einer Länge von 113m das Landeshaus Köln, in dem der Landschaftsverband Rheinland ansässig ist. Das Landeshaus wurde 1959 im funktionalen Stil an der Stelle einer ehemaligen Kaserne des Festungsrings erbaut und steht unter Denkmalschutz. An die Zeit, als das Gelände noch Kaserne war, erinnert das 1928 am Rhein errichtete Kürassierdenkmal mit einem Reitersoldaten des 8. Kürassier-Regiments, den Deutzer Kürassieren.