Oberfell

Neben den Themen Wein und Mosel lockt in Oberfell der Bleidenberg mit seiner Geschichte. Der oberhalb von Oberfell an der Mosel liegende Bleidenberg hatte in der Zeit der Kelten eine Absicherung in Form einer Pfostenschlitzmauer, die wahrscheinlich das ganze Plateau vor Eindringlingen schützte.

Die Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg (Dreifaltigkeitskirche) entstand ab dem 10. Jahrhundert. Das Kirchenschiff aus der Erbauungszeit wurde im Stil einer Basilika errichtet. Der erste Turm wurde zugunsten eines gotischen Turms abgerissen und heute sieht man auch von dem keine Spitze mehr. Die Basilika mit einem achteckigen Chor war schon vor 1253 ein bekanntes Ziel für Wallfahrten. Im Inneren stehen drei Altäre seit 1680, der Marienaltar, ein Nikolausaltar und ein Kreuzaltar. Die Kirche wird nach wie vor von Wallfahrern besucht. Es finden Gottesdienste und Veranstaltungen statt.

Seit 2012 ist vor der Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg ein Pilgerstein gesetzt, der erste auf dem Mosel-Camino. Der Mosel-Camino bezeichnet einen Abschnitt des Jakobspilgerweges, der von Koblenz-Stolzenfels auf beiden Seiten der Mosel zur Benediktinerabtei St. Matthias in Trier verläuft.

In der Nähe der Wallfahrtskirche werden Ausgrabungen vom Landesamt für Denkmalpflege betrieben und frühkeltische Funde freigelegt. Mauerreste, Münzen, Scherben und sogenannte Blidenstellungen. Von denen aus wurden Wurfgeschosse losgeschickt, in diesem Fall beispielsweise gegen die Burg Thurant etwas südwestlich des Ausgrabungsortes. Von dem Wörtchen Bliden (griechisch von palida = schleudern) wurde Bleidenberg abgeleitet.

Geht man von der Wallfahrtskirche wieder in Richtung Mosel kommt man zur Fundstelle einer Lagerstätte des Homo Erectus, die auf der Anhöhe des Bleidenbergs nachgestellt wurde. Metallfiguren eines Mannes und einer Frau, die neben einer Behausung Feuer macht, zeigen einen Lebensbereich. Eine 4,5t schwere Metallskulptur eines 6m hohen Ur-Elefanten (der Koloss vom Bleidenberg) überragt die Lagerstätte. Ein Modell eines Wollnashorns ist ebenfalls zu sehen. Das eiszeitliche Tier starb etwa vor 12.000 Jahren aus. Im Permafrostboden Sibiriens werden bisweilen noch eisige Kadaver gefunden.

In Oberfell ist das Pfarrhaus das sehenswert. Das verputzte zweigeschossige Gebäude mit Krüppelwalmdach ist das älteste erhaltene Wohnhaus in Oberfell mit dem Baudatum 1783. Das Pfarrhaus beherbergt Veranstaltungsräumlichkeiten, Gastronomie und im Obergeschoss ein Heimatmuseum, worin auch einige Funde vom Bleidenberg zu sehen sind (nach Absprache).

Älter ist die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus mit dem separaten romanischen Turm nebst Bemalung aus dem 14. Jahrhundert. Die neugotische Stufenhalle stammt aus dem Jahr 1910.

Auf dem Kreuzweg von Oberfell zur Bleidenberger Wallfahrtskirche steht der Freiheitstempel, der im Volksmund auch Junggesellentempel genannt wurde. Vielmehr steht hier eine Rekonstruktion davon. Der Vorgänger-Freiheitstempel entstammt den Restbestand des katholischen Junggesellenvereins, der in der NS-Zeit gezwungen wurde sich aufzulösen und die Vereinskasse wäre ans Reich gefallen. Das wollte man nicht und baute als Mahnung den Freiheitstempel. Der war jedoch rund zwanzig Jahre später kaputt und nach der Gründung eines neuen Junggesellenvereins entstand 2003 der jetzige Tempel nach Originalvorbild.