Nevigeser Wallfahrtsdom (Maria Königin des Friedens)

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Wer einmal den Nevigeser Wallfahrtsdom gesehen hat, der wird ihn in Erinnerung behalten. Die Marien-Wallfahrtsstätte auf dem Hardenberg im Velberter Ortsteil Neviges ist ein Ereignis aus Beton, das es sogar auf eine Briefmarke geschafft hat.

Der Architekt Gottfried Böhm, 1920 in Offenbach am Main geboren, hat sich als wichtiger Vertreter der Nachkriegsarchitektur verewigt. Er wurde bekannt für skulpturale Bauten aus Beton, Stahl und Glas. Die Nevigeser Kirche mit dem Namen Maria, Königin des Friedens, wurde 1968 geplant. Böhms Entwurf hatte bei einem Architekturwettbewerb erstmal nicht den ersten Platz erreicht, doch der damalige bereits in seiner Sehfähigkeit eingeschränkte Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings, der die Modelle abtastete, war so begeistert, dass er einen zweiten Wettbewerb mit anderen Vorgaben startete, den Böhm dann gewann.

Bei der aufgehängten Betonkonstruktion stützen sich Wand- und Deckenelemente gegenseitig ab. Mit 6.000 Plätzen ist der Nevigeser Wallfahrtsdom eine der größten Kirchen Deutschlands. Ursprung der Wallfahrt in Neviges war eine Marienerscheinung eines Franziskaners 1676, die auf den Hardenberg verwies. Seit dem betreuen die Franziskaner die Marienwallfahrt in Neviges. Jedes Jahr kommen um die 200.000 Pilger zum Gnadenbild der „Ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria“. Das Gnadenbild aus dem Jahr 1681 ist in einer Säule und wurde im Februar 2016 gestohlen, aber wieder zurückgebracht. Täter und Motiv wurden bislang nicht geklärt.

Zur Wallfahrt zählt nicht nur der Pilgerplatz, sondern auch der Kreuzberg oberhalb der Pilgerstraße und der Marienberg, der sich fünf Gehminuten entfernt befindet. Der Pilgerplatz ist stufenförmig angelegt und von hier aus sieht man den Mariendom wie einen Eisberg aus der Erde ragen. Davor sind ähnlich runder Waben auf Säulen Gebäudeteile angegliedert. Ein Modell der Wallfahrtskirche ist ebenfalls auf dem Platz. Der zentrale Bau wird als Zelt interpretiert und damit als ein Teil der Reise. Der dachtragende Hauptpfeiler ist zur Kanzel ausgebildet.

Im Inneren ist dann auch der große Raum, der wie ein öffentlicher Platz wirkt. Die Emporen sind wie Balkone oder Logenplätze angebracht. Ein besonderes Augenmerk gilt den farbig gestalteten Fenstern. Besonders intensiv wirken die Rosenfenster, die die Sakramentskapelle erleuchten. In der großen ornamentierten Säule wird das eucharistische Brot aufbewahrt. Unterhalb der Marienkapelle ist die Krypta, die Unterkirche, die einst den Franziskanern zur Andacht diente, nun aber auch kleineren Pilgergruppen Einkehr ermöglicht. Drei Wochen vor seiner Wahl zum Papst Johannes Paul II. besuchte Karol Wojtyła mit einer Krakauer Pilgergruppe im September 1978 den Nevigeser Wallfahrtsdom. An seinen Besuch erinnern eine Gedenktafel nahe der Marienstele und ein Ölbild.

Ein weiteres Bauwerk von Gottfried Böhm ist der benachbarte Kindergarten. Interessant ist, dass der Wallfahrtsort in einer seit Jahrhunderten mehrheitlich evangelischen Gemeinde gewachsen ist. Die evangelisch Gläubigen feiern ihre Gottesdienste in der Stadtkirche im Zentrum von Neviges am Kirchplatz, der von einigen historischen Häusern umgeben ist. Die Stadtkirche geht auf eine gotische Vorgängerin zurück. Die Reformation in Neviges war 1571.