Mühle (Stolberg)

Mühle ist der nördliche Teil der Stolberger Innenstadt und heißt verwaltungstechnisch eigentlich Unterstolberg. Das sagt aber keiner – wir also auch nicht. Der Vichtbach durchfließt malerisch Mühle, bevor er in die Inde mündet. Wer eine Ortsbegehung unternehmen will, folgt dabei am besten den Spuren der Kupfermeister.

Kupfermeister waren frühneuzeitliche Messingproduzenten in Stolberg und auch in Aachen. Ende des 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben sie in Stolberg Kupferhöfe. Die imposanten Gebäude oder Teile davon sind meist aus Bruchsteinen gemauert, stehen unter Denkmalschutz und werden geschäftlich oder privat genutzt. Die ersten Kupferhöfe zeigen noch deutlich Bezüge zu Wehrbauten, teilweise gar mit Schießscharten im Mauerwerk.

Als sie noch Kupferhöfe waren, wurde in ihnen Kupfer mit Zinkblende aus dem örtlichen Galmei verschmolzen und man erhielt Messing, beziehungsweise das hier so bezeichnete „gelbe Kupfer“ zur Unterscheidung zum „roten Kupfer“. Daher heißt das hier Kupferhof und nicht Messinghof. Es begann 1575, als Kupfermeister Schleicher den ersten Kupferhof in Stolberg baute und dem weitere folgen ließ.

Startet man die Kupferhoferkundung in Mühle nahe des Schnellrestaurants mit den Pommesbuchstaben an der Eisenbahnstraße, liegt in der Nähe der Kupferhof Weide am Mühlener Ring. Der Kupferhof ist heute eine Wohnanlage. Gegründet wurde der Kupferhof um 1615. Die ältesten erhaltenen Gebäudeteile stammen aus der Zeit nach 1723.

Ganz in der Nähe liegt der Kupferhof Unterster Hof aus dem 17. Jahrhundert. Auch in der Historie dieses Kupferhofs tauchen die Namen Lynen, Peltzer, Schleicher und Hoesch auf. Nach wie vor liegt der Unterste Hof in den Händen eines Schleicher-Sprosses. Der Kupferhof heißt auch Hof Bleibtreu. Der Kupferhof ist auch heute noch ein Messing-Produzent und gilt als ältestes Messingwerk weltweit.

Nochmal rumgedreht, am Imbiss vorbei und am nicht mehr vorhandenen Hof Krautlade längs, an den der Straßenname erinnert, und Auf der Mühle findet sich der Kupferhof Stöck. Erbaut wurde er 1727 vom Ehepaar Peltzer-Prym, deren Wappen noch über dem Eingangstor erhalten ist. Auch die Fassade des Herrenhauses zeigt sich wie Anno dazumal. Hof Stöck dient Wohnzwecken.

Weiter geht es in südliche Richtung zum Mühlener Markt. Dort ist der Kupferhof Roderburgmühle, heute Wohnanlage, mit Wurzeln im Jahr 1615. Das Herrenhaus von Heinrich Peltzer war um die vorletzte Jahrhundertwende eine Fabrik für Stecknadeln, Haken und Ösen und – ja – in Händen der Familie Schleicher. In der Nähe ist der Jordanplatz mit der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Die Kirche wurde 1895 mit zwei Türmen fertiggestellt. Beide Türme wurden allerdings im Kriegsgewirr beschädigt und nicht mehr in alter Höhe aufgebaut.

Begibt man sich weiter die Rathausstraße entlang gen Süden, kommt man am Bastinsweiher vorbei, der früher der Teich der Ellermühle war. Das Gebäude wurde 1960 abgerissen. Jetzt ist man schon fast an der Stadthalle Stolberg und dem benachbarten Hof Rosenthal. Der wurde 1724 im Schleicher-Auftrag erbaut, mit einem schauwerten Brückentor und den links davon befindlichen verputzten Produktionsstätten. Das herrschaftliche Haus wird über eine doppelläufige Treppe und ein Portal in einem Mittelrisalit betreten. Hat ein bisschen was schlossiges.

Links biegt dann die Steinfeldstraße ab und man überquert den Vichtbach zum Bethlehem Gesundheitszentrum. Dort ist der Kupferhof Steinfeld als Teil des Krankenhauses zu sehen. Man erkennt ihn an dem Türmchen mit der Zwiebelhaube. Der Kupferhof entstand im 17. Jahrhundert und wirkt wehrhaft trutzig.

Am Fuße der Steinfeldstraße wurde von der gleichen Familie (Peltzer) der Kupferhof Grünenthal errichtet, der 1703 fertig war. Der Kupferhof, Stammsitz des Pharmaunternehmens Grünenthal GmbH, wurde als dreiflügelige Hofanlage mit zwei geschwungenen Zwiebelhauben bekrönten Turmtrakten errichtet. Im Laufe der Geschichte war der Kupferhof auch Gymnasium und Gefängnis. Dann wurden hier Seifen produziert. Aus dem Seifenladen wurde ein Pharmaunternehmen und zwar eines, das das hilfreiche Penicillin auf dem deutschen Markt einführte und auch eines, das mit dem Wirkstoff Thalidomid großen Schaden bei Ungeborenen auslöste, im damals frei verkäuflichen Schlafmittel Contergan.

Ein großes denkmalgeschütztes Gebäude fällt in der Frankentalstraße ins Auge. Auf einem hohen Kellergeschoss steht das zweigeschossige Kulturzentrum mit einem hohen Dachgeschoss. Das langgestreckte Gebäude mit den Eckrisaliten und dem Eingangsrisalit beherbergt die Stadtbibliothek.

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