LVR-Industriemuseum Solingen

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) betreibt das LVR-Industriemuseum dezentral an verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen. Eine Außenstelle des LVR-Industriemuseum wurde in Solingen in der früheren Gesenkschmiede Hendrichs eingerichtet. Die Brüder Hendrichs gründeten die Gesenkschmiede 1886 im Solinger Stadtteil Merscheid. Die Gesenkschmiede Hendrichs sollte sich binnen weniger Jahrzehnte zu einer der größten Solinger Gesenkschmieden mit insgesamt 33 Hämmern entwickeln.

Genau hundert Jahre nach ihrer Gründung stellte die Gesenkschmiede Hendrichs ihren Betrieb ein. Der Landschaftsverband Rheinland erwarb die Fabrik inklusive des kompletten Inventars und der anliegenden Fabrikantenvilla. Die verbliebenen Beschäftigten wurden vom Museum übernommen, arbeiteten anschließend im Schaubetrieb und produzieren weiterhin. 1999 konnte die Gesenkschmiede als Teil des LVR-Industriemuseum eröffnet werden.

In der Gesenkschmiede Hendrichs gibt es rund 3.500qm Ausstellungsfläche. In der Werkzeugmacherei werden die Gesenkwerkzeuge für die Scherenformen mit Maschinen und am Schraubstock bearbeitet. Die Weiterverarbeitung der Scherenrohlinge – das Härten, das Schleifen und das Zusammensetzen – wird in ehemaligen, noch betriebsfähigen Heimarbeiter-Werkstätten, die in die Ausstellung integriert wurden, gezeigt. Weitere Abteilungen veranschaulichen die Mechanisierung des Schleifens und erläutern die Arbeit in der Schneidwarenproduktion.

Auch die 1896 erbaute Fabrikantenvilla neben den Werkanlagen kann besucht werden. Mit Audioguides ausgerüstet lässt sich auf eigene Faust die bürgerliche Lebenswelt der Unternehmer erkunden.

Interessant ist ein Besuch des Museumsshops. Hier werden von den Solinger Messerherstellern Produkte feilgeboten. Vom Küchenmesser bis zum Kochmesser, vom Taschenmesser bis zum Kellnermesser oder von der Stickschere bis zur Haushaltsschere kann man zwischen verschiedenen Preisniveaus und Qualitäten auswählen. Ein Modell, die so genannte Museumsschere, wird komplett im Rahmen der Demonstrationsproduktion des Museums angefertigt. Besonders beliebt sind die sogenannten bunten, d.h. reich verzierten Scheren, für die einstmals die Gesenkschmiede Hendrichs besonders bekannt war.