Lülsdorf

Westlich des Kölner Flughafens zieht der Rhein eine Schleife. Ein inzwischen ausgetrockneter zweiter Rheinarm, der als Mulde noch deutlich zu erkennen ist, bildete hier eine Inselterrasse mit Steilufern aus. An dieser Stelle liegt Lülsdorf mit seinen ca. 10.000 Einwohnern. Ab dem 12. Jahrhundert errichteten die Herren von Lülsdorf, Vögte des Kölner Domstiftes, in Lülsdorf ihren Familiensitz, die Burg Lülsdorf, Wahrzeichen und Wappensymbol der Stadt Lülsdorf.

1380 kamen Burg Lülsdorf und Umland zum Herzogtum Berg, dem Bergischen Land. Burg Lülsdorf diente ab 1446 als Verwaltungssitz für das bergische Amt Lülsdorf. Vom 16. Jahrhundert an bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges gab es immer wieder Krieg in der Region von Lülsdorf. Burg Lülsdorf wurde dabei mehrfach verwüstet. 1642 erhielt Peter Melander von Holzappel die Burg als Lehen und ließ sie wieder instand setzen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Burg Lülsdorf fast völlig zerstört und blieb bis 1949 Ruine. Durch private Eigentümer wurde sie im Jahre 1949 als Wohnburg wieder aufgebaut und ist noch heute im Privatbesitz.

Sehenswert ist die katholische Kirche St. Jakobus in der Rheinstraße von Lülsdorf. Das hohe, denkmalgeschützte Kirchgebäude entstand Ende des 19. Jahrhunderts an Stelle einer mittelalterlichen Vorgängerkirche, von der nur der romanische Turm aus dem 11. Jahrhundert erhalten blieb. Die Jakobuskirche wurde 1889 eingeweiht. Für den Kirchenbau im neugotischen Stil sollen zwei Millionen Ziegelsteine vor Ort gebrannt worden sein. Im „Alten Turm“ finden heute regelmäßige Kunstausstellungen statt.

Die Rochuskapelle in der Berliner Straße wurde um 1700 von den Besitzern der Burg Lülsdorf als Burgkapelle errichtet. Durch mehrfachen Eigentümerwechsel der Burg begann sie im 19. Jahrhundert zu verkommen. 1914 kaufte die Pfarrgemeinde Lülsdorf die Rochuskapelle, setzte sie instand und baute sie in den 1920er Jahren zu einer Kriegergedächtnisstätte aus.

Auf dem Pemel liegt die sogenannte Lülsdorfer Uraltschule, ein denkmalgeschütztes Schulgebäude aus Stein, das 1828 an Stelle eines älteren Schulgebäudes aus Fachwerk errichtet wurde. In der Uraltschule wurde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterrichtet, dann wurde sie zum Wohnhaus. Seit 2003 ist hier die Bücherei Lülsdorf untergebracht.

Auch der etwa halb so große Nachbarort Ranzel hat eine Reihe von Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Ägidiusturm in der Porzer Straße von Ranzel gehörte zur ehemaligen Ägidiuskapelle. Der romanische Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die kleine Kapelle, ein Saalbau aus dem 18. Jahrhundert, war einst eine Filialkirche von Lülsdorf, musst aber aufgrund von Kapazitätsproblemen abgerissen werden. An ihrer Stelle entstand 1966 die heutige St. Ägidius Kirche.

Der Weilerhof bei Ranzel stammt aus dem 14. Jahrhundert. Er war einst ein herzoglicher Gutshof und einer der größten Höfe im Amt Lülsdorf. Heute besteht der Weilerhof aus drei selbstständigen Wirtschaftseinheiten und ist der kleinste Stadtteil von Niederkassel.

Nordöstlich von Ranzel, nahe dem Weilerhof, liegt der Weilerhofer See. Der 24m tiefe und 11ha große See zählt zu den wichtigsten Biotop-Seen Deutschlands und ist samt seinem Uferbereich als Naturschutzgebiet Weilerhofer See ausgewiesen. Das Gewässer entstand aus einem Auskiesungsgelände. Im Wasser haben sich Baumleuchteralge und Knäuel-Armleuchteralge angesiedelt; Edelkrebse und Großmuscheln wurden eingesetzt. Zu den Fischarten im Weilerhofer See zählen Bitterling, Gründling, Zander, Barsch, Rotauge und Hecht. Bis zu 77 teils geschützte Vogelarten leben oder brüten hier, darunter Haubentaucher, Kiebitz, Turteltaube, Teichrohrsänger, Rohrammer und Goldammer. Der Weilerhofer See ist eingezäunt; sein Uferbereich darf nicht betreten werden.

Nördlich von Lülsdorf wurde 2007 das Hochwasserschutzbecken Langeler Bogen angelegt. Für das 158ha große Becken wurde hinter dem Altdeich ein weiterer, 2km langer Deich errichtet, durch den es bei Rhein-Hochwasser geflutet werden kann. Bis zu 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser haben hier Platz – genug, um den Wasserpegel des Rheins einen ganzen Tag lang um 4,5cm abzusenken. Entleert werden kann das Becken über ein Abflussbauwerk.