Lüdenscheid

Lüdenscheid ist vielseitig, und so begnügt sich die Stadt im Nordwesten des Sauerlands nicht mit nur einem Beinamen. Stadt des Lichts ist einer von ihnen, Stadt der Erfinder ein weiterer. Und das mit den Erfindern ist auch durchaus begründet: Aus Lüdenscheid kommen die meisten Patentanmeldungen in Nordrhein-Westfalen. Nicht umsonst befinden sich auf der Denkmalliste der Stadt auch zahlreiche - teils ehemalige - Fabrikgebäude. Es gibt sogar eine Geschichte, die den industriellen Eifer der Lüdenscheider belegen soll. Angeblich fragen nämlich Lüdenscheider Neugeborene direkt nach der Geburt schon den Herrgott, wo denn ihr Fabriksken sei.

Dementsprechend findet man in Lüdenscheid genau das: viele Fabriksken. Und einige davon sind auch heute noch architektonisch interessant. Beispielhaft genannt seien hier vor allem die ehemalige Strickwarenfabrik Brüser & Co. in der Honseler Straße, das ehemalige Fabrikgebäude der Firma Berg in der Gustav-Adolf-Straße sowie das Fabrikgebäude der Firma Kremp & Hüttemeister in der Humboldtstraße.

Eine Erfinder-Stadt wie Lüdenscheid bringt natürlich auch viele bedeutende Persönlichkeiten hervor. Einer davon war der Kommerzienrat Carl Berg. Er - und nicht etwa der bekanntere Graf Zeppelin - konstruierte das erste Luftschiff, und zwar im Jahr 1897. Das Haus, in dem er lebte, existiert noch heute und beherbergt einige Fotografien, den Originalmotor des Luftschiffs und ein Modell der Konstruktion.

Eine der bedeutendsten Industrien um das Jahr 1900 herum war die Knopfindustrie. Weit über 200 Firmen waren in diesem Gewerbe tätig, Lüdenscheid war sozusagen damals die Stadt der Knöpfe. Bis nach China wurden die filigran gestalteten kleinen Kunstwerke exportiert, und so manche Armee trug Lüdenscheider Knöpfe an den Uniformröcken. Wer sich näher dafür interessiert, sollte dem Stadtmuseum Lüdenscheid einen Besuch abstatten, das unter anderem über die Knopfhistorie Lüdenscheids umfassend informiert.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Museen. Ebenfalls einen Besuch wert ist das Deutsche Ordensmuseum. Untergebracht in der herrschaftlichen Villa Deumer in der Sauerfelder Straße ist es ein wahres Paradies für Ordenssammler und Interessierte. Die Geschichte und Entwicklung des Auszeichnungswesens wird vorgestellt, angefangen bei den geistlichen Ritter-Orden bis zu heutigen Verdienstmedaillen. Muss noch erwähnt werden, dass Lüdenscheid ein bedeutender Standort für die Produktion der metallenen Auszeichnungen war und bis heute ist?

Das Geschichtsmuseum Lüdenscheid beschäftigt sich mit größeren Ausstellungsstücken. Es zeichnet die Stadtgeschichte Lüdenscheids nach. Zu den Prunkstücken der Sammlung gehören das Skelett eines Höhlenbären und ein Zug: die 1930 angeschaffte Lokomotive mit der Nummer 22 der Kreis Altenaer Eisenbahn mitsamt Personen-Waggon. Freunde der Feuerwehrgeschichte können eine vierrädrige Feuerwehrspritze bewundern, die nach dem Handdruckprinzip betrieben wurde.

Moderne Kunst gibt es in der Städtischen Galerie von Lüdenscheid zu sehen. Sie wurde 1979 gegründet und behandelt thematisch deutsche Kunst nach 1945, Malereien und Zeichnungen ebenso wie Objekte und Skulpturen. Werke von Joseph Beuys, Ernst Barlach oder Käthe Kollwitz werden gezeigt, ebenso wechselnde Sonderausstellungen mit überregionaler Resonanz.

Die Palette der Museen und Ausstellungen soll noch ein einzigartiges Angebot abrunden: Die Phänomenta. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es kaum eine vergleichbare Ausstellung. Thema sind die faszinierenden Phänomene aus der Naturwissenschaft, sozusagen Physik zum Begreifen ganz wörtlich genommen. Man lernt zum Beispiel, wie eine archimedische Schraube funktioniert und was genau ein cartesianischer Taucher ist. Viele Experimente laden zum selber Ausprobieren ein. Licht und Farbe, Schwingungen und Schall können mit allen Sinnen erlebt werden. Nicht nur im Schulalter ein riesengroßer Spaß.

Auch in Sachen Kultur bietet Lüdenscheid seinen Einwohnern und Gästen einiges. Das Kulturhaus, das 1981 am Rand der Altstadt eröffnet wurde, dient als Veranstaltungsort für Konzerte und Vorstellungen aller Art. Der Filmpalast in der Werdohler Straße versprüht den liebevoll erhaltenen Charme eines Kinos der 1950er Jahre.

Und schließlich darf auch die Neue Schützenhalle nicht fehlen, die als eine der größten Festhallen Westfalens galt, als sie 1900 eingeweiht wurde. Bevor es das Kulturhaus gab, war die Schützenhalle der wichtigste Veranstaltungsort in Lüdenscheid. Die Architektur im Stil des Neobarock ist wirklich sehenswert. Ebenso die des heutigen Volkshochschulgebäudes: das alte Rathaus der Stadt Lüdenscheid sieht aus wie ein italienischer Renaissance-Palazzo.

Einmal im Jahr – am zweiten Wochenende im September – feiert Lüdenscheid Stadtfest. Dies ist ein Fest der Bürger für die Bürger, soll heißen: Hier dürfen gewerbliche Aussteller nicht teilnehmen, sondern die städtischen Verein organisieren das Fest. Am Stadtfestsonntag findet dann ein Flohmarkt statt, der größte Flohmarkt im Sauerland.

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