Kirn

Kirn liegt an der Nahe und war bereits im Mittelalter ein bevorzugter Ort für Handwerker. Insbesondere für die Herstellung von Leder taugten die Niederwälder rund um Kirn und natürlich das viele Wasser. Man brauchte zum Tierhautgerben eine Menge Lohe (gerbstoffreiche Baumrinde von Eichen und Fichten) und noch mehr Flusswasser. In Kirn fließt der Hahnenbach in die Nahe und zuvor fließt diesem der Trübenbach zu. Bis in die 1980er Jahre war Kirn eines der größten Zentren der Lederindustrie in Deutschland und nannte sich stolz Stadt des Leders.

Vom ehemaligen Gerberviertel südlich des Kirner Marktplatzes ist heute nur noch die Gerbergasse erhalten. In der Gerbergasse erinnern drei denkmalgeschützte Häuser an die einstigen florierenden Geschäfte mit Leder. Sie sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert und mehrgeschossig. Besonders sehenswert ist das Gerberhaus (Gerbergasse 4). Das fünfgeschossige Wohn- und Geschäftshaus in der Gerbergasse 1 ist im Bauhausstil 1931 entstanden.

Der Gerbergasse schließt sich der Teichweg an. Dort ließ Fürst Friedrich III. von Salm-Kyrburg seine sommerliche Residenz errichten, die allerdings nie richtig fertiggestellt wurde. Die Schlossanlage Amalienlust besteht aus zwei Pavillons im Teichweg 7/11 und einem Theater in der Nummer 12. Die Bauten entstanden um 1780 im Stile des Spätbarocks.

Durch die Nahegasse mit kunstvoll verschieferten Häusern aus dem 17. Jahrhundert kommt man zum Marktplatz Kirn. Hier findet sich ein großer Brunnen mit dem heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen. Als schönstes Haus in der Kirner Altstadt gilt das Haus Lagrange, die alte Apotheke im Steinweg 8. Das Haus Lagrange wurde 1593 aus Fachwerk erbaut und die Schnitzereien bezeugen, dass hier kein Tagelöhner Bauherr gewesen ist. Im Steinweg findet sich auch noch das Salm-Salm’sche Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1760-65.

Auf der anderen Seite des Hahnenbachs steht das repräsentative Rathaus von Kirn, das 1752-71 mit Mittelrisalit erbaut wurde. Wie einige Gebäude in Kirn entstand es im fürstlichen Auftrag – seit 2005 auch wieder deutlich zu sehen durch das fürstliche Wappen. Die spätbarocke Dreiflügelanlage mit dem Türmchen auf dem Mansarddach hat drei Geschosse und entstand als Piaristenkloster, einem katholischen Männerorden, dem zumeist Priester angehören, die erzieherisch tätig sind, sprich im Schuldienst. So passt es auch, dass das Gebäude später als Schule genutzt wurde. Seit 1938 dient es der Stadtverwaltung und dort wo die Ratsherren tagen, war die Klosterkapelle.

Neben dem Rathaus steht die evangelische Kirche. Ihr ältester Teil ist der romanische Turm aus dem 11. Jahrhundert. Der östliche Teil geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Über 200 Jahre wurden im Gotteshaus die Gläubigen beider Konfessionen bedient. Der Chor war katholisch und die Halle evangelisch, dazwischen war eine Mauer. Ein Hochwasser 1875 bedingte den Neubau eines größeren Langhauses und war Auslöser für den Bau der katholischen Kirche. 1992-93 wurde die evangelische Kirche in ihrer ursprünglichen Ausstattung renoviert.

Unterhalb der evangelischen Kirche Richtung Nahe steht das Wilhelm-Dröscher-Haus, das ehemals als Rathaus und Sitz des Amtsgerichts diente. Das Wilhelm-Dröscher-Haus wurde 1877 erbaut und dient heute u.a. als Stadtbücherei. Seinen Namen verdankt das Wilhelm-Dröscher-Haus dem ehemaligen Bürgermeister des Amts Kirn-Land, der in den 1970er Jahren auch Bundesschatzmeister der SPD und Vorsitzender der rheinland-pfälzischen SPD war.

Am Ende der Kirchstraße kommt man auf die Bahnhofstraße. Folgt man dieser naheabwärts, kommt man zu den ehemaligen Fabrikhallen der Lederfabrik Böcking in der Bahnhofstraße 31. Hier sitzt heute die Verwaltung der Verbandsgemeinde Kirn-Land. Der dreigeschossige Bau aus Bruchsteinen ist langgestreckt mit einem etwas vorspringenden Mittelteil. Die Manufakturbauten sind zwei- bis dreigeschossig.

Geht man von der Bahnhofstraße nach links in den Halmer Weg, trifft man auf die katholische Pfarrkirche St. Pankratius. Die Pankratiuskiche wurde 1894 geweiht und entstand im Stil einer neugotischen Basilika. In ihrem Innern findet sich ein Sakramentshäuschen aus dem Jahr 1482 und der Flügelaltar ist aus dem Jahr 1892.

Nördlich der Altstadt von Kirn produziert die Brauerei Andres seit über 200 Jahren Bier. Das bekannteste Produkt ist Kirner Pils, das die Hausmarke im Naheland ist.

Ein noch größerer Exportschlager wurde 1941 als Franz Reuther in Kirn geboren. Heute firmiert Franz Reuter unter dem Künstlernamen Frank Farian. In den 1970er und 1980er Jahren feierte er als Erfinder und Produzent von Boney M. und Milli Vanilli international Charterfolge. 800 Gold- und Platinplatten zeugen von diesem Erfolg.

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