Justus-Liebig-Universität

Die Justus-Liebig-Universität in Gießen wurde 1607 durch Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt gegründet und trug bis 1945 auch dessen Namen: Ludoviciana. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Ludwigsuniversität eine kleine Landesuniversität, deren Schwerpunkt auf Medizin, Theologie, Philosophie und Jura lag. Nur rund zwanzig Professoren unterrichteten hier eine äußerst überschaubare Studierendenschaft von mehreren hundert jungen Männern.

Im 19. Jahrhundert galt die Ludoviciana als Prototyp einer revolutionären Vormärz-Universität. Die Gießener Schwarzen um Karl Follen und Georg Büchner stehen für den umstürzerischen Geist der Universität, während die Berufung Justus Liebigs durch den Großherzog im Jahre 1824 eine neue naturwissenschaftliche Ära kennzeichnet. Um 1900 wurden die Fachbereiche für Human- und Veterinärmedizin ausgebaut und 1908 erstmalig Frauen zum Studium in Gießen zugelassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, wurde die Ludoviciana in Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin umbenannt. 1957 wurde ihr universitärer Status wiederhergestellt und es begann ab diesem Zeitpunkt eine rasante Wachstumsphase, die bis 1973 anhielt und in der sich die Studierendenschaft verzwanzigfachte und die Justus-Liebig-Universität zur zweitgrößten hessischen Universität nach der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main anwachsen ließ. Heute sind über 25.000 Studierende an der Justus-Liebig-Universität in Gießen eingeschrieben.

Das historische Hauptgebäude der Universität befindet sich in der Ludwigstraße, direkt im bekannten studentischen Kneipenviertel Gießens. Das Uni-Hauptgebäude wurde 1880 eröffnet und kennzeichnet den Übergang zur einer modernen Universität mit der Etablierung weiterer naturwissenschaftlicher Zentren. In der Ludwigstraße sind noch viele Häuser aus der Gründerzeit erhalten, die häufig von studentischen Wohngemeinschaften genutzt werden. Durch die zahlreichen Ausgehmöglichkeiten hat die Ludwigstraße für viele Nachtschwärmer in Gießen ein besonderes Flair.

Das 1533-39 erbaute Neue Schloss Gießen wurde als eines der wenigen Gebäude in Gießen während des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört. Die Bauweise spiegelt den Übergang von der Gotik zur Renaissance wider. Heute beherbergt das Neue Schloss Gießen das Institut für Geographie.

Das Alte Schloss bzw. die alte landgräfliche Burg ist neben dem Leibschen und Wallenschen Haus der dritte Teil des Oberhessischen Museums in Gießen und grenzt mit seiner Nordost- und Südostseite an den Botanischen Garten. Das Gebäude ist seit 1903 Hauptsitz des Oberhessischen Museums, 1944 war es fast völlig ausgebrannt, so dass 1980 ein Neubau eröffnet wurde, welcher eine Gemäldesanmlung sowie die kunsthandwerkliche Abteilung, die Gailschen Sammlungen, beherbergt. Im Aten Schloss von Gießen befinden sich Werke aus dem Barock, Jugendstil und der Gegenwart, wie z. B. Werke des biedermeierschen Carl Spitzweg und der Neu-Expressionisten avantgardistischen Künstlergruppe Quadriga.

Der Botanische Garten Garten in Gießen ist der älteste in Deutschland und befindet sich noch immer an seiner ursprünglichen Stelle. Er wurde 1609 eröffnet und umfasst drei Hektar. Dieser naturbelassene ruhige Ort lädt zum Verweilen auf einer der Sitzbänke ein. Wenige Minuten entfernt Richtung Osten erreicht man das Liebig-Denkmal, in einem kleinen Park an der Ostanlage. Es stammt aus dem Jahr 1890 und war ein Geschenk von Liebigs Schülern an die Stadt Gießen.

Gegenüber des Ostanlagen-Parks befindet sich die Villa Leutert. Sie wurde 1884-85 errichtet und trug zunächst den Namen Villa Burk, da der Mühlenbesitzer Ferdinand Burk die Villa in Auftrag gegeben hatte. 1910 wurde das Gebäude an den Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde Ernst Leutert verkauft, den letzten Namensgeber der Villa. 1983 erwarb die Stadt Gießen die Villa, stellte sie unter Denkmalschutz und ließ sie aufwändig renovieren. Heute befinden sich in ihren Räumen ein Jugendbildungswerk, eine Beratungsstelle des DGB sowie Standesamt und Ortsgericht. Das Gebäude wird als Kulturdenkmal eingestuft, da es die einzige noch existierende Villa an der Ostanlage ist.

Regionaler Bezug:

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