Jagdschloss Kranichstein

Im Norden von Darmstadt steht in alter Pracht und Herrlichkeit das Jagdschloss Kranichstein. Es ist umgeben von einem wundervollen Schlosspark, dem Backhausteich, ist Domizil eines Jagdmuseums und eines Museums der biologischen Vielfalt (bioversum). Ein Vier-Sterne-Hotel sowie die Schlosskapelle für Trauungen zum Beispiel gesellen sich dazu.

Im Jagdschloss Kranichstein war sogar Queen Victoria und weiterer englischer Adel zu Gast, da es eheliche Banden zischen ihrer Tochter Alice und Ludwig IV. gab. Dessen Onkel war Großherzog Ludwig III. und der hatte keine eigenen Kinder, so dass er dem Neffen Ludwig IV. das Jagdschloss vererbte.

Schon ist man drin, in der illustren Schlossgeschichte, die im 16. Jahrhundert als Hofgut ihren Anfang nahm. Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt (1547-1596) ließ die dreiflügelige Renaissanceanlage ab 1580 aus eben diesem Hofgut zu einem Jagdschloss ausbauen. Dazu entstand der erste Wildpark.

Es gab eine zahme und eine wilde Fasanerie. Von der Fasanerie sind noch Außenmauern um den Garten zu sehen. Von den Jagdanlagen sieht man auch noch sogenannte Jagdschirme. Das sind im Halbrund gemauerte Jägerstände mit Schießscharten aus dem 18. Jahrhundert, in dem die Parforcejagd gepflegt wurde. Der Jäger konnte unangefochten von Wildschweinen beispielsweise, auf selbige anlegen. Im Zentrum der Fasanerie steht das Hartig-Denkmal, ein Obelisk aus dem Jahr 1844, der an den Oberforstmeister Hartig erinnert. Zur Parforcejagd gehörte, dass die Jagdwege sternförmig vom Jagdschloss wegführten, oder hin, je nach Betrachtung.

Die Schneisen laden zum Wandern und Entdecken ein. Man kommt beispielsweise zur Dianaburg oder zur Alexanderburg. Letztere ist ein klassizistisches „Saufanghäuschen“, allerdings aus dem 19. Jahrhundert. Die Alexanderburg ist im Wildpark Kranichstein, der hier lebende Arten zeigt.

Die Schlosskapelle stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde gleichzeitig als Pfarrkirche genutzt. Die höheren Stände hatten auch einen höheren Stand in der Kapelle, in Form der Fürstenloge. Sehenswert sind auch der Bilderzyklus und das Altarbild aus dem 17. Jahrhundert.

Das Jagdmuseum Kranichstein geht auf Großherzog Ernst Ludwig und das Jahr 1917 zurück. Eine erste jagdhistorische Sammlung entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Jagdschloss von der Stiftung Hessischer Jägerhof erworben. Das Jagdmuseum spannt den Bogen über die Geschichte der Jagd und macht sie durch zahlreiche Ausstellungsgegenstände und natürlich die Waffen beeindruckend. Trophäen und barocke Repräsentationsräume lassen einen ebenfalls über das Leben der Höfischen staunen.

Ein weiteres Museum ist das bioversum Kranichstein, das sich der Natur und Kulturlandschaft widmet, auf unterhaltsame, experimentelle und lehrreiche Weise. Es spricht bereits Kindergartenkinder an und kann auch bei Großeltern für Aha-Erlebnisse sorgen. Das bioversum – Museum biologische Vielfallt ist im Zeughaus zu finden.

Das Jagdzeughaus Kranichstein ist ein imposanter 112m langer Bau aus den Jahren 1688-1690. Er ist zweigeschossig, aus Bruchsteinen und hat 25 Fensterachsen. Das Erdgeschoss ist ein einziger langgestreckter Stall mit zwei Toren. Hier ruhten Pferde und Wagen. Die Jagdlustigen und Knechte schliefen im Obergeschoss. Es gab auch einen Zwinger in der Nähe für die Meute. Man züchtete damals Wolfshunde für die Jagd, stellte aber fest, dass sie dafür nicht taugten. Auch im Zeughaus ist ein gastronomisches Angebot.

Das Jagdzeugmeisterhaus in der Kranichsteiner Straße 251 ist ebenfalls ein geschütztes Baudenkmal. Es stammt aus der Zeit um 1800. Im benachbarten Jagdzeugmeisterfeld baute der Meister einen Teil seiner Lebensmittel selbst an.

Das Hofgut Kranichstein geht auf das 16. Jahrhundert und Landgraf Georg I. zurück. Das Hofgut diente unter anderem der Schafzucht. Die Landesherren betrieben neben dieser Zucht auch die Fischzucht. Man selbst und der Hofstaat wollte ja genug zum Essen haben. In der gleichen Straße finden sich mit der Hausnummer 261 das Kavaliershaus aus dem 18. Jahrhundert im Stil des Barock.

Der Backhausteich beispielsweise war so ein Frischfischbecken, das Georg I. 1579 hat anlegen lassen. Heute tummeln sich Seerosen im Sommer und rund durchs Jahr Spaziergänger und Wanderer im und um das Nass.

Südlich vom Jagdschloss liegt der Steinbrücker Teich, der durch den Ruthsenbach gespeist wird. Auch dieser heute zur Erholung dienende Teich ging auf den Landgraf und seine Teichwirtschaft zurück.

Folgt man dem Ruthsenbach in Richtung Kranichstein, kommt man über die Sorgenlosbrücke, die den Ruthsenbach überspannt und vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt. Landgräfin Sophie Eleonore ließ zwischen zwei Teichen einen Kanal anlegen, um von einem zum anderen zu schippern und der Ruthsenbach war Teil des Kanalsystems an dieser Stelle.

In Richtung Arheilgen findet sich in der Natur die Dianaburg mit dem Dianateich und dem Bach Silz. Die Dianaburg war mal ein barockes Jagdschloss, das zur Gesamtanlage gehörte und auf den Landgrafen Ludwig VIII. zurückging. Das Jagdschloss bestand von 1765 bis 1808. An Stelle des Schlosses steht seit 1836 ein kleiner klassizistischer Pavillon, der in den letzten Jahren wiederentdeckt und wo ein Trauzimmer eingerichtet wurde. Dianateich und Pavillon liegen rund 250m auseinander und sind über die wanderbare Calypsoschneise miteinander verbunden. Der Teich, um 1600 unter Landgraf Ludwig V. angelegt, diente der Fischzucht.

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