Hanau-Lamboy

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Ob, wenn man nur tief genug gräbt oder mit einem Metalldetektor unterwegs ist, noch Waffenreste, Geschosse, Zaumzeug oder gar Gürtelschnallen im Boden findet, hier im Lamboy-Viertel? Lamboy, ganz im Nordosten von Hanau, hat eine eher blutige Geschichte. Der Stadtteil Hanaus ist benannt nach General Guillaume de Lamboy. Lamboy belagerte mit seinen Soldaten im Dreißigjährigen Krieg 1636 die Festung Hanau, wozu er eine breite Schneise in den Wald schlagen ließ, um ein besseres Schussfeld zu haben.

Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel beendete die Belagerung. Seit 1793 wird aus diesem Anlass das Lamboyfest gefeiert – nicht mehr im Viertel, sondern jeweils im Juni in der historischen Altstadt von Hanau um das Goldschmiedehaus.

Zurück blieb im 17. Jahrhundert ein Schlachtfeld, auf dem am 30./31. Oktober 1813 erneut viele Menschen ihr Leben ließen und etliche in der Kinzig ertranken. Hier fand die letzte für Napoleon siegreiche Schlacht statt, nachdem er im Russlandfeldzug massive Verluste erlitten hatte. Auf dem Rückzug durch das Kinzigtal gab sein Heer gegen bayerische und österreichische Truppen noch mal alles, mit grausigen Folgen. Zwei von sechs Gedenksteinen, die zwischen 1856 und 1869 im Lamboywald gesetzt wurden, haben sich vor Ort erhalten, zwei weitere erinnern im Museum Schloss Philippsruhe an die Toten.

Es scheint, als haben diese Untaten auf das Gebiet einen Schatten geworfen, denn das Lamboy-Viertel diente in der Folgezeit militärischer Nutzung. Von Berlin nach Hanau wurden ab 1900 Kasernenanlagen verlegt, die Hutier-Kaserne, die Hessen-Homburg-Kaserne und der Yorckhof, in dem verheiratete Offiziere Unterbringung fanden.

Entlang der Lamboystraße stehen nach wie vor etliche Gebäude aus der Gründerzeit, die dem Viertel ihr Gesicht verleihen. Daneben entwickelte sich um das Kleinbiotop Tümpelgarten eine gemischte Bebauung.

Bei einer militärischen Vorprägung ist es nicht verwunderlich, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner in Lamboy Einzug hielten und den Stadtteil weiter prägten. Musik-Clubs eröffneten und Bars, man sagt, Lamboy sei das hessische St. Pauli gewesen. Im Gefolge entwickelte sich eine kritische soziale Struktur, die nach dem Abzug des amerikanischen Militärs erfolgreich umgebaut werden konnte. Lamboy ist heute ein wachsender Stadtteil und besonders bei jungen Familien beliebt.