Schloss Philippsruhe

Wunderhübsch am Main gelegen, um einen Ehrenhof, gruppieren sich die herrschaftlichen Bauten von Schloss Philippsruhe. Baubeginn für Schloss Philippsruhe war 1701, Bauherr Graf Philipp Reinhard von Hanau-Lichtenberg orientierte seine Vorstellungen eines schönen barocken Schlosses am Schloss Clagny bei Paris.

Der hessische Kurfürst Wilhelm II. (der auch die Kuranlagen Wilhelmsbad einrichten ließ) baute Schloss Philippsruhe im 19. Jahrhundert klassizistisch um. Sein heutiges Aussehen verdankt Schloss Philippsruhe aber insbesondere dem letzten adligen Hausherrn, Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen-Rumpenheim, der Schloss Philippsruhe zum Alterssitz erkor und zuvor von 1875-80 Schloss Philippsruhe großzügig umbauen ließ.

Eingeschossige Bauten flankieren den zweigeschossigen Mittelbau und unterstreichen dessen erhabene Pracht. Eckpavillons schließen die Komplexe ab. Marstall und Remise nebst weiteren Eckbauten komplettieren Schloss Philippsruhe. Auf der Beletage ist – nach dem Brand von 1984 teilweise restauriert – die historistische Innenarchitektur der Repräsentationsräume aus der Zeit des Landgrafen Friedrich Wilhelm mit ihren Holzintarsien und Stuckaturen erhalten.

Hinter dem Schloss erstreckt sich längs des Mains der Schlosspark, der in verschiedenen Phasen ausgebaut wurde. Fontänen, Orangerie, Teehaus – alles dabei. Und einen Skulpturenpark gibt es auch. Er entstand in drei Etappen nach Bildhauersymposien 1986, 1988 und 1990.

Seit der Landesgartenschau 2002 gibt es im Schlosspark von Schloss Philippsruhe auch ein kleines Amphiteater. Das Amphitheater Hanau ist heute Spielstätte der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele, die pro Saison 80.000 Besucher anlocken und damit nach Bad Hersfeld die zweitgrößten hessischen Freilichtspiele sind.

1950 erwarb die Stadt Hanau Schloss Philippsruhe. In der Beletage zog das Historische Museum Hanau ein. Seit 1967 steht das Hauptgebäude im Dienste der Geschichte. Kunst vom 17. bis 20. Jahrhundert ist hier ausgestellt. Ein Augenmerk ist auf die Hanauer Fayencen gerichtet, eine kunsthandwerkliche Keramik. Malerei vom Hanauer Anton Wilhelm Tischbein und niederländische Meisterwerke sind ebenfalls vertreten, wie auch die Silberschmiedekunst.

Die Brüder-Grimm-Abteilung erzählt die Geschichte der beiden berühmten Söhne der Stadt. Zeichnungen, Erinnerungsstücke, Radierungen. In Hanau beginnt auch die Deutsche Märchenstraße, die von hier aus über 600km und etliche Stationen der Märchenbrüder bis nach Bremen führt.

Eine weitere Besonderheit ist im Historischen Museum Hanau zu bestaunen: das Papiertheatermuseum. Im 19. Jahrhundert gab es diese hübsche Spielerei in den bürgerlichen Haushalten. Ein Bogen Papier, bunt bedruckt mit einer Kulisse, Vorhänge, Bühnencharakter, Darsteller und so eine Art Spielplan für ein Drama von Goethe beispielsweise. Schon konnte es losgehen. Zwei Hanauer begannen diese Papiertheater zu sammeln und 1990 eröffnete dieses ganz besondere Museum. Auf einer vergrößerten Papierbühne finden verschiedene Stücke ihre Aufführung, wie beispielsweise Hänsel und Gretel auf hessisch. Wer knuspert an meinem Häuschen? – das muss man hören!