Frankfurt-Rödelheim

Speziell jüngere Semesters kennen den Namen Rödelheim aus der Rap-Szene: Das Rödelheim Hartreim Projekt und Sabrina „Schwester S.“ Setlur, die erfolgreichste deutsche Rapperin, besangen das Rödelheimer Ghetto – was leicht übertrieben ist. Denn Rödelheim hat eine Reihe fast schon kitschig schöner Seiten. Und auch in Sachen Apfelwein – gemeinhin eher im schunkeligen Sachsenhausen vermutet – ist Rödelheim das Zentrum in Frankfurt, gewinnt doch hier seit 1881 die Kelterei Possmann das Frankfurter Stöffche.

Im Herzen von Rödelheim steht die katholische Antoniuskirche, die 1892 im Stile der Neugotik erbaut und aufgrund von Kriegsschäden 1944 wiederaufgebaut wurde. Im Inneren sind Wandbilder im Nazarener-Stil auf Eisentafeln zu bewundern.

Geht man von der Antoniuskirche nach Osten Richtung Nidda, kommt man zu einer kleinen Insel, die von der Nidda und einem abgeleiteten Mühlgraben gebildet wird. Hier liegt der Solmspark, der einst ein Schlosspark war, das Schloss kam im Laufe der Jahrhunderte aber abhanden, der schöne Park blieb. Im 5ha großen Solmspark lässt es sich schön spazieren und den alten Baumbestand bewundern. Nahe des Parks steht die evangelische St. Cyriakus Kirche mit Rittergrabsteinen. Die Bauzeit der Kirche wird auf das 14. Jahrhundert datiert.

An der oberen Abzweigung des Mühlgrabens liegt am Niddaufer das Petrihaus. Das Gartenhaus im Schweizer Stil wurde 1720 gebaut und erhielt hundert Jahre später seine neue Optik. Ein literarischer Zirkel traf sich damals regelmäßig dort, unter anderem bestehend aus Clemens Brentano, den Brüdern Grimm, Adele Schopenhauer und Marianne von Willmer. Auch Goethe soll im Petrihaus sein Haupt gebettet haben. Im ersten Stock des Petrihauses ist heute ein kleines Brentanomuseum eingerichtet.

Der Solmspark geht oberhalb des Mühlgrabens nahtlos in den 4ha großen Brentanopark über, der 1770 angelegt wurde und 1808 an die Familie Brentano kam. Später wurde die Stadt Frankfurt Besitzer des Brentanoparks und trennt den nördlichen Teil des Parks ab, um hier ein öffentliches Freibad anzulegen. Das Brentanobad – in Frankfurt meist Brenner genannt – ist heute das größte Freibad in Frankfurt. Im 8.300qm großen Becken planschen nicht nur Rödelheimer. Liegewiesen, Open-Air Kino, Spielmöglichkeiten und eine Rollschuhbahn sind ein herrliches Sommervergnügen!

Sehenswert im Brentanopark sind u.a. der Pavillon mit dem Rosengarten, der 1931 nach Plänen von Eugen Kaufmann als Teil des Projekts Neues Frankfurt errichtet wurde. Weitere bemerkenswerte Orte im Brentanopark sind das Kriegsopferdenkmal und das Denkmal für die 1938 zerstörte Rödelheimer Synagoge. Eine Besonderheit ist auch der an die 300 Jahre alte Ginkgo-Baum, der auch Goethe-Ginkgo genannt wird, weil der Dichter Johann Wolfgang von Goethe den Baum besonders geschätzt haben soll. Der Goethe-Ginkgo ist der älteste Ginkgo Deutschlands.

Auf der anderen Seite von Rödelheim, westlich Richtung Autobahn A5, steht im Schultheißenweg der alte Rödelheimer Wasserturm, der heute das Wahrzeichen von Rödelheim ist. Der 1895 errichtete Wasserturm ist 51m hoch und fasste 380 Kubikmeter Wasser. Heute wird der denkmalgeschützte Wasserturm gewerblich genutzt.