Frankfurt-Gallus

Restaurant-Gästehaus WilhelmshöheRestaurant-Gästehaus Wilhelmshöhe

Seit 2007 heißt das Gallusviertel offiziell nur noch Gallus. Der Frankfurter Stadtteil zwischen den Gleisen ist ein Ort der Superlative. Nicht nur, dass hier 2007 der dickste Döner (11kg) hergestellt wurde. Das Gallus ist Multi-Kulti pur, denn 41% der rund 28.000 Einwohner des Gallus haben keinen deutschen Pass, und mit einem geringen Durchschnittsalter ist das Gallus auch der jüngste Stadtteil von Frankfurt am Main.

Zahlreiche Projekte in der Sozialen Stadt fördern das Miteinander auf kulturelle und sehenswerte Weise. Wie zum Beispiel mit dem Mehrgenerationenhaus in der Idsteiner Straße. Die Hauptverkehrsader im Viertel ist die Mainzer Landstraße. Etwas südlich davon, in der Kleyerstraße, befindet sich das Gallus-Theater auf dem Gelände der früheren Adlerwerke. Das Theater entstand auch aus dem Integrationsgedanken heraus und bietet freien Künstlern eine Bühne.

Wahrzeichen des Gallus ist die Galluswarte. Historisch gesehen war sie die Galgenwarte auf dem Galgenfeld, woraus Gallus wurde. Die Galluswarte im Zentrum des Viertels ist einer von vier mittelalterlichen Warttürmen der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert in diesem Bezirk.

Nahe der Galluswarte steht das Haus Gallus. Das Bürgerhaus SAALBAU Gallus hat eine tragende Rolle in der Verhandlung von Nazi-Kriegsverbrechen gespielt. Von 1963-65 standen hier 22 SS-Offiziere, KZ-Aufseher und -Ärzte beim ersten Auschwitz-Prozess unter Anklage. 375 Zeugen wurden gehört, unter ihnen 211 Auschwitz-Überlebende. Heute wird der Saalbau für Veranstaltungen und Tagungen genutzt.

Viele nennen das Gallus auch Kamerun. Warum das so ist, dazu gibt es mehrere Versionen. Eine berichtet von den französischen Söldnern aus Marokko, die nach dem ersten Weltkrieg den Grenzübergang an der Mainzer Landstraße bewachten. Eine andere geht davon aus, dass es mit den schwarzen Gesichtern zu tun hat, die die Arbeiter der Adlerwerke, in der auch Schreibmaschinen mit Druckerbändern hergestellt wurden, nach Hause trugen. Eine weitere Version sagt, es läge daran, dass den Frankfurtern dieses Viertel ungefähr so heimisch erschien, wie die Kolonie Kamerun im fernen Afrika.

Apropos Kolonie: Im Westen des Gallus ist die Hellerhofsiedlung als denkmalgeschütztes Ensemble zu bewundern. Sie entstand für Arbeiter, die unter anderem bei den Adlerwerken tätig waren. 1901-04 wurde der ältere Teil gebaut und 1929-36 der neuere. Dieser wurde im Stile des Neuen Frankfurts von Ernst May geplant und mit Frankfurter Küchen ausgestattet - einer schmalen Einbauküche, die die bis dahin herrschenden Wohnküchen vielerorts ablösten.

Das Gallus ist geprägt durch die Industrie und die Bahnhöfe, die sie mitbrachte. Mit dem Frankfurter Hauptbahnhof hat das Viertel einen wichtigen und schmucken Funktionsbau aus dem Jahr 1888. Das fünfschiffige Empfangsgebäude hat eine 206m breite Neorenaissancefassade und ist von Atlas gekrönt, der die Welt auf seinen Schultern trägt. Rund 350.000 Menschen werden täglich durch den Hauptbahnhof bewegt.

Der Güterbahnhof wurde 1996 von der Deutschen Bahn aufgegeben. Hier wächst jetzt das neue Europaviertel, mit Blick auf den Messeturm. Als Eingangstor zu diesem neu entstehenden Viertel dient vom Gallus aus gesehen das Skyline Plaza, ein Einkaufszentrum.

Es wird viel und hoch hinaus gebaut im Gallus. Zum Beispiel die ungleichen Zwillinge und Söhne des Zeus, Kastor (der Sterbliche) und Pollux (ein Halbgott) an der Friedrich-Ebert-Anlage. Kastor misst 130m und Hauptmieter ist die Commerzbank. Pollux ist 95m hoch. Sie stehen sich gegenüber, getrennt durch eine kleine Grünanlage mit einer Lichtskulptur. Einen weiteren Wolkenkratzer hat das Gallus mit dem Tower 185 zu bieten. Der Doppelturm nahe des Europaviertels hat eine Gesamthöhe von 200m und ist mit dem Main-Tower in der Innenstadt das vierthöchste Hochhaus in Deutschland.

Einen Park hat das Gallus noch nicht, aber eine kleine Grünanlage zwischen Frankenallee und Kölner Straße. Diese haben sie nach Lia Wöhr benannt, gebürtige Bäckerstochter aus dem Viertel, die als Schauspielerin, Sängerin und erste weibliche Produzentin im Deutschen Fernsehen bekannt geworden ist. Sie gab die Wirtin Zum Blauen Bock, den sie auch produzierte.