Frankfurter Messe

Wenn die Frankfurter keine Tickets mehr pünktlich an den Bahnstationen ziehen können, Taxifahrer genervter sind, als an einem Festwochenende, dann wissen sie: Es ist Messe, eine von gut dreißig Messen, die in Frankfurt jährlich stattfinden. Sie haben es sich ja auch so ausgesucht, denn das Geld für die Gründung einer Ausstellungs- und Festhallengesellschaft mbH kam zur einen Hälfte von der Stadt und zur anderen von Frankfurtern. Die Messegesellschaft gehört heute der Stadt und dem Land Hessen.

Kaiser Friedrich erteilte Frankfurt am Main bereits 1240 das Privileg, Messen auszurichten. Frankfurt wurde zu einer der ältesten Messestädte der Welt – und man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Das Messegelände ist auf 476.000qm und elf Ausstellungshallen angewachsen. Bedeutende Messen sind die Internationale Automobil-Ausstellung IAA mit Pkw in den ungeraden Jahren im September und die weltweit größte Buchmesse jährlich im Oktober.

Eine weitere eindrucksvolle Messe muss gleich erwähnt werden, denn von ihr haben alle was: Luminale. Das Lichterspektakel mit visioneller Beleuchtung von Gebäuden und Plätzen findet zeitgleich zur Light+Building-Messe (in den geraden Jahren) im April statt. Genial zeigt es die Umgebung in wörtlich, völlig anderem Licht, öffnet die Augen für das Besondere und regt die Fantasie an.

Der Messeturm ist das Wahrzeichen Frankfurts, mit seinen 257m Höhe war er bei seiner Einweihung 1991 der höchste Wolkenkratzer in Europa. Den Titel „Höchstes Gebäude“ nahm ihm 1997 der Frankfurter Commerzbank Tower ab (259m). Übrigens entstehen in den letzten Jahren einige der höchsten Wolkenkratzer in Moskau, da wird die 300er Marke mal eben überschritten.

Bei der Gestaltung des Messeturms, von den Frankfurtern auch gerne Bleistift genannt, orientierte sich der Architekt Helmut Jahn am Stil des Art-Déco der 1930er Jahre. Innen Stahlbeton, außen polierter roter Granit. Unten quadratisch, oben Pyramide. Der Messeturm hat sogar eine eigene Postleitzahl und die bewegliche 23m hohe Skulptur des Hammering Man des Künstlers Jonathan Borofsky vor der Tür.

Ins Auge fällt daneben das Torhaus. Es steht zwischen dem östlichen und westlichen Teil des Messegeländes und symbolisiert das Tor zu Frankfurt. 1984 entstand das Hochhaus aus drei Bauteilen, rötliche Steinfassade, verspiegelte Flächen, insgesamt dreißig Geschosse, die sich zu 117m aufstapeln. Da sich in der Nähe ein Heizkraftwerk befindet, sprechen einige Frankfurter über das Torhaus, es sei der schönste Kamin der Stadt.

Maße und Mengen, vor denen man Angst kriegen könnte, bietet auch die Frankfurter Festhalle auf dem Messegelände. 1907-08 entstand der 40m hohe Kuppelbau als repräsentative Mehrzweckhalle. Wobei diese Bezeichnung deutlich untertrieben ist. Wenn der Innenraum nicht bestuhlt ist, passen auf eine Fläche von 5.646qm über 13.500 Leute, das ist nichts für Enochlophobiker (Angst vor Menschenmassen). Die Festhalle entstand im Stile des Neobarock und zählt zu einem wichtigen Bau des späten Historismus. Stahl und Glas, eine beeindruckende Kuppel, die oft nachgeahmt wurde.

Eines noch: Wenn Messe ist, die Bahnen überfüllt und die Taxifahrer genervt sind, lässt es sich leicht zu Fuß gehen, denn Frankfurt ist ein Dorf, sagen ja die Frankfurter und die Entfernungen seien gut zu überbrücken. Vom Römerberg beispielsweise bis zur Messe sind es dreißig Gehminuten, ebenso vom Goethe-Haus oder der Alten Oper.