Erlöserkirche Lüdenscheid

Den Mittelpunkt von Lüdenscheid bildet seit jeher die Erlöserkirche. Auf einer kleinen Anhöhe inmitten der Altstadt thront sie, während die alten Straßenzüge, die im Mittelalter entstanden, sich ringförmig um sie legen. Schon für 1072 ist eine Kirche an dieser Stelle belegt. Doch natürlich ist dies mit Sicherheit nicht die gleiche Kirche, die heute hier steht.

Man weiß, dass im zwölften Jahrhundert eine zweijochige spätromanische Pfeilerbasilika entstand. Die Kirche war damals dem heiligen Medardus geweiht. Ein ungewöhnliches Patrozinium, dem man nicht allzu häufig begegnet. Aber immerhin ist Medardus der Schutzpatron von Lüdenscheid, ebenso wie der der Winzer, Bierbrauer und Bauern. Die Bauern riefen ihn übrigens unter anderem an, wenn sie statt des häufigen Regens im märkischen Sauerland auch einmal gutes Wetter für die Heuernte brauchten. Damit hängt wohl auch zusammen, dass die Zunft der Schirmemacher ihn ebenfalls als ihren Schutzheiligen ansah.

Aber zurück zur Erlöserkirche. Im 14. Jahrhundert erhielt die Erlöserkirche einen mit Strebepfeilern versehenen gotischen Chor. Heute sind von diesem älteren Gebäudeteil nur noch Reste im Turm erkennbar, der damit als das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt Lüdenscheid gilt.

1822 war die mittelalterliche Kirche so baufällig geworden, dass man sie abriss und nur den Turm stehen ließ. 1823-26 erfolgte der Neubau des Kirchenschiffs in klassizistischem Stil durch den Tiroler Zimmerer- und Maurermeister Engelbert Kleinhanz. Der Turm hatte bereits 1785 einen neuen Turmhelm erhalten, eine gestufte Barock-Haube.

Von der Innenausstattung ist vor allem der klassizistische Kanzelaltar erwähnenswert, den vermutlich Adolf von Vagedes gestaltete, ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel. Das aus fünf Glocken bestehende Geläut der Kirche, die maßgeblich zum Stadtbild Lüdenscheids beiträgt, wurde zuletzt im Jahr 2000 erneuert.

Nachdem die Kirche evangelisch geworden war, hieß sie einfach nur Stadtkirche. Erst als 1902 die Christuskirche geweiht wurde, erhielt auch die Erlöserkirche ihren heutigen Namen.

Und damit wären wir auch gleich bei der zweiten großen evangelischen Kirche Lüdenscheids, der Christuskirche. Genau genommen ist sie mit ihren 1.200 Plätzen sogar die größte Kirche im Märkischen Kreis. Sie wurde 1902 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und ist als neugotische Saalkirche ausgeführt. Ihr Architekt, der Barmener Gustav Adolf Fischer hat sie der Trinitätskirche in Berlin-Charlottenburg nachempfunden. Ihr Grundriss ist kreuzförmig, und sie ist im Stil des Wiesbadener Programms gehalten, das die Kirche als Versammlungsort der Gemeinde in den Vordergrund stellte.

Natürlich gibt es auch eine katholische Kirche St. Joseph und Medardus in Lüdenscheid. Die neugotische Saalkirche aus dem Jahr 1885 wurde zunächst ohne Turm gebaut. Der Bau eines Turms wurde erst rund 40 Jahre später beschlossen, und seit 1928 ziert die Kirche nun ein quadratischer Turm mit Satteldach. Eher ungewöhnlich für die Region ist das Baumaterial: roter Backstein. Die sogenannte Backsteingotik findet man ansonsten eher in Norddeutschland.