Diethardt

In dem kleinen Ort Diethardt im Hintertaunus findet der Wanderer Natur, Idylle, und vor allem Eines: Ruhe. Diese Ruhe wird nur selten unterbrochen: Bei Sonnenaufgang vom Hahnenkrähen, und zweimal täglich von den Kirchturmglocken. 1999 sorgte außerdem ein Team des ZDFs für Unruhe, als es hier einen Teil der Krimi-Sendung „Ein Fall für Zwei“ drehte.

Bei Diethardt steigt der Hintertaunus von der Nastätter Mulde zur Zorner Hochfläche an. In früheren Zeiten gab es hier Wacholderheiden, von denen man nur noch bei Welterod und Diethardt einen Restbestand findet. Höchste Erhebung in der Ortsgemarkung ist der Algenrother Berg (376m) nordöstlich des Dorfes. Zwischen den Bergkuppen schlängeln sich kleine Bachläufe ins Tal und fließen dem Mühlbach zu, wie der Käsbach oder der Morsbach, an dessen Mündung der Ortskern von Diethardt liegt.

Die Ortsgemeinde Diethardt, zu der auch der Ortsteil Münchenroth zählt, liegt südlich von Nastätten auf 300m ü. NN im waldreichen Hintertaunus. Der ehemalige Luftkurort hat sich bis heute seinen ursprünglichen Charakter bewahrt: Unterhalb der alten Kirche, die über dem Dorf thront, reiht sich am Ufer des Mühlbaches entlang Fachwerkhaus an Fachwerkhaus.

Die evangelische Kirche wurde 1738 an der Stelle eines alten katholischen Gotteshauses errichtet, das vor der Reformation dem heiligen Diethardt geweiht worden war. Der Neubau war 1741 fertig eingerichtet, bis auf Orgel und Kirchturmuhr, für deren Anschaffung damals das Geld fehlte. Die Orgel wurde nachträglich eingebaut, und das anstelle einer Uhr angebrachte Stundenschlagwerk ohne Zifferblätter wurde im 1. Weltkrieg beschlagnahmt. Erst im April 2000 erhielt die Diethardter Kirche eine richtige Kirchturmuhr. Die Gesamtanlage auf dem Kirchberg, zu dem auch der barocke Pfarrhof samt Stall und Fachwerkscheune gehört, steht heute unter Denkmalschutz.

Wer durch Diethardt wandert, kommt auch an einer Jugendstil-Villa vorbei, dem Hubertushaus. Bauherr war Konsul Hagedorn aus Essen, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Jagd in Diethardt gepachtet hatte. Aus dieser Zeit stammt auch das Geweih eines Achtzehnenders, das noch immer in der Eingangshalle hängt. Heute ist das Hubertushaus im Privatbesitz und beheimatet vier Wohnungen sowie ein Architekturbüro.

Das alte Backhaus ist noch voll funktionsfähig, wie die Diethardter einmal jährlich unter Beweis stellen: Beim traditionellen Backesfest wird hier Brot und Kuchen wie anno dazumal gebacken.