Burg Nideggen

Wenn die Mauern erzählen könnten, würde so manches Ächzen und Stöhnen an des Menschen Ohr dringen. Insbesondere aus dem Verlies, wo einst ein aufstrebender Graf Kirchenmänner hat festsetzen lassen gegen die Zahlung von Lösegeldern, wenn es sein musste, gleich für Jahre.

Die Rede ist von Graf Wilhelm von Jülich, der 1170 als kleiner Adeliger in Nideggen die Trutzfeste Nideggen (Burg Nideggen) baute und sie durch den gewaltigen Jenseitsturm mit den Kerkern sicherte. Ebenso wie die Kirche und zahlreiche Gebäude der Stadt, ist die Burganlage aus rötlichem Buntsandstein gemauert. Bis ins 15. Jahrhundert war Burg Nideggen Residenz der Jülicher Grafen.

Der Graf war Anhänger des Kaisers. Dessen Gegner war der Erzbischof von Köln, der den Bau des Kölner Doms angeregt hatte. Bei einer Schlacht im Badewald westlich von Nideggen verloren die Kölner Truppen und der Erzbischof wurde im Jenseitsturm gefangen gehalten, bis nach neun Monaten ein hohes Lösegeld gezahlt wurde.

Auch der Nachfolger des Erzbischofs unterlag dem Grafen von Jülich und fristete dreieinhalb Jahre im Kerker der Burg Nideggen und musste zahlen. Erst die Heirat eines Jülichers mit der Nichte des Kölner Erzbischofs lässt um 1300 Ruhe in die Fehde einkehren. Karl V. kann Mitte des 16. Jahrhunderts Nideggen einnehmen. Es folgen mehrere Erbfolgekriege und der Dreißigjährige Krieg, die Nideggen zugrunde richteten. Viele verlassen die Stadt, die danach verarmt. Um 1900 beginnt man mit dem Aufbau des verödeten Nideggens, was 1944 teilweise wieder zunichte gemacht wird.

Burg Nideggen erhebt sich weithin sichtbar über den Felsmassiven auf rund 330m ü.NN. Die Stadtmauer mit vorspringenden Rund- und Halbtürmen umgibt den historischen Kern von Nideggen. Die Altstadt zeigt sich mit sehenswerten Fachwerk- und Buntsandsteinhäusern in den Straßen und Gassen. Sehenswert ist auch der Marktplatz mit dem repräsentativen Rathaus. Vom Marktplatz aus zweigt eine Gasse in die Vorburg ab und ebenfalls in der Nähe ist die romanische Pfarrkirche.

Zwei prägende Tore zeigt die Burg, das Dürener Tor und das Zülpicher Tor. Im 14. Jahrhundert wurde das äußere Burgtor errichtet. Es ist Eingang zum äußeren Burghof, der auch als Zwinger diente. Im 18. Jahrhundert wurde der Torweg mit einem Fachwerkhaus überbaut, dem Pförtnerhaus. Das wiederum wurde 1979 rekonstruiert. Das innere Burgtor sichert den Zugang zur Hauptburg und wurde nach Zerstörungen mit einer hinzukommenden Treppe zwischen 1901 und 1906 wieder aufgebaut.

Das Palasgebäude wurde von dem sogenannten Küchenturm beschützt, der bis 1944 14m hoch war. Als weiterer Turm sind Reste des Westturms aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Der Turm wurde auch Damenerker genannt. Er diente mehr repräsentativen Zwecken und hatte größere Fenster als der Küchenturm. Man findet auch Fragmente eines Kamins.

Auf dem Damenerker der Burg Nideggen wurde der Eifel-Blick Burg Nideggen eingerichtet. Dieser Eifel-Blick bietet einen Fernblick über das mittlere Rurtal und die nördlichen Teile des Nationalpark Eifel.

Der älteste Teil der Burg Nideggen ist der Wohnturm aus der Zeit von 1177 bis 1190 mit einem Halsgraben an der Ostseite. Die Aufstockung auf sechs Geschosse erhielt der Turm um 1350. Hier findet sich auch das Verlies und nebenan die Burgkapelle. Als der Erzbischof Konrad von Hochstaden im Verlies ausharrte, wurde ein Loch in die Wand zwischen Kerker und Kapelle gebrochen, damit der Geistliche der Messe beiwohnen konnte. Weniger berühmte Insassen hatten es sicher noch ungemütlicher, als die Prominenz.

1909 wurde auf Burg Nideggen – mitterweile im Besitz der Stadt Nideggen – ein Burgenmuseum eröffnet. Das hatte während der Weltkriege dort keinen Bestand, aber nach eine Restaurierung erfolgte 1979 das Re-Opening des Burgenmuseums Nideggen. Auf rund 600qm bietet das Burgenmuseum Nideggen Einblicke in das Leben im Mittelalter. Auf Burg Nideggen auch zu sehen ist der Burggarten und ein Brunnen sowie im Burghof die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder errichteten Gebäude, wo sich heute auch eine Burggaststätte befindet.