Breithardt


Breithardt liegt zwei Kilometer östlich der Aar am Breithardter Bach, der bei Burg Hohenstein in die Aar mündet. Umgeben ist Breithardt von landwirtschaftlichen Flächen, die gleich von vier Bächen durchzogen werden, die hier den Breithardter Bach bilden. Das Dorf ist erstmals um das Jahr 1260 erwähnt und die jetzige Namensform gibt es seit 1648. Der Name bedeutet "breiter Wald" oder "weites bebautes Land" und Breithardt war für einige Dörfer Kirchdorf, das sogar 1417 Stadtrechte verliehen bekam, ohne diese jedoch wahrzunehmen.

Die evangelische Kirche liegt reizvoll am Dorfrand im Tal mit Kirchhofmauer und Torbau und wurde 1228 als Kirche zum Heiligen Kreuz erbaut. Der mächtige romanische Wehrturm mit seinen 28m Höhe und spätgotischem Spitzhelm ist das Wahrzeichen von Breithardt. Das Kirchenschiff ist im Süden noch romanischen Ursprungs, im Norden wurde es im 17. Jahrhundert erweitert. Der höhere spätgotische Chor wurde 1450 erbaut.

Im Innern der Pfarrkirche sieht man die Flachdecke auf vier Rundstützen mit Stuckornamenten liegen. Im Netzgewölbe des Chores findet sich neben Tier- und Fratzenkonsolen auch der Nassauer Löwe. Die Fresken stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und stellen einen vollständig erhaltenen Zyklus mit Szenen aus dem Neuen Testament dar. Ein Wandtabernakel mit Epitaph, Kreuzigungsgruppe und Stifterfiguren sind 1490 geschaffen worden. Zwei weitere Sakramentshäuschen, eines davon mit zwei nassauischen Wappen, und der Taufstein sind wohl 1519 hinzugefügt worden.

Schon im Jahr 1594 wird für Breithardt eine Schule erwähnt. Die noch erhaltene alte Schule stammt allerdings erst von 1874 und liegt direkt zwischen Pfarrkirche und dem früheren Pfarrhaus. Die alte Schule dient heute als Teil des Gemeindezentrums. Es ist ein typischer preußischer Schultyp, ein zweigeschossiger Backsteinbau von sieben Achsen, wobei die mittlere als Eingangsachse dient und durch einen vorgezogenen Giebel betont wird.

Das alte Rathaus in der Ortsmitte, früher mit Backhaus, wurde um 1700 errichtet. Das Gebäude, das im Untergeschoss aus Bruchsteinmauerwerk und im Obergeschoss aus Fachwerk mit Zierformen besteht, unterlag vielen baulichen Veränderungen und die spätere Anbauten (Feuerwehrgerätehaus und Treppenhaus) wurden bei der jüngsten Instandsetzung 1987-88 wieder entfernt. Heute dient es als Restaurant und ist in den Komplex des neuen Bürgerhauses einbezogen.

Das heutige Rathaus war am südöstlichen Ortsrand im Jahr 1905 als jüdisches Kaufhaus gebaut worden. Damals und für die hiesigen Verhältnisse war es ungewöhnlich modern mit Aufzug und fließendem Wasser ausgestattet. In der Naziherrschaft fiel das Haus an die Gemeinde, die hier zunächst die Hitlerjugend antreten ließ. Seit 1973 werden hier die Amtsgeschäfte der 1972 neu gegründeten Gemeinde Hohenstein erledigt. Der dreigeschossige Backsteinbau hebt sich von der Umgebung vor allem durch seine Höhe, aber auch seine gestalterischen Elemente ab, die im Giebel an die Formensprache der Renaissance erinnern.


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