Büdingen

Büdingen, eine der schönsten erhaltenen mittelalterlichen Städte in Deutschland und daher auch als hessisches Rothenburg bekannt, wird geprägt durch Schloss Büdingen und die umgebende Stadtmauer. Der Pulverturm zeigt den östlichen Beginn der Ummauerung an. Die Stadtmauer führt im Uhrzeigersinn zum südlichen Stadtzugang über die Mühltorbrücke. Die südliche Festungsmauer Meliorsdamm führt zum westlich gelegenen Jerusalemer Tor, das Alt- und Neustadt von der Vorstadt trennt.

Am Marktplatz steht das Büdinger Rathaus aus Stein mit Treppengiebel und dem Stadtborn, dem Brunnen am Haus. Es wurde 1458 mit einer Kaufhalle im Untergeschoss versehen. Saal und Ratsstuben waren darüber. Heute ist im Rathaus das Heuson-Museum untergebracht, benannt nach Karl Heuson, einem Büdinger Heimatforscher. Das Heuson-Museum bietet Einblicke in die Stadtgeschichte, die Vor- und Frühgeschichte. Es zeigt Zeugnisse aus dem Arbeitsleben der Büdinger.

Nahe des Rathauses, wo die Straße Altstadt und Schlossgasse aufeinander treffen, steht das markante Steinerne Haus mit dem zweistöckigen Erker und dem Spitzhelm obenauf. Es ist das älteste Gebäude Büdingens und Teil der Stadtbefestigung, mit der Aufgabe, den Brückenkopf am Mühltor zu sichern.

An der Mühltorbrücke steht das Schlaghaus (seit dem 17. Jahrhundert als Schlachthaus bezeichnet). Im spätmittelalterlichen Torbau aus dem 14. Jahrhundert ist heute das Metzgermuseum untergebracht.

Weiterhin sehr markant ist das ehemalige Stadtwirtshaus Zum Schwan, dass sich durch die Gasse vom Steinernen Hof geschaut, am anderen Ende befindet. Hier entführt das 50er Jahre Museum in die Zeiten von Petticoat und Haartolle.

Wenn man nur eines der schmucken Fachwerkhäuser hervorheben möchte, so fällt die Wahl auf den Luckischen Hof in der Schlossgasse. 1506-07 wurde das Haus gebaut, das zu einem guten Beispiel von der Spätgotik zur Renaissance gezählt werden kann. Das Optik besticht durch die zahlreichen Viertelkreisbögen und die Kopf- und Fußstreben des Firstständers. Wie haben die das damals bloß so schön hingekriegt? Den Namen erhielt das Haus von der Beamtenfamilie Luck, die den Hof im 17. Jahrhundert erstand.

Wer Büdingen mit dem Auto anfährt, wird vielleicht über die Mühltorbrücke hineinfahren, zwischen dem Steinernen Haus und dem Meliorshaus hindurch auf den Parkplatz am Westgraben, wo der Grüne und der Rote Turm die Mauer parken. An den Parkplatz grenzt der Garten Kölsch mit seiner erdgeschichtlichen Skulpturengalerie. Am Garten steht auch das längste Stück der alten Stadtmauer.

Von dort aus in Richtung Norden liegt ein weiteres beachtenswertes Steinhaus nahe des Obertores. Der Oberhof wurde 1569-70 von Graf Georg und Gattin im Renaissancestil gebaut. Hervorzuheben ist die Südfassade mit einem die klaren Linien durchbrechenden schmückenden Erker und Zeichnungen, die leider fast nicht mehr zu erkennen sind. Hier leben jetzt keine Witwen mehr, sondern es wird musiziert und Kunst gemacht. Schiffe, Autos, Eisenbahne, auch alles im Oberturm – im Modellbaumuseum mit 150 Exponaten. Sogar der bekannte Film „Das Boot“ wurde mit Miniaturen des Büdinger Modellbauvereins versorgt.

Nicht in der Altstadt, sondern westlich der Vorstadt steht die älteste Kirche der Wetterau und eines der bedeutsamsten Baudenkmäler Deutschlands. Die Remigiuskirche, die um 1047 datiert wird, steht mitten auf dem Friedhof. Aus der Zeit der Merowinger ist eine hölzerne Vorgängerkapelle zu Beginn des 8. Jahrhunderts bekannt. Weitgehend unbekannt ist, wer zu welchem Zweck die Kapelle erbaute.

An Büdingens Mühltor kann man eine rund 9km lange Rundwanderung starten, die einen entgegen des Uhrzeigersinns zum Wilden Stein, oder in der Langform: der wilden Frauen Gestein führt. Die Basaltformation des Geotops soll bereits vor zig Jahrhunderten eine Kultstätte gewesen sein. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde hier Hexen der Prozess gemacht. Ein Hexengesicht soll sich profilhaft in einem Basalteinschluss abgezeichnet haben. Nicht gruselig sondern romantisch ist der Blick vom Wilden Stein auf Büdingen.

Wer sich nicht entscheiden kann, wann er sich das Kleinod der hessischen historischen Kulturlandschaft anschauen will, sollte am Wochenende nach Pfingsten nach Büdingen fahren. Dann lockt das Altstadtfest. Ebenfalls bekannt und beliebt: Die Kulturnacht am zweiten Wochenende im Juli, die im Wechsel mit dem Mittelalterfest stattfindet.