Augsburg: Auf Erkundungstour durch die Augsburger Altstadt


Erstellt von: Tom - Wanderatlas Redaktion
Streckenlänge: 6 km
Gehzeit o. Pause: 1 Std. 29 Min.
Höhenmeter ca. ↑119m  ↓119m
Kein Wegzeichen hinterlegt

41 Museen und Galerien hat Augsburg am Lech zu bieten. Einige Ausstellungsstücke beziehen sich auf die Augsburger Wasserwirtschaft, die im Sommer 2019 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Denn seit über 1.000 Jahren liefern die Stechkanäle in der Altstadt in Augsburg die Wasserkraft für die zahlreichen Handwerksbetriebe und deren Maschinen.

Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands, es gibt viel zu sehen! Wir starten am Hauptbahnhof Augsburg und treffen gleich auf Aktivität. Es wird gebaut. Das Projekt Augsburg City zeigt sich am Bahnhofausbau und an anderen Stellen der Innenstadt, wo Bauprojekte miteinander vernetzt wurden, zur Modernisierung und Attraktivitätssteigerung der über 2.000 Jahre alten Stadt. 2010 wurde mit dem Projekt begonnen und gräbt sich durch.

Wir wandern durch das Bahnhofsviertel und die Bahnhofstraße mit denkmalgeschützten Wohn- und Geschäftshäusern aus dem späten 19. Jahrhundert im Neobarock und der Neurenaissance zum Königsplatz mit dem Manzù-Brunnen mit der Bronzefigur des italienischen Bildhauers Giacomo Manzù, die 2,2m hoch ein eben noch badendes Mädchen zeigt, örtlich auch Kammer-Fräulein genannt.

Wir biegen in die Annastraße zur Sankt Anna Kirche, gegenüber des Martin-Luther-Platzes, an dem das Maximilianmuseum, das älteste und eines der bedeutendsten in Augsburg, mit Kunst, Stadtgeschichte, Skulpturen, am Fuggerplatz liegt. St. Anna wurde 1321 von den Karmeliten erbaut, 1607 kam der Turm hinzu, und die Kirche, mit sehenswerter Fuggerkapelle und Goldschmiedekapelle sowie einem Orgelprospekt der Renaissance. In Nebenräumen wurde das Museum Lutherstiege eröffnet.

Durch die Hummelpassage erreichen wir den Rathausplatz mit dem Denkmal für Kaiser Augustus. Der römische Stadtgründer dominiert einen Prachtbrunnen, der mit dem Wassermanagement zum UNESCO-Welterbe zählt.

Wir stehen vor dem prägenden Ensemble aus imposantem Rathaus und Perlachturm von St. Peter am Perlach. Die im romanischen Stil erbaute Hallenkirche mit 70m hohem Perlachturm ist eine Wallfahrtskirche. Der Turm wurde ursprünglich 989 als Wachturm erbaut. Eine Besonderheit ist das Turamichele, das am Michaelistag stündlich (um den 29.9.) auf den Teufel einsticht.

Das Rathaus Augsburg ist ein stattliches Gebäude der Renaissance, misst 57m, wurde von 1615-1624 erbaut, hat zwei Türme und ist auch im Inneren fantastisch anzusehen, mit dem goldenen Saal beispielsweise oder dem Fürstenzimmer. Auf der Rückseite des Rathauses ist der Elias-Holl-Platz, dem Architekten des Rathauses gewidmet.

Am Platz ist das Kloster der Franziskanerinnen von Maria Stern mit der Sternkirche, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Baumeister war der Vater von Elias Holl, Johannes Holl, der den Klosterbau mit Kirche und schlankem Zwiebelturm im 16. Jahrhundert schuf. Wir sehen das Kulturhaus Kresslesmühle und den Georgsbrunnen (1565).

Der Weg führt zur Barfüßerkirche, die im 13. Jh. von den Barfüßern, den Franziskanern, erbaut wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie vereinfacht wiederaufgebaut. Über den Inneren Stadtgraben bewegen wir uns in die Jakobervorstadt.

Von der Jakoberstraße biegen wir zur Markuskirche der Fuggerei, die auch von Johannes Holl erbaut wurde. Das Markuskirchlein der Fuggerei, benannt nach dem Stifter, Markus Fugger (1529-1597), stammt aus der Mitte des 16. Jh. An der Seitenwand mit Sonnenuhr steht der Wahlspruch von Jakob Fugger: Nutze die Zeit. Die Fuggerei ist die älteste bestehende Sozialsiedlung weltweit. Sie wurde von Jakob Fugger (1495-1525), auch genannt: der Reiche, gestiftet, für von Armut bedrohte Handwerker und Tagelöhner. Die Reihenhaussiedlung wird von der Stiftung betreut. Die Fuggerei kostet Eintritt für deren Erhalt.

In den gepflegten Häuschen leben 150 bedürftige Augsburger Katholiken mit gutem Leumund für eine Kaltmiete jährlich von einem umgerechneten Rheinischen Gulden, sprich 88 Cent. Die Nebenkosten sind selbst zu tragen. Ebenso soll täglich ein Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und ein Ave Maria für die Stifter gebetet werden. Da man den Menschen nicht auf den Teller schauen, aber die Idee dennoch gezeigt werden soll, gibt es in Nachbarschaft zum Museum Weltkriegsbunker (1943) das Fuggereimuseum und eine Schauwohnung.

Wir schlendern beeindruckt zum Jakobsplatz mit dem Neptunbrunnen (vermutlich um 1518) dem ältesten Brunnen Augsburgs. Wir umrunden die Fuggerei und kommen über den Sparrenlech, kreuzen die Straße Oberer Graben und Grün nebst Wasser vom Inneren Stadtgraben und kommen zum Vogeltor (1445) der einstigen Stadtmauer, das auch Einlass zur Jakobervorstadt war. Vom Erbauer und dessen „Hinterlassenschaft“ als Beweis, dass der Turm gerade sei, gibt es eine Anekdote, die in den Steinfiguren ansatzweise zu erkennen ist.

Kurz machen wir einen Abstecher über den Mittleren Lech rund um das Kloster der Dominikanerinnen mit der Kirche St. Ursula (1516). Das Kloster wurde 1335 gegründet und 1823 wiederbelebt. Wir folgen jetzt dem Grünstreifen mit dem Inneren Stadtgraben gen Süden und drehen eine Runde durch ein Herzstück des UNESCO-Welterbes Augsburger Wasserwirtschaft, wobei wir weiteren Kirchen begegnen: St. Margareth, auch Spitalkirche genannt (1594), in Rot mit Dachreiter und Zwiebelhaube, Heilig-Geist-Kapelle am Ende des Heilig-Geist-Spitals, mit der Augsburger-Puppenkiste.

Hinter dem Heilig-Geist-Ensemble ist der Kastenturm auf einem einstigen Wehrturm, der Handwerkerhof mit dem Schwäbischen Handwerkermuseum und an der Ecke stehen der Kleine- und Große Wasserturm. Das Wasserwerk am Roten Tor war 463 Jahre für die Trinkwasserversorgung Augsburgs zuständig. Der Große Turm wurde 1463 gemauert, 1669 aufgestockt, der Kleine Turm 1470 und mehrfach erhöht, Ausbauten folgten.

Dann kommen wir zur monumentalen Basilika St. Ulrich und Afra, die aus einer Benediktiner-Stiftskirche hervorging und in der Geschichte auf eine spätrömische Kirche zurückgeht. Was wir heute sehen begann 1467, der 93m hohe Turm ist von 1593. Die katholische Pfarrkirche hat in der Nachbarschaft die kleinere evangelische Ulrichskirche, die aus einer Art Markthalle für die Pilger zu St. Ulrich entstand.

Mit der Maximilianstraße wandern wir zum Moritzplatz mit dem imposanten Weberhaus (Vorgängerbau von 1389, historisierender Nachbau 1913) und mit der Kirche St. Moritz beim Merkurbrunnen. St. Moritz wurde 1019 als Kollegiatstift gegründet, 1314 zum zweiten Mal errichtet, zuletzt im Inneren 2013 neu gestaltet.

Über die Parkanlage Königsplatz nehmen wir die Synagoge von Augsburg in Augenschein, erbaut von 1914-1917 und nach dem Zweiten Weltkrieg schrittweise wiederhergestellt. Das Gebäude zeigt sich in Formen des Jugendstils, teilweise byzantinisch mit orientalischen Anklängen. Hier ist auch das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.

Wer so viel hat, hat auch einen Feiertag mehr. Die Augsburger haben einen eigenen gesetzlichen Feiertag auf das Stadtgebiet begrenzt am 8. August: das Augsburger Hohen Friedensfest wird seit 1650 gefeiert. Die Protestanten feierten das Ende ihrer Unterdrückung während des Dreißigjährigen Krieges. Es ist ein immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Bildnachweis: Von Allie_Caulfield from Germany [CC BY 2.0] via Wikimedia Commons

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