Schloss Gedern

Eine wahre Fundgrube für Bauhistoriker ist das auf dem Schlossberg thronende Schloss Gedern, dessen Baugeschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Viele Ausbau- und Umbauphasen, die in der Barockzeit stattfanden, lassen sich bestaunen. Das Schloss in Gedern samt Parkanlage ist als Kulturerbe eingestuft.

Wolfram von Gaudern wird in einer Urkunde des Jahres 1255 benannt. Sein Name hat sich bis heute im Sprachgebrauch verankert, denn das Schloss wird von den Hiesigen Wolframsburg genannt. Bis 1927 war Schloss Gedern bewohnt. Heute wird in der Hauptsache gearbeitet, denn in Schloss Gedern ist die Stadtverwaltung von Gedern untergebracht.

Das Gesamtensemble wird dem protestantischen – also nüchternen – Barock zugeordnet, davon zeugen die klaren Linien. Der quadratische Hauptbau aus der Renaissance erhebt sich majestätisch auf dem Schlossberg, flankiert von dem neueren barocken Prinzessbau. Grundmauern und Fassadenreste einer vormaligen Burg durchziehen die Anlage, deren Hauptentstehung in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert wurde.

Etwas einfacher machen es dem Betrachter die Jahreszahlen, die an manchen Gebäuden angebracht wurden. Nach mehrfachem Besitzerwechsel übernahmen 1535 die Stolberger das Schloss. Der Schlussstein am Tor des Marstallgebäudes trägt die Jahreszahl 1605.

In dem Torbogenhaus, wo einst der Pförtner wohnte, befindet sich seit 2004 das Kulturhistorische Museum Gedern. Der Besucher kann sich hier schlau machen zur Entstehungsgeschichte der Vogelsberger Eisenbahn bis hin zum Vulkanradweg, kann sich einfangen lassen von den Geschichten, Märchen und Sagen der Region und eintauchen in Burgen und Schlösser.

Der Schlossmittelbau weist die Zahl 1706 aus und das östlich des Hauptgebäudes befindliche Rentamt 1710, südlich ist ein Wirtschaftsgebäude, eine Remise zu finden. Das Rentamt wird bewirtschaftet. Draußen, mit italienischem Flair, laden Stühle und Korbsessel in die Café-Bar ein. Fürstlich nächtigen kann man im Schlosshotel Gedern. Und herrlich duften die Seifen der Gederner Seifensiederei, die ebenfalls auf dem Schlossberg Charme und frischen Duft versprüht.

Charmant ist auch der Schlossgarten, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Form eines englischen Landschaftsgartens angelegt wurde. Zwischen altem Baumbestand lässt es sich gut ausspannen oder Natur und Kultur genießen bei Veranstaltungen, wie den Gartenwelten im Schlosspark Gedern am letzten Wochenende im August.

Ein Gedenkstein im Schlosspark erinnert an die Geburtsstätte von Otto zu Stolberg-Wernigerode, der 1837 im Gederner Schloss das Licht der Welt erblickte und im Alter von 41 Jahren für drei Jahre Amtszeit der Vizekanzler im jungen deutschen Kaiserreich war, gleich hinter Bismarck. Ein großer Fisch also.

Kleinere Fische sind Thema des Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Fischhauses, das auf das Betreiben des Grafen Ludwig Christian zu Stolberg zurückgeht, der es über dem Mühlbachgraben bauen ließ. Hintergrund war der Verkauf von Karpfen, die sich gerne im schlammigen Untergrund bewegen, was sich auf deren Geschmack auswirkt. In eingebauten Wasserbassins konnten sich diese nun im Frischwasser sozusagen von innen putzen.