Nieder-Roden (Rodgau)

Nieder-Roden liegt mit dem Ortsteil Rollwald an der Rodau und ist mit 15.400 Einwohnern der größte Stadtteil von Rodgau. Mitten durch Nieder-Rodens Puiseauxplatz verläuft der 50. Breitengrad, der beispielsweise auch durch Krakau führt.

Auf dem Puiseauxplatz steht der Brunnen der Jugend. Das Wahrzeichen von Nieder-Roden ist der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Matthias. Ihr Bau geht auf das 13. Jahrhundert zurück und ist damit das älteste Gebäude in Rodgau.

Die Erwähnung des einstigen Wehrturms lag im Jahr 1298. Die damals bereits dort angebaute kleine Kirche erhielt 1542 eine Erweiterung. Ein Kirchenschatz ist die Marienglocke aus dem Jahr 1518. Die heutige Pfarrkirche St. Matthias ist ein Bau im Stil der Neugotik aus dem Jahr 1896 an der Südostecke des jetzt freistehenden Turms. Weitere Kirchenschätze sind der Marienaltar und eine Pietà aus der Zeit um 1520 sowie der neugotische Hochaltar.

Gleich benachbart zur Kirche liegt die Alte Schule in der Turmstraße 4. Sie wurde 1880 eingeweiht und bis 1986 auch als Schule betrieben. Ebenfalls in der Nähe ist das ehemalige Lehrerhaus, das als Doppelhaus gebaut wurde. Hier hat der Arbeitskreis für Heimatkunde ein kleines Museum eingerichtet, das die Lebensumstände um 1900 dokumentiert.

In der Schulstraße, die sich anschließt, ist das Schwesternhaus, das 1898 gebaut wurde. Die Schwestern widmeten sich der Krankenpflege, sie hatten einen Kindergarten und unterrichteten Mädchen in Hauswirtschaft. Das Gebäude heute ist ein originalgetreuer Nachbau des Schwesternhauses, das 1993 abgerissen und 1996 wieder aufgebaut wurde, mit der Ergänzung eines Pfarrzentrums. In unmittelbarer Umgebung steht die Nepomuk-Statue aus Sandstein, die 1761 entstand. Sie zog 1996 hierher um.

An der heutigen S-Bahn steht das Bahnhofsgebäude aus zweifarbigem Klinkermauerwerk aus dem Jahr 1896. Es steht in Zusammenhang mit der Rodgaubahn, die in jenem Jahr eröffnet wurde. Die Rodgaubahn führte nach Offenbach. An der Bahnstrecke finden sich weitere Typenbauten in dem Stil des Nieder-Rodener Bahnhofs. Der S-Bahnbetrieb wurde 2003 aufgenommen und damit der Bahnhof aufgegeben.

Der Nieder-Rodener Ortsteil Rollwald hat eine düstere Geschichte. Eigentlich war der Rollwald ein lichtes Wäldchen mit Kiefern und Buchen, in dem sich gerne Liebespaare trafen. Im Zweiten Weltkrieg entstand auf dem nun abgeholzten Rollwald ein Strafgefangenenlager, zu dessen Bau Häftlinge, gerne mit Bauerfahrung, geordert und gezwungen wurden. Etliche Menschen ließen in dem Lager ihr Leben und wurden in Rollwald bestattet. Der Friedhof wurde inzwischen eingeebnet und darauf eine Gedenkstätte errichtet. Von den zahlreichen Arrest- und Lagerbauten sowie den Beamtenhäusern ist das massive Arresthaus erhalten sowie die Glocke der Lagerkirche, die in die Heilig-Kreuz-Kapelle integriert wurde.

Nördlich von Nieder-Roden und westlich von Dudenhofen ist der Rodgausee ein beliebtes Naherholungsgebiet. Einheimische nennen den Rodgausee auch gerne ihr „St. Tropez am Baggersee“ (man erinnert sich an den gleichnamigen Song der Rodgau Monotones). Es gibt einen textilen und einen FKK-Bereich und in beiden sind Schwimmer- und Nichtschwimmer-Möglichkeiten. Von 1977 bis 2015 kamen insgesamt schon 7 Millionen Besucher an den Rodgausee. Die Fläche des Sees beträgt rund 26ha und die maximale Tiefe liegt bei knapp 22m. Nach wie vor werden hier Sand und Kies abgebaut.

Südlich von Rollwald fließt die Rodau. Sie ist ein 28km langer Bach und entspringt in einem Quellgebiet bei Rödermark-Urberach, fließt durch Ober-Roden und Nieder-Roden sowie im weiteren Verlauf durch die Ortschaften Dudenhofen, Jügesheim, Hainhausen und Weiskirchen der Gemeinde Rodgau. Weiter fließt der leider nicht sehr saubere Bach durch das Gebiet der Gemeinde Obertshausen und durch den Ort Lämmerspiel, bevor die Rodau bei Mühlheim in den Main mündet.

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