Meiningen: Stadtrundgang für alle Sinne


Erstellt von: Tom - Wanderatlas Redaktion
Streckenlänge: 6 km
Gehzeit o. Pause: 1 Std. 38 Min.
Höhenmeter ca. ↑186m  ↓186m
Kein Wegzeichen hinterlegt

Meiningen am Übergang vom Thüringer Wald zur Rhön ist Kreisstadt und Kulturstadt. Über 1.000 Jahre Geschichte sind in Meiningen an der Werra versammelt: historische Altstadt, Fachwerk im fränkischen Stil, klassizistische, repräsentative Bauten, die Meininger Museen und die Geburtsstätte des Thüringer Kloßes.

Für eine umfassende Erkundung Meiningens braucht man allerdings mehr als diese kleine Runde, die uns nur einen ersten wunderbaren Überblick gibt, mit ihrer Mischung als Kunst, Kultur, Natur, Parks, Höhlen und Aussichten.

Start ist am Volkshausplatz an der Werra nahe der Theaterkreuzung. Wir schlendern am Westufer der Werra, sehen rechterhand die Flutmulde, als Hochwasserschutz in den 1970er Jahren angelegt, und kommen in den Landschaftspark Herrenberg sowie zur Bogenbrücke aus Eisenfachwerk (1882).

Erstmal einen Stipp in die Natur und weiter rauf zum Bielstein auf 400m per Oertelstiege und am Diezhäuschen vorbei, mit einem herrlichen Blick über die Theaterstadt. Samuel Diez war Hofmaler im Dienst von Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen.

Durch den Wald geht es durch den Fliederhain zu einem weiteren Aussichtspunkt über Meiningen – sehr schön! Einblicke in die Geologie liefert die Goetz-Höhle (Eintritt/derzeit selten geöffnet), eine Abriss-Spaltenhöhle, europaweit die einzig erschlossene und begehbare dieses Typs. Sie entstand durch Naturkraft, der Hang rutschte zur Werra hin ab und ist auch noch nicht ganz damit fertig. Auf rund 420m kann man sich die Spalten anschauen, über drei Etagen.

Die Georgsbrücke aus Stahlbeton (1899) leitet uns über die Werra und „Auf den Mittleren Rasen“. Die Insellage hat der Flecken daher, weil der Mühlgraben ihn umarmt. Wir sehen schmucke Stadtvillen.

An der Mittelmühle queren wir den Mühlgraben und den hinzukommenden Schlossgraben, wandern ins historische Zentrum mit weiterem Baudenkmalreigen. Im Dreieck bei der Fischergasse ist die Kleinkunstbühne Rautenkranz. Wir gehen durch die Schlundgasse, rechts ist das Schlundhaus, was im Fränkischen soviel wie Ratskeller bedeutet. Man erkennt es am Erker, der sich über die Geschosse erstreckt. Frau Holle höchstselbst soll dem Stadtbürgermeister das Rezept für die Thüringer Klöse gegeben haben, die in Meiningen Hütes heißen, weil sie ihn mahnte: „Du Sohn uralten Stadtgeblütes, hier hast Du das Rezeptum - Hüt es!“

Es geht zum Marktplatz, wo Wochenmärkte stattfinden. Hier steht hoch erhoben die Stadtkirche Unserer Lieben Frau, deren Bau in der ottonischen Zeit begann – man sieht 1.000 Jahre Baugeschichte. Mit den Doppeltürmen und ihrer Historie ist sie ein Wahrzeichen von Meiningen und überragt die Fachwerkhäuser aus dem 17./18, Jahrhundert sowie die klassizistischen Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Wir spazieren durch die Georgstraße mit Geschäften und Gastronomie. Post- und Schlossgasse führen zum Schloss Elisabethenburg. Es war bis 1918 das Residenzschloss der Herzöge zu Sachsen-Meiningen. Bernhard I. ließ das barocke Schloss innerhalb von 10 Jahren erbauen (1682-1692). Der älteste Bauteil ist der Bibrabau, der stand schon und stammt aus dem Jahr 1511, folgt dem Stil der Renaissance. 

An der Werra und von einem Wassergraben einst geschützt wurde und wird regiert. Wir haben das Rathaus, das Staatsarchiv Meiningen, die Meininger Museen nebst Galerien, ein Turm-Café, die barocke Schlosskirche (1692) Zur Heiligen Dreifaltigkeit, zwischen Spiritualität und Verwaltung passenderweise die Schlossstuben, inmitten ist ein Brunnen, umgeben von Kunst.

Die Kunst setzt sich im Schlosspark fort, in dem das Theatermuseum einen schönen Standort hat. Das Museum hat sich auf historische Bühnenbilder des Meininger Hoftheaters spezialisiert. Das Haus wurde 1797 als Teil des Marstall-Komplexes erbaut. Der Schlosspark Meiningen wuchs zunächst im französischen Schlossgartenstil, folge ab 1770 der damaligen Mode zum Englischen Landschaftspark.

Doppelspurig wird der Bleichgraben um den Schloss-Kern geführt, von der Werra abgezwackt, fließt er an der alten Umfassung beim Pulverturm in den Mühlgraben. Wir queren den Bleichgraben und biegen in die Karlsallee. Weitere Geschichte, Geschichten und Garten liefert der Englische Garten mit der Gruftkapelle, den Denkmälern, der Teichanlage mit Fontäne und dem „ganzen Theater“.

Das Meininger Hoftheater eröffnete in dem monumental wirkenden Gebäude im Jahr 1831. Das Meininger Staatstheater (Vier-Sparten-Theater) bietet: Kammerspiele, Musiktheater, Schauspiel, Ballett, Puppentheater, Konzerte, es gibt die Bürgerbühne und das Kinder- und Jugendtheater. Die Meininger Hofkapelle ist dem Theater angeschlossen, wurde 1690 gegründet, 1880 von Hans von Bülow dirigiert, der beispielsweise Johannes Brahms nach Meiningen brachte.

Bildnachweis: Von Kramer96 [CC BY 3.0] via Wikimedia Commons

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