Marienkirche (Gelnhausen)

Die Marienkirche ist postkartenmotivig der Mittelpunkt der Barbarossastadt Gelnhausen und zugleich ihr Wahrzeichen. Fünf Türme recken sich in den Himmel, wie eine Hand mit Fingern, die die Wolken sachte anstupsen möchten. Die Marienkirche war zur Entstehungszeit im 12. Jahrhundert dem Prämonstratenserstift Langenselbold zugehörig. Um 1120 war sie klein, einschiffig und turmlos.

Als Gelnhausen 1170 Stadt wurde, brauchte es eine repräsentativere Kirche. Der fünfgeschossige Westturm (Glockenturm) mit rheinischem Rhombenhelm und Laterne wurde errichtet und die Saalkirche zu einer dreischiffigen Basilika ausgebaut, mit Anbau eines Querhauses mit Apsiden.

Wer die Marienkirche in Augenschein nimmt, entdeckt ein gelungenes Zusammenspiel der Gestaltungselemente von der Romanik bis zur Gotik und er erkennt den Bedeutungszuwachs von Gelnhausen nach der Stadtwerdung. Mit den Vierungen und dem Vierungsturm beim Querschiff sind erste französische, frühgotische Einflüsse zu sehen. Die nun entstehenden schlanken Chorflankentürme stehen ebenfalls für diesen Stil sowie das nördliche Hauptportal.

Vereinfacht erkennbar und unterscheidbar: romanischer Stil zeigt runde Portale und der gotische Stil spitzbogige, und hier gestaffelte, gestaltete Portale. Über den Portalen sind Tympanonreliefs, die biblische Szenen und Heilige zeigen. Die Apsis hat ein freistehendes Pyramidendach und prägt das Bild der Marienkirche von Osten her. Im Innern des Chors ist eine Kleebogengalerie auf zierlichen Säulen zu bewundern. Der Südturm war einst der schiefe Turm, er wurde 1879 gerichtet.

Maßgeblich entstand die Kirche im 13. Jahrhundert, Ausbauphasen erfolgten im 15. und 16. Jahrhundert, wie beispielsweise mit dem Einzug der sehr sehenswerten Altäre. 1543 wird die Kirche lutherisch – ohne Bildersturm, weshalb ihre reiche Ausstattung heute noch zu bewundern ist.

Allein um sich den dreiseitig gestalteten Lettner in seinen Einzelheiten anzuschauen, braucht es genug Zeit. Der Lettner trennte die Klostergeistlichen von den Laien. Man kann sich kaum satt sehen, an den Steinmetzarbeiten, den eingelassenen Bildern, den Figuren. Die Figuren in den Reliefs sind lebhaft dargestellt, zeigen Menschen aus allen Ständen. Das Jüngste Gericht, der Zug der Seligen ins Paradies, Gottes Hand und Teufelskette – wer die Marienkirche in Gelnhausen besucht sollte sich Zeit nehmen und wirklich auf Entdeckungsreise gehen!