Kreuzau

„Do drusse en de Welt, do ben ich vuelfrei, doch an de Rur ben ich doheem“. So beschrieb Mundartdichter Tillmann Gottschalk (1905 – 1991) sein Heimatgefühl, das ihn mit seinem Wohnort Kreuzau im Rurtal verband.

Von der Historie in Kreuzau, das bereits in vorrömischer Zeit besiedelt war, ist die Burg Kreuzau ein Zeuge. Die Burg Kreuzau steht oberhalb der Rur und war eine Niederungsburg, deren Gräben bei Bedarf geflutet werden konnten durch das Wasser des Drover Bachs, der nahe der Burg in den Mühlenteich einmündet. Die Burg entstand um 1300. Sie befindet sich in Privatbesitz und wird landwirtschaftlich genutzt.

Ebenfalls um 1300 errichtete die Kölner Dombauhütte eine Kirche. Von ihr erhalten ist der sterngewölbte Chor mit Wasserspeiern und Wandtabernakel. Die katholische Pfarrkirche St. Heribert ist eine dreischiffige Basilika mit einem viergeschossigen Westturm. 1869-72 wurde die Kirche renoviert und umgebaut. Dabei wurde das südliche Seitenschiff abgerissen und durch ein neugotisches ersetzt, was sich aber an die Strukturen des gotischen Chors und des Mittelschiffs anpasste.1906-07 kam das nördliche Seitenschiff hinzu.

In Kreuzau finden sich einige denkmalgeschützte Wohnhäuser aus Fachwerk und Bruchstein vom 17. bis 19. Jahrhundert. In der Straße Schneidhausen 1 liegt hinter einem Bruchsteintorbogen eine dreiflügelige Hofanlage aus dem Jahr 1743, die einst ein Walzwerk war. Das zweigeschossige Wohnhaus hat stattliche 2 zu 7 Achsen und Zwerchhäuser. Ebenfalls stattlich ist die Fabrikantenvilla in der Straße Friedenau 3. Die Villa entstand in neoklassizistischer Backsteinarchitektur um 1890 und ist von einem Park mit altem Baumbestand umgeben.

Ein architektonisch interessantes Objekt ist auch die Kurt-Hoesch-Kampfbahn mit Clubhaus, seitlicher Toreinfahrt und Kassenhäuschen. Das Clubhaus ist ein klar gegliederter Bau mit zweigeschossigem Mittelteil, und eingeschossigen Vorbauten mit Treppenaufgängen und Flachdächern. Die Anlage spiegelt einen sehr seltenen Bauhausstil wider.

Am Nordrand von Kreuzau am linken Ufer der Rur liegt die Ortslage Schneidhausen und hier steht Haus Schneidhausen, das 1743 als repräsentativer Herrensitz von Fabrikant Leonhard Hoesch errichtet wurde, der Begründer einer Industriedynastie im Rurtal war.

Literarisch begonnen, literarisch endend: Verlässt man Kreuzau nach Westen über die K 39, kommt man in den Ortsteil Langenbroich. Hier kauft Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll 1966 ein ehemaliges Bauernhaus und nutzte es als Feriendomizil und Ort zum Schreiben. Berühmt wurde Langenbroich, als Heinrich Böll im Februar 1974 hier den Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn aufnahm, der aus der damaligen Sowjetunion ausgewiesen worden war.

Das Heinrich-Böll-Haus ist heute eine Zufluchtsstätte und ein Stipendiatenhaus für Autoren und Künstler aus aller Herren Länder, die in dem denkmalgeschützten Hot Aufnahme finden können. 1985 verstarb Böll in Langenbroich.

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