Kloster Schlüchtern

Eine wahre Freude für Architektur- und Geschichtsstudenten sowie an historischer Bauart Interessierte ist das Benediktinerkloster Schlüchtern, Maria geweiht und im 8. Jahrhundert gegründet. Die Spuren des Schaffens der Besitzer, über die Entstehung in der karolingischen und ottonischen Zeit über Romanik, Gotik und Renaissance bis in die Moderne, sind lesbar.

Nahe der Via Regia befindet sich das älteste Bauwerk in oberen Kinzigtal in der Stadt Schlüchtern. Die Abtei des Benediktinerklosters gehörte zu den Reichsklöstern. Es ist vermerkt, das Kaiser Otto III. das Kloster im Jahre 993 an das Bistum Würzburg zurückgab. Aus der frühkarolingischen Zeit ist die Krypta erhalten. Die damalige Kirche war vermutlich dreischiffig.

In der Folgezeit wurde das Kloster mehrfach erweitert. Die Würzburger Bischöfe veranlassten den romanischen Ausbau nach Westen und die Verlängerung des Langhauses der Kirche, die mit einem Westturm 1150 abgeschlossen wurde. Dieser wurde jedoch später gotisch neu aufgebaut.

Mehrere Kapellen wurden bei folgenden Erweiterungen ausgebaut. Noch im 1100 Jahrhundert entstand die Katharinenkapelle im südlichen Seitenschiff, um 1200 die spätromanische noch erhaltene Andreaskapelle.

Im 14. Jahrhundert, der Zeit der Gotik, stiftete Frowin, ein Ritter aus dem Huttengeschlecht, die zweigeschossige Huttenkapelle mit Kreuzrippengewölbe und gotischer Rosette. Seine Frau Tamburga und er ruhen in der Gruft darunter. Im 15. Jahrhundert entstand der Ostturm.

Ein starker Eingriff in den bisherigen Bau dürfte der Abriss des Langhauses der Kirche gewesen sein. An dessen Stelle konnte 1446 eine gotische dreischiffige Hallenkirche geweiht werden. Zwischen 1508 und 1519 wurde das Kloster im Stil der Renaissance in etlichen Teilen neu gebaut. Die Westfront erhielt einen Staffelgiebel, einen runden Treppenturm und einen Erker.

Ende des 15. Jahrhunderts gehörte das Kinzigkloster den Grafen von Hanau. Abt Petrus Lotichius orientierte sich an er Reformation und gab dem Kloster eine daran orientierte Klosterordnung. Auf dieser Basis bestand es bis 1609. In der Folge wechselte das Kloster mehrfach die Besitzer, war um 1696 fast Ruine, es wurde zum Spielball zwischen Würzburg und Hanau, bevor es zu Hessen-Kassel kam.

Wenn alte Substanz zerstört wird, nennt man dies positiv betrachtet: überbaut. Dies geschah im 19. Jahrhundert als die Klosteranlage zu einem Lehrerseminar umfunktioniert wurde. Die Kirche erhielt Zwischendecken, mittelalterliche Fenster wurden zugemauert und neue seminartaugliche in die Wände gebrochen.

Aber, wie angedeutet, man muss es wohl positiv sehen, denn auf die Art blieb das Gesamtensemble mit all seinen Bauspuren erhalten! Von den Lehrern zu den Schülern: Heute befindet sich das Ulrich von Hutten Gymnasium und eine Kirchenmusikalische Fortbildungsstätte in dem hochinteressanten Gemäuer.