Kaiserthermen Trier

Kaiserthermen – oder die Unvollendete! So großartig angefangen und dann doch nie zu Ende gebaut: Die Kaiserthermen in Trier bieten einen fantastischen Einblick in die Badekultur der Römer und auch ein wenig in deren Repräsentations- und Imponiermanier.

Die Trierer Kaiserthermen liegen mitten in der Innenstadt am Ende des Palastgartens und in Nachbarschaft zum Rheinischen Landesmuseum Trier. Der Baubeginn der Kaiserthermen lag vermutlich noch vor 300 n. Chr. Die Kaiserthermen sollten der Repräsentationspflicht des Kaisers Konstantin und seiner Nachkommen dienen und die Barbarathermen ersetzen. Die 250 x 145m große Anlage ging allerdings nie in Betrieb.

Will man wie ein Römer genießen, zählt dazu nicht nur das Trinken von Wein, der manches Mal ein Teil des Lohnes ausmachte, sondern auch das Bad. Ein Besuch einer Badeanlage gehörte zum gesellschaftlichen Leben dazu. Hier wurde sich nicht nur gewaschen, sondern auch geklönt. Da durch den Fußboden geheizt wurde, trugen die Badegäste Holzpantinen, um sich die Fußsohlen nicht zu verbrennen. Ansonsten brauchte es nur noch ein Handtuch.

Auch die Kaiserthermen verfügten über alles, was so einen Badeablauf rund machte: Umkleideräume, nach dem Entkleiden konnte man sich auf einem Paleastra, einem Sport- und Gymnastikfeld, ertüchtigen. Im Anschluss daran wurde bei Verwendung von Öl, das wieder von der Haut geschabt und sich erfrischt im Kaltwasserbad, dem Frigidarium. Wem das zu kalt war, der ging ins Lauwarmwasserbad, dem Tepidarium. In dem Raum waren 20 bis 25 Grad. Saunenartig konnte man auch den Schwitzraum aufsuchen (Laconicum). Langsam wärmte man sich muckelig auf bis zum Warmbad, dem Caldarium. In diesem Raum herrschten 50 Grad. Zum Abkühlen konnte man dann wieder ins Kaltwasserbecken hüpfen.

Die Kaiserthermen wurden in Anlehnung an die Barbarathermen gebaut, jedoch waren sie moderner in der Technik und Ausgestaltung. Man sieht unterirdische Kanäle und Bedienungsgänge. In der Westhälfte liegt der große Hof, der zu sportlicher Betätigung gedacht war. Der Westflügel zeigt noch Reste des beeindruckenden Torbaus. Östlich war das Badehaus mit den drei Hauptthermen: kalt, warm heiß. Als Kaiser Konstantin Trier verließ, blieben die Kaiserthermen als Rohbau stehen. Was heute noch 19m hoch in den Himmel ragt ist der Rest des Heißbades. Teile der Thermenanlage flossen in die Stadtbefestigung ein, so auch ein Fenster der Süd-Apsis des Caldariums, das als Stadttor fungierte.

Konstantins Nachfolger nutzten die Anlage für die berittene kaiserliche Leibgarde als Garnison mit Militärbad und Unterkünften. Vielleicht gab es dort im 5./6. Jahrhundert sogar so etwas wie eine Burg. Es wurde in dem Bereich der expandierenden Stadt gesiedelt und Schutz hinter Mauern gesucht. Im frühen 12. Jahrhundert wurde die Stadtmauer von Trier errichtet und Teile der Kaiserthermen integriert. Ein Jahrhundert später gab es sogar ein Kloster auf dem Areal des geplanten Gymnastikplatzes. Auch eine Kapelle, die Dreifaltigkeitskapelle, durfte seinerzeit nicht fehlen. Zerstörungen setzten der Anlage im Laufe der Jahre zu.

Im Mittelalter wurden wie auch andernorts etliche Steine hinweggenommen und woanders vermörtelt. Seit 1986 sind die Kaiserthermen UNESCO-Weltkulturerbe. Vom Nordrand des früheren Militärbades kann man von einem Turm aus die Kaiserthermen in Augenschein nehmen.

Hinter Glas und einem modernen Bau des Architekten Oskar Mathias Ungers sind die erhaltenen Reste der ersten Trierer Thermen unter dem Viehmarkt geschützt. Die Viehmarkthermen wurden beim Bau einer Tiefgarage 1987 entdeckt. Gebaut wurde die Badeanlage um 80 n. Chr. Damit ist sie die älteste in Trier. Vermutlich wurde sie zu klein, weshalb die großen Barbarathermen gebaut wurden. Die Badebecken am Viehmarkt waren so angelegt, dass das Caldarium Licht aus dem Süden bekam und das Frigidarium gen Norden ausgerichtet war.

Nach dem sie nicht mehr zum Baden genutzt wurde, verfiel sie und auch hier wurden die Steine abgetragen. Über dem Ostteil der einst 8.364qm großen Badeanlage baute der Kapuzinerorden im 17./18. Jahrhundert ein Kloster und auf einem weiteren Teil des Areals einen Klostergarten. Durch den Ungers-Bau kann man ins Innere der freigelegten Thermen schauen und sie besuchen. Auch finden dort Veranstaltungen statt, zum Beispiel Konzerte.

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