Innenhafen Duisburg

Der Innenhafen ist heute das Aushängeschild Duisburgs und ein sichtbares Beispiel für den Strukturwandel. Einst zentraler Hafen der Ruhrmetropole und wegen seiner vielen Getreidemühlen auch Brotkorb des Ruhrgebiets genannt, ist der Innenhafen heute eine moderne Stätte,wo Leben, Arbeiten und Wohnen zusammen kommen.

Der Innenhafen beginnt westlich am Schwanentor, bis ins Mittelalter eines der vier Haupttore Duisburgs. Beim Steiger Schwanentor ist eine Anlegestelle für Rundfahrtschiffe im Innenhafen. Gleich ins Auge fällt die Schwanentorbrücke mit ihren Pylonen. Sie ist eine von drei Hubbrücken in Duisburg und ihre Durchfahrtshöhe beträgt ohne Hebung der Plattform 5,5m. Bei Bedarf kann die Plattform 10m hoch angehoben werden. Die Seile und Gegengewichte sind in den 20m hohen Türmen, die mit Ziegeln verkleidet sind. Die Brücke verbindet die Innenstadt und Kaßlerfeld mit Ruhrort.

Schaut man vom Schwanentor aus in Richtung Kaßlerfeld und Hafenbecken, fragt man sich, wer da ohne Tageslicht auskommt. Es ist das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland. Das befindet sich in einem 2010-13 umgebauten historischen verklinkerten Speichergebäude mit einem überragenden hohen, fensterlosen Magazinturm, der mit einem Satteldach abschließt. Das Speichergebäude in der Schifferstraße 30 stammte ursprünglich aus dem Jahr 1936.

Gleich im Anschluss daran ist das Kultur- und Stadthistorische Museum zu sehen. Ganz in der Nähe ist ein Teil der alten Stadtmauer erhalten. Das Museum befasst sich mit der Volkskunde am Niederrhein und zeigt eine Sammlung zum Lebenswerk des Kartografen Gerhard Mercator, dessen Grabstätte in der Salvatorkirche ist. Das Museum entstand bereits 1902, war aber damals in Räumen des Dachgeschosses im Rathaus.

Geht man weiter entlang des Innenhafens, kommt die Buckelbrücke in Sichtweite. Die 79m lange Brücke wird vom Schwanentor aus bedient und ist die einzige buckelfähige Stahlbrücke der Welt. Wenn die Brücke einen Katzenbuckel macht, weil die Pylone landeinwärts gezogen werden, hebt sie sich um bis zu 8m.

Fußgänger und Radfahrer können die Buckelbrücke überqueren und kommen dabei vom Garten der Erinnerung am Yitzhak-Rabin-Platz zur Marina Duisburg auf der anderen Seite. Die Marina Duisburg ist ein Yachthafen vor den Gebäuden Hitachi Power Office und den einprägsamen Five Boats. Die Marina geht auf den Masterplan von Sir Norman Foster zurück, wie einige andere anderen Um- und Ausbauten des Innenhafens. An acht Stegen können Boote bis zu 20m liegen.

Der Garten der Erinnerung wird auch Altstadtpark genannt und schafft eine wundervolle Verbindung zwischen Altem und Neuem. Der Garten der Erinnerung wurde vom Land-Art-Künstler Dani Karavan 1999 angelegt. In dem 3ha großen Gelände wurden bewusst Reste früherer Bebauung stehen gelassen, wie ein Teil vom Treppenhaus des sogenannten Ludwigsturms, oder eine einstige Spar-Zentrale. Weiße Betonbänder zeigen die einstigen Umrisse. Ein Mosaikweg wurde aus Trümmerschutt zusammengefügt, es wurden Bäume angepflanzt, die Nutzung des Areals als Getreideumschlagsplatz wird mit Sonnenblumenfeldern und einer Waage dargestellt und nachts wird die Anlage künstlerisch ausgeleuchtet.

Auf den israelischen Architekt Zvi Hecker geht der benachbarte Bau der Synagoge und des Gemeindezentrums zurück. Die Duisburger Synagoge wurde 1999 eingeweiht und passt stilistisch gut zum Garten der Erinnerung, auch weil einige Dächer der Synagoge begrünt sind. Der Bau zeigt sich mit einem Glasatrium. Aus dem Zentralen ragen Elemente hervor, die an die Seiten eines aufgeschlagenen Buches erinnern oder Finger einer ausgestreckten Hand. 1875 gab es in der Nähe bereits eine erste Synagoge, die jedoch die Reichspogromnacht nicht überstand.

Verfolgt man nun weiter die Ufer des Innenhafens, kommt man in den Philosophenweg und der ist geprägt von denkmalgeschützten Gebäuden. Der Speicher Allgemeine heißt deshalb so, weil 1936 die Allgemeine Speditions AG einen zehngeschossigen Silo-Getreidespeicher bauen ließ. Der war aus Stahlbeton und mit Ziegeln verkleidet und besaß überwiegend keine Fenster. Bis 1999 wurde das Gebäude umgebaut. Man zerlegte es bis auf die Grundmauern, zog Decken ein wo einst Getreidekammern waren, baute Fenster hinein und schichtete dann die Außenhaut denkmalgerecht wieder auf.

Links daneben von der Wasserseite aus gesehen, ist das Hafenforum. Das Speichergebäude wurde nach erheblicher Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren neu gebaut. Heute dient es als Bürogebäude, Gastronomie hat sich angesiedelt und das Informations- und Kommunikationszentrum, von dem aus Führungen durch das Hafengebiet starten. Ausstellungen und Kulturveranstaltungen haben ebenfalls im Hafenforum einen Platz. Davor steht ein alter Kran.

Neben dem Hafenforum ist die Faktorei 21 im Philosophenweg 21. Das Gebäude wurde ursprünglich 1900 gebaut und beherbergte die Logistik des Innenhafens. Mit dem Masterplan wurde auch dieses Gebäude einem Umbau und einer neuen Nutzung zugeführt. Es sind jetzt Büros darin und unten eine Gastronomie.

Folgt man von da aus einem Wasserarm, ist man in der Hansegracht. Rund um die Duisburger Grachten sind etwa 500 Wohneinheiten in Blockbauweise und in einer verkehrsberuhigten Zone geplant. Die Wohngebäude haben maximal fünf Geschosse und entstehen auf dem einstigen Gelände der ehemaligen Tabakfabrik Böninger, die 1912-75 produzierte. Später war hier ein Lager. Das Tor und das Verwaltungsgebäude der damaligen Fabrik sind noch erhalten, wobei sich in letzterem eine Kindertagesstätte befindet. Neben der Hafengracht liegt parallel die Speichergracht.

In der Nähe steht die Werhahnmühle, die 1896 von Jacob Cohen gegründet wurde, dann Rheinische Mühlenwerke hieß. Nach einem Brand 1924 beteiligte sich ein Vetter namens Werhahn am Aufbau der Mühle. 1969 wurde die Mühle aufgegeben, jedoch als Getreidespeicher bis 1994 genutzt. 2001-02 wurde der Komplex umgebaut. Man sieht eine Verschmelzung von rund 100 Jahren Architekturgeschichte.

Seit 2013 ist das Kindermuseum Explorado in einem Teil der Werhahnmühle. In Deutschlands größtem Kindermuseum geht es darum, dass Kinder ihre Lebensumwelt spielerischund experimentell mit allen Sinnen begreifen und in Erfahrung bringen können.

Mit der Werhahnmühle verbunden sind die Küpperswerke, mit denen man 1969 fusionierte. Am Innenhafen gelegen ist das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst im Philosophenweg 55. Das MKM ist eines der größten deutschen Privatmuseen mit einem Spektrum von deutscher Kunst aus den 1950er Jahren bis heute.