Herrnhaag (Büdingen)

Zum Büdinger Stadtteil Lorbach zählt die Siedlung Herrnhaag. Sie liegt zwischen den Stadtteilen Lorbach, Diebach und Vonhausen. Gegründet wurde Herrnhaag 1738 durch den Reichsgrafen von Zinzendorf, der mit der Herrnhuter Brüdergemeine hier eine neue Heimat fand. Die lutherische-pietistische Glaubensgemeinschaft verfolgte das Ziel, Standesunterschiede der Menschen unberücksichtigt zu lassen im Zusammenleben.

Bis zu tausend Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine lebten zeitweilig in den damals 18 Häusern von Herrnhaag, bevor sich die Gemeinschaft keine 15 Jahre später wieder auflöste, weil sie nicht Untertanen von Graf Gustav Friedrich von Ysenburg-Büdingen werden wollten. Selbiger befürchtete wohl einen Staat im Staat.

Von der einstigen großen Siedlung Herrnhaag verblieben sind im Wesentlichen die zwei großen Gebäude mit Mansarddächern, das rote Grafenhaus und das weiß verputzte Schwesternhaus. Die ökumenische Lebensgemeinschaft Sozietät Herrnhaag bietet heute hier ein offenes Haus für Gäste.

Im Grafenhaus befindet sich der große Saal der Lichtenburg, in dem liturgische und weltliche Feiern ausgerichtet wurden. Nach der Fertigstellung des Grafenhauses 1747 wohnte die Familie Zinzendorf dort. Heute finden in dem barocken Saal Konzerte und Kulturveranstaltungen statt. Das Haus insgesamt bietet Platz für Freizeiten.

Neben der Sozietät Herrnhaag beleben zwei weitere Vereine die Siedlung. Der Verein der Freunde des Herrnhaag und die Jugendwerkstatt Herrnhag, die benachteiligten Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben durch ihre Angebote erleichtern möchte

Weitere Bauten finden sich auf dem Areal, das Gemeinlogis, auch Schäferhaus genannt, mit einem kleinen Backhaus daneben und nahe der Siedlung die evangelische Kirche Herrnhaag. 1834 wurde die kleine neoklassizistische Saalkirche gebaut.