Frankfurter Museumsufer

Das Museumsufer am Schaumainkai ist ein herausragendes Highlight in Frankfurt-Sachsenhausen. Am Museumsufer verteilen sich zehn Museen. Das westlichste davon ist das Museum Giersch. Ein Stück flussabwärts quert die Friedensbrücke mit der B 44 den Main. Ein Stück flussaufwärts verbindet der Holbeinsteg den Stadtteil mit Frankfurts Bahnhofsviertel. Die Hängebrücke für Fußgänger wurde 1990 im Rahmen der Schaffung des Museumsufers fertiggestellt. Sie hat eine Gesamtlänge von 210m.

Das Museum Giersch der Goethe Universität zeigt regionale Kunst und ist in der Villa Holzmann aus dem Jahr 1910 zu finden. Es ist eine Stiftung des Ehepaars Giersch und es werden Künstler der Rhein-Main-Region ausgestellt. Jährlich werden zwei Wechselausstellungen zu kunst- und kulturgeschichtlichen Gebieten aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert gezeigt, die aus dem wissenschaftlich-intellektuellen Leben der Goethe-Universität publikumswirksam und vermittelnd dargeboten werden. Die Villa des Bauunternehmers Philipp Holzmann ist eine der wenigen Ufervillen, die sich erhalten haben aus dieser Zeit. Sie ist zweigeschossig mit einem Mansarddach und fällt durch ihren halbrunden Turmerker mittig auf.

Am Schaumainkai 71 steht das Liebieghaus, das ein bisschen was sakrales ausstrahlt mit seinen Türmen und den Kreuzrippen im Inneren. Es hat einen Uhrenturm und eine Sonnenuhr mit dem augenzwinkernden Text „Nicht immer, aber richtig“, zeigt von außen schon etlichen Figurenschmuck und Wappen. Das Liebieghaus ist eine neugotische Villa, die 1896 dem Textilkaufmann Baron Heinrich von Liebieg gehörte. Die wunderbare Innenarchitektur präsentiert sich teilweise mit Säulen und Gewölben. Seit 1906 gehört das Liebieghaus der Stadt Frankfurt. Die Städtische Skulpturensammlung zog dann 1909 ein.

Das Städel Museum steht gegenüber des Holbeinstegs und ist der Ausgangspunkt der Museumsgeschichte in Frankfurt. Das Städelsche Kunstinstitut geht auf den Gewürzhändler und Bankier Johann Friedrich Städel zurück, der 1815 seine Habe einer Stiftung übertragen hatte. Damit ist das Städel die älteste Kunststiftung in Deutschland und das Museum wuchs zu einem der bedeutendsten in der Kunstszene. Die Aufgabe der Stiftung war, die Ausbildung von Malerinnen und Malern zu fördern und somit wuchs die Kunstsammlung. 1878 zog das Städelsche Kunstinstitut an den Main. Im Städel versammeln sich Bilder aus 700 Jahren, vom frühen 14. Jahrhundert bis in die Moderne. Es reihen sich die Künstlernamen Lucas Cranach, Albrecht Dürer und Sandro Botticelli, Pablo Picasso und Max Beckmann aneinander, um nur einige zu nennen. Unterirdisch wurde ein Erweiterungsbau geschaffen, unter einer Kuppel.

In der Villa de Neufville im Stil der Neurenaissance aus dem Jahr 1893 sind die Verwaltung und die Stiftung des Museums für Kommunikation untergebracht. Die Ausstellung ist in dem schlanken Gebäude mit dem Reiter davor untergebracht. Der Neubau entstand 1990. Sieben Strahlen führen ins Innere der Kommunikationsgeschichte. Jeder Strahl verfolgt ein Thema. Bekannt sind im Lichthof gleich zu Beginn im Museum, die Telefonschafe. Die kleine Herde ist recht possierlich. Ihre Gesichter sind alte graue Telefone mit Wählscheibe, die Körper sind mit Telefonkabeln wollig gebildet und sie stehen auf Telefonhörern. Manchmal klingelt eins und bei Führungen fragen sich vielleicht nicht nur Kinder, was Telefonschafe fressen. Es sind vermutlich Phrasen.

Das nächste Museum steht am Schaumainkai 43 und ist das Deutsche Architekturmuseum. Es findet sich hinter einer erhaltenen Fassade einer Doppelvilla mit klassizistischen Säulen das Jahres 1912. Das Museum gibt es hier seit 1984. Es ist im Inneren ein Haus im Haus und transportiert bereits durch seine Bauart den Inhalt der Architektur aus In-und Ausland. Von der Kate bis zum Skyscaper. Man findet Skizzen und Modelle und eine Präsenz-Bibliothek sowie ein Café.

Benachbart ist das Deutsche Filmmuseum mit einer Dauerausstellung zur Filmgeschichte am Brückenkopf der Untermainbrücke, einer weiteren Brücke von sieben, die Sachsenhausen mit Frankfurt verbindet. Das Filmmuseum ist in einer großen Villa zu finden, die durch einen vorspringenden Mittelrisalit und Säulen auffällt. Das Museum entstand 1984 und im Sockelgeschoss ist das Kommunale Kino untergebracht mit einer interessanten Filmpalette auch außerhalb von Walt Disney. Neben den Dauer- und Sonderausstellungen bietet das Museum ein Veranstaltungsprogramm rund um den Film und Work-Shops.

Das nächste Museum am Schaumainkai (29-37) ist das Museum der Weltkulturen. Es findet sich in zwei Villen, die wurden 1973 umgebaut. Das Völkerkundemuseum zog ein und war damit das erste am Museumsufer. Das Weltkulturenmuseum zeigt eine ethnologische Sammlung und bietet eine experimentelle Vermittlung im Weltkulturen Labor. 67.000 Exponate lassen sich bestaunen.

Zwischen dem Weltkulturenmuseum und dem Museum Angewandte Kunst am Schaumainkai 15 in der Villa Metzler liegt der Metzlerpark mit einem Brunnen. Das Museum zeigt auch Möbel, Kunsthandwerk und Design in dem weißen Bau. Die Villa Metzler daneben stammt aus dem Jahr 1803. Das Museum richtet sein Augenmerk auch auf digitale Kunst.

Ein weiteres Museum liegt hinter dem Metzlerpark, also nicht direkt am Museumsufer, ist das neue im Bunde der Museen. Das Bibelhaus präsentiert archäologische Objekte, historische Artefakte und hält als Erlebnis-Museum verschiedene Stationen zum Mitmachen bereit.

Jetzt hat man ein Stück Uferweg vor sich bis zum Ikonen-Museum. Dabei kommt man am Eisernen Steg vorbei. Die Fußgängerbrücke wurde 1868 erbaut aus Stahlfachwerk und ist rund 174m lang. Nachdem die ursprüngliche Brücke von der Wehrmacht gesprengt worden war, war der Eiserne Steg die erste Brücke in Frankfurt, die wieder aufgebaut wurde. 1993 wurde sie erneuert, da sie durch Rost etc. zu gefährlich geworden war. Auf dem weiteren Museumsweg liegt die Dreikönigskirche der evangelischen Gemeinde. Die Kirche wurde 1880 fertiggestellt im Stil der Neugotik. Sie ist aus rotem Mainsandstein und zur Erbauungszeit war ihr 81m hoher Turm der zweithöchste in Frankfurt.

Das Ikonen-Museum gegenüber der Alten Brücke im ehemaligen Deutschordenshaus zeigt Holzikonen und Metallplastiken. 1990 wurde es hier eingerichtet. Benachbart ist die Deutschordenskirche. Die Alte Brücke ist die älteste Steinbrücke in Frankfurt. Sie war bereits vor 1222 bekannt und erhielt natürlich etliche Erneuerungen. Die Neue Alte Brücke wurde zuletzt 2014 saniert. Die Brücke quert auch die Maininsel mit dem Portikus. Er zeigt junge Kunst im Main. Die Kunsthalle Portikus ist Nachbar des Ruderclubs und die Insel ist damit abwechslungsreich bespielt.

Gleich angrenzend zum ehemaligen Deutschordenshaus schließt sich die katholische Deutschordenskirche in der Brückenstraße an. Sie fällt durch ihr barockes Portal auf, das 1709 bis 1715 vor die gotische Kirche gesetzt wurde. Die Kirche wurde durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den Jahren 1963 bis 1965 wieder aufgebaut. Das Gebäude geht auf das Jahr 1307 zurück. 1734 entstand das berühmte barocke Gemälde der Himmelfahrt Mariae des venezianischen Malers Giovanni Battista Piazzetta. Das Altarbild verschwand 1796 als französische Revolutionstruppen Frankfurt besetzten. 1840 wurde es in einem Museum in Lille wiedergefunden uns seit 1957 hängt es im Louvre.

Regionaler Bezug:

Frankfurt am Main Hessen Sachsenhausen-Offenbacher Rücken Untermainebene Rhein-Main-Ebene
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