Brauneberg

Brauneberg war eigentlich kein Ort, sondern eine Weinlage. Aber eine, mit gutem Ruf. Und so wurde 1925 der Ort Dusemond einfach in Brauneberg umbenannt. Den alten Namen Dusemond trug man, weil der kleine Bach Duse zwischen den beiden Ortsteilen Brauneberg und Filzen in die Mosel mündet.

Die bekannte Weinlage Brauneberger Juffer liegt gegenüber von Brauneberg am anderen Moselufer. Der Hang hat eine Steigung bis zu 87%. 1990 fand man am sonnenverwöhnten Hang der Weinlage Juffer-Sonnenuhr eine Altrömische Kelteranlage (2. Jahrhundert), die zu den ältesten nördlich der Alpen zählt und von Brauneberg saniert und im Original wieder aufgebaut wurde.

Bei Brauneberg wurde 1998 die seinerzeit in Deutschland höchste Temperatur von 41,2°C gemessen, was vor allem an der Lage auf einem Schieferberg liegt und von daher nicht offiziell gewertet wurde. Das milde Klima begünstigt aber auf jeden Fall die Weinlagen und am Ende wohl auch den Geschmack des Rebensafts. Nicht nur in puncto Rebstöcke ist Brauneberg etwas Besonderes, sondern auch durch die 1,6km lange Nussbaumallee – die längste an der Mosel. Bis zu 300 Jahre alt sind die Bäume. Die Allee war einst Rammschutz bei Eisgang der Mosel.

Ein weiteres Kennzeichen von Brauneberg sieht, wer mit offenen Augen durch den Ort spaziert: Über hundert alte Türen kann man da bewundern. So wundert es nicht, dass der Ortskern, der sich entlang der Mosel streckt, als Denkmalzone ausgewiesen ist. Die historische Bausubstanz stammt vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Wer immer noch offenen Auges ist, hat mit Blick auf die Simultanpfarrkirche St. Remigius, nicht etwa einen Knick in der Optik, sondern sieht richtig. Der Turm ist schief, etwa um 100cm. Bereits 1684 wurde in Brauneberg das Gotteshaus simultan genutzt. 1777 wurde dann die heutige Kirche im barocken Stil errichtet, mit einem etwas geneigten Zwiebelturm. Dass der Turm schief ist, liegt daran, dass er zwar auf Schiefergestein gebaut wurde, diese Schicht war aber nur 1m dick und drunter liegt Sand. 1957 wurde der Turm mit Betonpfeilern unterfangen. Jetzt wüsste man vielleicht zu gerne, wem wie viel vom Turm gehört: 1/3 den Protestanten und 2/3 den Katholiken.

Zur Ortsgemeinde Brauneberg gehören der an der Mosel gelegenen Ortsteil Filzen und Hirzlei im Frohnbachtal, das Ziel etlicher Wanderer ist. Das dortige Schulgebäude wurde 1955 zur Kapelle umgestaltet. Das Kapellchen hat einen Dachreiter und Rundbogenfenster.

In Filzen ließen sich 1455 Franziskanerinnen nieder. Ein schönes Ensemble bilden das Kloster Filzen und der Turm der ehemaligen Andreaskapelle. Der wurde 1055 erbaut und ist das älteste Bauwerk in Filzen. Heute gehört er ins Ensemble des einstigen Klosters, das katholische Pfarrkirche St. Josef ist.

Die barocke Pfarrkirche St. Josef wurde 1712-21 erbaut und beherbergt im Inneren eine sehenswerte barocke Kanzel, die Altäre und das Orgelprospekt. Das Kloster wurde zur Zeit der Säkularisation aufgelöst und die Andreaskapelle mit zugehöriger Klause erlag dem Abriss.

Verlässt man Brauneberg in Richtung Westen, kommt man nach Wintrich und hier wird man, so die Eigenwerbung, vom Herrgott verwöhnt. Warum? Weil hier die bekannteste Weinlage Großer Herrgott heißt. Der hat man 1968 ein bleibendes Denkmal gesetzt: eine gut acht Meter hohe Christusstatue, das größte freistehende Kruzifix in Rheinland-Pfalz. Übrigens auch nachts gut zu sehen, denn der Wintricher Herrgott wird mit Flutlicht angestrahlt.