Allagen

Nordwestlich von Warstein und Hirschberg, wo die Möhne aus dem Stadtgebiet Warsteins hinüber in die Gemarkung Möhnesee wechselt, liegt direkt am Fluss der Warsteiner Ortsteil Allagen. Etwa um 800 wird die Gründung der Siedlung vermutet, damals noch nördlich der Möhne am Haarstrang. Erst Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Siedlung an ihren heutigen Standort verlegt. Während im Norden die Möhne vorüberfließt und dahinter der Blick weit über die offenen und sanft gewellten Lagen des Haarstrangs schweift, erheben sich im Süden einige bewaldete Bergrücken. Der Schanellsche Berg (312m) und der Borghagen (313m) sind zwei davon.

Auf dem Borghagen gab es einst eine Siedlung oder Burg. Der Abschnitt eines Walls ist als Bodendenkmal geschützt. Ansonsten ist von der Haus Bockholt aber nichts mehr sichtbar. Ganz im Gegensatz zu den zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden im Ort, sowohl in Allagen als auch im Nachbarort Niederbergheim. Mehrere alte Gehöfte zum Beispiel, mit Fachwerkfassaden und den typischen großen Dielentoren, das prächtige Haus Bockholt oder auch die Drei-Bogen-Brücke über die Möhne.

Eher wie eine kleine Burg denn wie eine Fabrikantenvilla wirkt Haus Dassel. 1841 entstand das Wohngebäude mit Staffelgiebel, etwas später folgte der Turm aus wuchtigem Bruchsteinmauerwerk. Den Namen trägt das Haus nach der Familie Dassel aus Düsseldorf, die es im späten 19. Jahrhundert bezog und renovieren ließ. Rund um die Villa erstreckt sich heute viel Grün in Form eines schönen Parks, der die ursprünglich noch vorhandenen Fabrikgebäude ersetzte.

Heute dient das Haus Dassel den örtlichen Vereinen als Veranstaltungsraum sowie als Heimatstube. Die Schwerpunkte der Ausstellung in dieser Heimatstube sind die Geschichte des Ortes und seiner Nachbarn, die Landwirtschaft, Möbel und Wohnkultur der Altvorderen sowie deren christliche Religiosität.

Noch beeindruckender ist die katholische Pfarrkirche St. Johannes, aus unverputztem Bruchstein und mit neugotischer Formensprache. 1891 konnte die Pfarrkirche geweiht werden, doch die Kirchengeschichte Allagens ist rund tausend Jahre älter. Denn schon im neunten Jahrhundert, zur Zeit der Karolinger, soll es eine erste Kirche gegeben haben. Damals lag ihr Standort noch nördlich der Möhne auf dem Haarstrang. Im 12. Jahrhundert, genauer im Jahr 1144, entstand eine neue Kirche südlich der Möhne, aus der ein Kruzifix erhalten ist. Während dessen Original im Diözesanmuseum Paderborn aufbewahrt wird, hängt in der Allagener Johanneskirche eine Nachbildung. 1671 wurde dem bestehenden Turm von 1144 ein größeres Kirchenschiff angebaut, doch auch diese Kirche war bald wieder zu klein. So kam es Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau der heutigen Kirche.

Zwischen Allagen und dem Nachbarort Niederbergheim, am Fuß des Lüsenbergs (318m), mündet die knapp 4km lange Wanne in die Möhne. Nach ihr ist unter anderem der Campingplatz Wannetal benannt, der am Übergang des offenen Tals in die bewaldeten Berghänge im Süden liegt.

Gar nicht weit von der Wannemündung in die Möhne liegt die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes, die schmucke Wassermühle Niederbergheim in der Mühlenstraße. Schon seit 1551 steht an dieser Stelle eine Mühle und nutzt die Möhne als Energielieferanten. Damals hatte der Erzbischof von Köln angeordnet, eine Säge- und Kornmühle zu errichten. Heute erzeugt eine Turbine Strom aus Wasserkraft, das Mühlengebäude selbst wird als Galerie für Kunst und Kunstgewerbe genutzt.