Memmingen: Altstadt-Rundgang


Erstellt von: Tom - Wanderatlas Redaktion
Streckenlänge: 5 km
Gehzeit o. Pause: 1 Std. 18 Min.
Höhenmeter ca. ↑116m  ↓116m
Kein Wegzeichen hinterlegt

Was hat das Städtchen Memmingen im Allgäu, was Metropolen nicht haben? Es ist auf Platz 1 eines Rankings der beliebtesten Städtekurztrips gelandet, nachgefragt vom englischen Magazin „Conde Nast Traveller“.

Memmingen ist beschaulich, hat den Allgäu Airport, ca. 150 gastronomische Betriebe vom Café bis zur gemütlichen Weinstube, die Allgäuer Berge schneien herein und das Märchenschloss Neuschwanstein ist vor der Tür. Ja – und die wundervolle Altstadt mit imposantem Marktplatz, pickepackevoll mit Baudenkmälern. Das müssen wir uns anschauen.

Der Spaziergang startet am Bahnhof von Memmingen, der in Modulbauweise aufgestellt ist. Wir wandern zum Stadttheater am Theaterplatz und davor machen wir einen Abstecher in die Straße Gerberplatz, um das Siebendächerhaus (1601) anzuschauen, das einst Gerbern zum Trocken der Felle diente. Der verzahnte Fachwerkkonstruktion und Memmingern ist es zu verdanken, dass es nach Bombenschäden 1945 wieder aufrecht gestellt werden konnte.

Das „Theaterstadel“ ist seit 1802 in einem Gebäude, das einst zum Augustinerinnenkloster gehörte, von dem das meiste abgerissen wurde. Ein Foyer mit viel Licht wurde daran gebaut. Wir schlendern zum Weinmarkt. Auffällig ist das Kramerzunfthaus. Im deutschen Bauernkrieg fand dort 1525 eine Bauernversammlung statt. Die Aufständischen schrieben in 12 Artikeln ihre Forderungen fest. Dieser Akt gilt als erste „Verfassungsgebende Versammlung“ auf deutschem Boden und als erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa.

Wir kommen am Fuggerbau vorbei auf unserem Weg zum „Stattgarten“ neben dem Westertorplatz. Davor treffen wir auf das Antonitermuseum, wo es um Krankheiten und Heilmethoden geht. Es ist im Antonierhaus, einer sehenswerten Vierflügelanlage des Antoniterkloster Memmingen (vor 1235).

Gegenüber ist der Martin-Luther-Platz mit der der St. Martin Kirche, eine der ältesten Kirchen Oberschwabens. Ihr 65m hoher Turm ist weithin sichtbar. Die dreischiffige Basilika wurde 1325 begonnen und um 1500 fertig. Besonders beeindruckend ist auch die Ausgestaltung mit dem über 500 Jahre alten Chorgestühl.

An der Westseite der Altstadt ist das Westertor, zwischen Kerkerturm und Lindauer Tor. Es wurde um 1150 gebaut, als Memmingen Stadt wurde. Mit der Geschichte enger ins Benehmen setzen, kann man sich im Stadtmuseum in einem Palais gegenüber von St. Martin, Ecke Hermansgasse. Die Vierflügelanlage des barocken Stadtpalais (1766) gehörte einem Kaufmann.

Wir wandern über den Platz der Deutschen Einheit, an der Stadthalle sowie am Schwalbenschwanzturm vorbei. Es geht zum Ulmer Tor aus dem 15. Jahrhundert mit einem Stück Wehrgang und jüngeren Malereien. Wir sind am Stadtbach und dem Luginsland, dem Standort des höchsten Verteidigungsturms, der 1806 auf französischen Willen hin, wie auch andere Türme von Memmingen, abgebrochen werden musste.

Jetzt wandern wir mit dem Stadtbach durch eine Grünanlage mit Kneipp-Becken zum Stadtpark Neue Welt auf dem Landesgartenschaugelände von 2000, mit See und der A96 nördlich über dem Grün. Spielplätze laden Familien zum Verweilen, es gibt einen Aussichtsturm und eine Bühne auf dem See.

Schlachthof- und Saarlandstraße bringen uns in die Altstadt zurück. „Am Einlass“ nennt sich die Toranlage aus Ziegeln. Nach Toresschluss konnte man noch hindurchschlüpfen. 1475 wurde das größere Tor gebaut, davor war der geflutete Stadtgraben und es gab ein System zum Einlass, ob man mit oder ohne Wagen kam, bzw. durchsucht werden musste – es kostete.

Durch den Zollergarten kommen wir zur Kirche St. Johann Baptist und dem Rathaus. Wenn wir nach links schauen ist dort ein schiefer Turm. Der Hexenturm ist der älteste noch erhaltene Stadtturm aus der Zeit um 1150. Er ist einer von drei Gefängnistürmen Memmingens und wird mit Drahtseilen zum Welfenhaus an weiterer Schräglage gehindert – so der Plan. 

Das Rathaus Memmingen wurde im Jahrhundert im Stil der Renaissance gebaut. Es setzt ein sehr schmuckes und markantes Zeichen am Marktplatz. Daneben ist das 17-achsige Steuerhaus (1495) mit Bemalungen (1909), gegenüber ist ein Brunnen, der ganze Platz ist bezaubernd. Die Kirche St. Johann Baptist war Augustinerklosterkirche. Das Augustinerkloster wurde um 1240 gegründet. Von der ursprünglichen Ausstattung der Kirche ist kaum was erhalten. Man kann sie sogar übersehen, anders die Großzunft am anderen Ende des Marktplatzes. Auf dem Rückweg zum Bahnhof durch die Kalchstraße sehen wir viele weitere Baudenkmäler und könnten uns damit auseinandersetzen, was es mit dem Gaul in der Wiege auf sich hat.

Bildnachweis: Von Thomas Mirtsch [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

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