Kördorf

Kördorf liegt am Eingang des Jammertals, wie der canyonartige Unterlauf des Dörsbachs seit alters her genannt wird. Hier fließen gleich mehrere kleine Bäche dem westlich verlaufenden Dörsbach zu. Im Süden erhebt sich der Kuckucksberg (350m), der Kördorf vom Nachbarort Herold trennt. Von Kördorf aus besteht über den Aussichtspunkt Winkelei ein guter Einstieg ins Jammertal mit hervorragendem Blick auf das tief eingeschnittene Flussbett.

Auf Kördorfer Gemarkung liegen gleich drei Mühlen am Dörsbach, an denen auch der Lahnhöhenweg vorbeiführt. Die älteste ist die Reifenmühle, die um 1560 erbaut wurde. Die heutigen Gebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1890 wurde letztmals Steuer für den Mühlenbetrieb entrichtet, danach stand die Reifenmühle still. Heute dient sie als Wohnsitz.

1702 wurde die Mahlmühle auf der Reifwiese um eine separate Ölmühle ergänzt. Die beiden Mühlen sind in verschiedenen Gebäuden untergebracht und bilden dennoch zunächst eine Einheit. Erst 1855 wurden sie aufgeteilt: Georg Wilhelm Schmidt erbte die Mahlmühle, sein Bruder Friedrich Philipp die Ölmühle. Der Betrieb der Ölmühle wurde noch vor 1882 eingestellt. Das Gebäudesteuerkataster dieses Jahres weist als Eigentümer Heinrich Schmidt aus, der jedoch kein Müller ist. Vom Lahnhöhenweg aus ist das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkensemble gut zu sehen.

1719 entstand eine dritte Mühle bei Kördorf. Die neue Mühle lag am einem Waag: einer tiefen Stelle im Bach, wo das Wasser gestaut ist. Daher kam sie zu ihrem Namen: Die Neuwagenmühle. Als Müller Johann Christian Henn anno 1851 nach Amerika auswandert, verkauft er die Neuwagenmühle. Der neue Müller wurde vom Wetter hart getroffen: Schon im Juni 1862 ließ ein Wolkenbruch einen Sturzbach entstehen, der Scheune samt Heuvorräten, Stall, Fuhrwagen und mehrere Ackergeräte wegriss. Schlamm und Geröll lagerte sich direkt vor der Mühle ab und verhinderte wochenlang den Mahlbetrieb. Der tiefe Flutgraben an der Mühle ist heute deutlich als Erosion neben dem nach Kördorf führenden Waldweg zu erkennen.

Für Naturfreunde ist Kördorf ein wahres Eldorado: Der 215ha große Gemeindewald wird so nachhaltig bewirtschaftet, dass sich hier eine bemerkenswerte Fauna und Flora angesiedelt hat. Traubeneichen, Wacholder, Heidekraut, Elsbeeren, Mehlbeeren und Seidelbast sowie Mauereidechsen und Schlingnattern haben hier Populationen gebildet. Auch der geschützte Hirschkäfer und die seltene Wildkatze sind in Kördorf zuhause. Besonders im April, wenn das Laub austreibt, lohnt sich ein Abstecher an die Winkelei: Dann blühen dort die üppigen Felsenbirnen. Und etwas später erfüllt der würzige Geruch des Bärlauchs die Luft. Sogar der Märzbecher kommt hier noch in seiner ursprünglichen Wildform vor.

In den Hochwäldern auf der Rupbachseite östlich von Kördorf brüten zahlreiche Greifvogelarten wie Mäusebussard, Habicht, Sperber, Rotmilan und Baumfalke. Auch Waldkauz, Waldohreule und der fast ausgestorbene Uhu sind hier mehrfach gesichtet worden.

Bereits 1139 stand in Kördorf eine kleine Kirche an der Stelle der heutigen evangelischen Pfarrkirche, die 1745 erbaut wurde. Die ursprüngliche Kirche war der Überlieferung nach als einziges Gebäude in Kördorf mit Schiefer bedeckt. 1743 begann man mit der Planung einer neuen Kirche, die 1747 eingeweiht wurde. Eine Orgel wurde erst 1767 eingebaut. Der Bruchsteinsaal mit dem Mansarddach steht heute unter Denkmalschutz. Besonders beachtenswert ist ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert, das im Kloster Arnstein hergestellt wurde.

Auch eine jüdische Gemeinde gab es einst in Kördorf: Südwestlich des Dorfes liegt im Wald zum Jammertal hin ein jüdischer Friedhof. Das Areal mit etwa fünzig Grabsteinen wurde unter Denkmalschutz gestellt.