Gerade zu Beginn der Wandersaison oder des Wanderurlaubs reagieren Sehnen und Gelenke empfindlicher auf ungewohnte Belastungen als die trainierte Muskulatur.
Ein milder Frühlingstag, trockene Wege und endlich wieder längere Touren in der Natur. Nach Monaten mit weniger Bewegung steigt die Motivation spürbar. Viele fühlen sich grundsätzlich fit, schließlich wurde im Winter vielleicht trainiert oder regelmäßig spazieren gegangen. Dennoch zeigen die ersten Wanderungen der Saison oft, dass Leistungsfähigkeit nicht gleich Belastbarkeit bedeutet.
Gerade in den ersten Wochen nach der Winterpause kommt es häufig zu Überlastungsreaktionen. Beschwerden treten nicht immer sofort auf, sondern entwickeln sich schleichend. Leichte Steifheit am Morgen, ziehende Schmerzen rund um Knie oder Sprunggelenk oder Druckempfindlichkeit an der Achillessehne gelten als typische Signale. Der Körper benötigt Zeit, um sich wieder an längere Distanzen, unebene Untergründe und anhaltende Steigungen anzupassen.
Muskulatur passt sich relativ zügig an neue Trainingsreize an. Kraft und Ausdauer lassen sich innerhalb weniger Wochen deutlich verbessern. Sehnen, Bänder und Gelenkstrukturen reagieren deutlich langsamer. Ihr Stoffwechsel ist geringer, die Durchblutung eingeschränkt. Anpassungsprozesse benötigen daher mehr Zeit.
Nach der Winterpause entsteht häufig ein Ungleichgewicht. Die Muskulatur fühlt sich stark an und erlaubt längere Belastungen. Sehnen und Gelenke sind jedoch noch nicht ausreichend vorbereitet. Besonders betroffen sind Kniegelenke, die Achillessehne und die Strukturen rund um das Sprunggelenk. Längere Abstiege verstärken die Belastung zusätzlich, da exzentrische Muskelarbeit hohe Kräfte auf Sehnenansätze überträgt.
Ungewohnte Dauerbelastungen führen in dieser Phase schnell zu Reizungen. Typisch sind Sehnenansatzschmerzen oder diffuse Gelenkbeschwerden ohne akute Verletzung. Solche Überlastungsreaktionen entstehen meist durch eine zu schnelle Steigerung von Umfang und Intensität.
Überlastung äußert sich nicht immer dramatisch. Häufig beginnt es mit einem Spannungsgefühl nach der Tour. Am nächsten Morgen fällt das Treppensteigen schwerer als erwartet. Manche nehmen leichte Schwellungen wahr oder berichten von eingeschränkter Beweglichkeit.
Wer erste Anzeichen von Überlastung bemerkt, nutzt ergänzend Produkte zur Linderung von Gelenkschmerzen und Steifheit, um die Anpassungsphase zu begleiten. Entscheidend bleibt jedoch die Belastungssteuerung. Schmerzmittel oder unterstützende Maßnahmen ersetzen keine angepasste Trainingsplanung.
In der Anfangsphase der Saison sollte der Fokus auf moderater Steigerung liegen. Statt sofort anspruchsvolle Höhenmeter zu sammeln, empfiehlt sich ein schrittweiser Aufbau. Kürzere Distanzen, geringere Steigungen und ausreichend Pausen reduzieren das Risiko. Zwei bis drei moderate Touren pro Woche sind für viele ein sinnvoller Einstieg. Dazwischen helfen Regenerationstage, damit sich Gewebe anpassen kann.
Gezielte Mobilisation vor der Tour verbessert die Beweglichkeit und bereitet Strukturen auf Belastung vor. Einfache Übungen für Sprunggelenke, Knie und Hüfte aktivieren die Muskulatur und fördern die Durchblutung. Kreisende Bewegungen der Fußgelenke, kontrollierte Kniebeugen und leichte Ausfallschritte reichen oft aus, um den Bewegungsapparat auf Temperatur zu bringen.
Auch nach der Tour spielt Mobilisation eine Rolle. Sanfte Dehnungen und lockere Bewegungsabläufe unterstützen die Erholung. Besonders Waden, Oberschenkelvorder- und Rückseite sowie die Hüftmuskulatur profitieren von regelmäßiger Pflege. Wichtig ist eine ruhige Ausführung ohne ruckartige Bewegungen.
Ein ergänzendes Krafttraining kann sinnvoll sein, vor allem für stabilisierende Muskelgruppen rund um Knie und Hüfte. Kräftige Gesäßmuskeln und eine stabile Rumpfmuskulatur entlasten die Gelenke bei längeren Abstiegen erheblich.
Erholung wird häufig unterschätzt. Anpassung findet nicht während der Belastung statt, sondern in den Ruhephasen danach. Mikroverletzungen im Gewebe werden repariert, Strukturen gewinnen an Belastbarkeit. Fehlt diese Phase, steigt das Risiko chronischer Beschwerden.
Ausreichender Schlaf, ausgewogene Ernährung und moderate Bewegung an freien Tagen unterstützen diesen Prozess. Spaziergänge auf ebenem Untergrund oder lockeres Radfahren fördern die Durchblutung ohne zusätzliche Stoßbelastung. Auch leichte Faszienübungen können helfen, Spannungen zu reduzieren.
Ein weiterer Faktor ist die Selbsteinschätzung. Ehrgeiz führt gerade zu Saisonbeginn häufig zu einer Überschätzung der eigenen Belastbarkeit. Ein realistischer Blick auf Trainingsstand und Tagesform schützt vor unnötigen Rückschlägen.
Frühjahrstouren markieren für viele den Start in eine aktive Outdoor-Saison. Ein behutsamer Aufbau schafft die Grundlage für beschwerdefreie Monate. Wer Umfang und Intensität schrittweise steigert, Mobilisation integriert und Erholung bewusst einplant, stärkt nicht nur Muskeln, sondern auch Sehnen und Gelenkstrukturen.
Ungewohnte Belastung ist kein Zeichen mangelnder Fitness, sondern Ausdruck eines natürlichen Anpassungsprozesses. Geduld und Struktur verhindern, dass aus anfänglicher Begeisterung langwierige Beschwerden entstehen. So bleibt die Freude an Bewegung erhalten und die Saison kann stabil und gesund gestaltet werden.